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Downstairs Comedy Club von Felix Lobrecht: So läuft ein Besuch ab

Felix Lobrecht in seinem Comedy-Club in der Oranienburger Straße.
Felix Lobrecht in seinem Comedy-Club in der Oranienburger Straße.bild: watson / swen thissen
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Downstairs Comedy Club von Felix Lobrecht: ein Besuch in Deutschlands neuer Stand-up-Zentrale

13.06.2024, 19:58
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Es ist Freitagabend, kurz nach 21 Uhr. Felix Lobrecht steht ein paar Meter von der Bar entfernt und versucht so zu tun, als wäre er ein ganz normaler Moderator eines Comedy-Clubs. Das gelingt, wenig überraschend, nicht ganz. Ein Typ, um die 25 Jahre alt, läuft neben Lobrecht zweimal unbeholfen im Kreis, fasst sich dann ein Herz und fragt: "Felix, hast du Zeit für ein Foto?" Lobrecht schaut auf, er hatte die Frage vermutlich kommen sehen, und nickt. "Na klar."

Vier Minuten (und ein Foto) später, haben auch die letzten Gäste im Downstairs Comedy Club ihre Pausengetränke ergattert. Sie gehen zurück in den Keller, Lobrecht folgt ihnen, geht auf die Bühne und eröffnet Teil zwei des Stand-up-Abends.

"Natürlich ist beim Hype um den neuen Club der Felix-Lobrecht-Effekt nicht zu übersehen."

Die Stimmung ist ausgelassen, was auch am bemerkenswerten Line-up liegt. Wieder einmal, wie jeden Abend seit der Eröffnung vor wenigen Wochen, stehen einige der besten Comedians und Comediennes Deutschlands im Keller des Meininger-Hotels in der Oranienburger Straße in Berlin. Heute sind unter anderem Osan Yaran, Fred Costea und Bruno Barnaby da, zudem Nachwuchsgesichter wie Florentine Osche.

Lobrecht selbst gibt selbst "nur" den Moderator. Crowdworking zum Auftakt inklusive. Sein Gespräch mit Bianca sorgt für die ersten Lachtränen des Abends.

Bianca sitzt neben ihren beiden Töchtern, die 18 und 21 Jahre alt sein dürften, und weiß auch nicht so genau, was sie hier eigentlich soll. Ihre Töchter hatten drei Tickets gekauft und zu Mama gesagt: "Du musst mit, wir fahren heute zu Felix Lobrecht."

Zwei Stunden später weiß Bianca, wo sie zu Besuch war: in Deutschlands neuer Zentrale der Stand-up-Comedy.

Lobrecht hat Nägel mit Köpfen gemacht. Mitten in Berlin-Mitte hat er den Downstairs Comedy Club eröffnet. 200.000 Euro hat er, so erzählte er es in seinem Podcast "Gemischtes Hack", in den Laden gesteckt, um ihn abzuheben von anderen Comedy-Clubs in Deutschland: besserer Ton, ein bisschen größer, ordentliche Bar, ein wenig mehr Komfort. Aber immer noch: ein Comedykeller. Dunkel, eng, authentisch.

Stand-up-Comedy boomt – nicht nur in Berlin

Stand-up-Comedy, wie man sie vor einigen Jahren nur aus New York kannte, boomt in Deutschland. Das liegt an Comedians und Comediennes, die Bock darauf haben, in einem kleinen Raum aufzutreten und ihre Programme zu entwickeln, und an den jungen Menschen, die genau diese Art von Humor lieben.

Ein schlechter Comedian würde sagen: Endlich gehen auch wir Deutschen zum Lachen in den Keller.

Das Publikum im Downstairs Comedy Club ist genauso alt wie die Zielgruppe von uns bei watson: Die Gäste sind meist zwischen 18 und 35. Und sie reißen Lobrecht die Tickets aus der Hand. Während man in vergleichbare Läden oft spontan noch gehen kann, ist das Downstairs im Moment für fünf Wochen im Voraus restlos ausverkauft. Da spielt es auch keine Rolle, dass die Tickets mit 24,90 Euro etwas teurer sind als in anderen Lokalitäten.

Das gilt übrigens nicht für die Getränke: Das Wasser kostet 2,50 Euro, Bier gibt's ab 3,50 Euro, Longdrinks und Aperol Spritz für 7,50 Euro.

Ein Blick auf die Notizen – auch das gehört zu einer Tryout-Show.
Ein Blick auf die Notizen – auch das gehört zu einer Tryout-Show.bild: watson / swen thissen

Natürlich ist beim Hype um den neuen Club der Felix-Lobrecht-Effekt nicht zu übersehen: Er ist der erfolgreichste Podcaster Deutschlands, er ist zudem der beliebteste Comedian der Gen Z und der Gen Y. Wenn Lobrecht auf Tour geht, füllt er die größten Hallen Deutschlands innerhalb weniger Tage mehrfach. Natürlich wollen seine Fans auch ins Downstairs.

Neues Programm: Felix Lobrecht arbeitet an "Sellout"

Es war daher ein Kunststück, vier Tage später erneut im Downstairs Comedy Club zu sitzen. Felix Lobrecht hatte einen besonderen Abend angekündigt: ein Doppel-Tryout. 45 Minuten Newcomer Rasmus Symanzik, 45 Minuten Felix Lobrecht.

Zum ersten Mal wollte Lobrecht Teile seines neuen Programms "Sellout" vor Publikum testen. Oder, um es mit dem ebenfalls wirklich starken Rasmus Symanzik zu sagen: "Ich bin der, den ihr heute als 'der andere' in Erinnerung behalten werdet. Aber es ist schon lustig, dass Felix seinen Instagram-Namen hier auf die Tafel geschrieben hat."

Mitte Mai gingen die Tickets um 12 Uhr in den Verkauf. Wer nicht exakt im richtigen Moment den Browser refreshte und zwei Sekunden nach 12 Uhr Tickets im Einkaufskorb hatte, ging leer aus.

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Für Fans von Lobrecht ist der Auftritt ein Highlight. Sie sind die allerersten Menschen, die einen Einblick in sein neues Material bekommen. Wozu auch gehört, dass noch nicht jeder Joke, noch nicht jede Punchline wirklich sitzt. Und die Reaktionen Lobrechts, wenn ein Gag zum Rohrkrepierer wird, sind fast genauso witzig wie die Passagen, die so gut funktionieren, dass er in rund einem Jahr damit vor knapp 20.000 Menschen fünf Kilometer weiter südöstlich in der Uber-Arena auftreten wird.

Downstairs Comedy Club: nur zufriedene Gesichter

Die Kurzzusammenfassung beider Abende ist simpel: Nach den Shows gab es nur glückliche Gesichter. Und das liegt nicht nur an Felix Lobrecht, sondern auch am Drumherum. Der 35-Jährige hat den vielleicht besten Comedy-Club Deutschlands aus dem Boden gestampft, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch jeden Abend voll sein wird, wenn Lobrecht nicht mehr selbst beinahe täglich vor Ort ist.

Denn natürlich hat der Berliner das nicht vor. Jetzt, zum Auftakt, gibt er Vollgas, auch wenn er eigentlich im Podcast angekündigt hatte, dieses Jahr kürzertreten zu wollen. Aber der Club soll und wird auf Dauer auch funktionieren müssen, wenn Lobrecht andere Dinge zu tun hat.

Der Plan wird, so macht es den Eindruck, aufgehen, weil sich schon jetzt abzeichnet, dass die Liste der Komiker:innen prominenter sein wird als in anderen Comedy-Clubs. Hinzu kommt: Lobrecht hat den Laden nicht als Geschäftsmann eröffnet, sondern als Vollblut-Stand-up-Comedian. Er hat ein Auge für Talente, ist optimal in der Szene vernetzt und wusste, was einen möglichst optimalen Comedykeller ausmacht.

Lobrecht ist nicht der einzige prominente Comedian, der einen neuen Comedy-Club hochgezogen hat. Michael Mittermeier hat jüngst in München mit dem Lucky Punch ein ähnliches Projekt gestartet. Es ist ein Schritt, der den Zeitgeist trifft. Denn Stand-up-Comedy wächst und wächst. Womöglich wird Lobrechts Engagement dazu führen, dass auch in anderen Städten vergleichbare Projekte entstehen.

Der Downstairs Comedy Club hat sich in jedem Fall in kürzester Zeit einen Namen in der Stadt gemacht. Und wird auch über Berlin hinaus bekannt werden. Man braucht nicht viel Fantasie, um zu prognostizieren: Für viele Tourist:innen wird es in Zukunft zum Pflichtprogramm gehören, einen Abend im Comedy-Club von Felix Lobrecht zu verbringen.

Oder, um es mit Felix Lobrechts Marketingidee für seinen Comedy-Club zu sagen: "Kein Quatsch. Nur Jokes."

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