Achtung Personen muessen eigenständig unkenntlich gemacht werden  Berlin den 26.08.2020 Bild-Motiv: Bushido mit seinen Rechtsanwalt 10.30 Strafkammer 38, Saal 500 Delikt: versuchte schwere raeuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, gefaehrliche Koerperverletzung, Noetigung, Beleidigung, Untreue u.a. 1 Arafat Abou-Chaker 44 2 Yasser Abou-Chaker 39 3 Nasser Abou-Chaker 49 4 Rommel Abou-Chaker 42 -Sicherheitsverfuegung- -Akkreditierung- Das Verfahren richtet sich gegen Arafat A.-C. und drei seiner Brueder wegen verschiedener Vorwuerfe zum Nachteil des Rappers Bushido. Arafat A.-C. und Anis F. alias Bushido seien einst Partner im Musikgeschaeft gewesen. Die Taten sollen sich im Anschluss der 2017 von Bushido ausg

Bushido hat über 25 Tage als Zeuge und Nebenkläger ausgesagt. Bild: imago images/Olaf Wagner

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Beim Bushido-Prozess packt Anna-Maria über Arafat Abou-Chaker und die Trennung aus: "Scheiß auf deine Frau. Scheiß auf deine Kinder"

Schon zum 39. Mal fand der Prozess gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder vor dem Landgericht Berlin statt. Nachdem Bushido an 25 Verhandlungstagen ausgesagt hatte, wurden mittlerweile auch andere Zeugen wie seine ehemalige Sekretärin Caro W. oder eine Polizeibeamtin befragt. Mit besonderer Spannung wurde allerdings das Erscheinen von seiner Frau Anna-Maria Ferchichi im Zeugenstand erwartet. Beim vorherigen Verhandlungstag war es nun so weit und die bis dato wohl wichtigste Zeugin sagte im Saal 500 des Berliner Landgerichts aus.

Die 39-Jährige sprach am Montag darüber, wie sie Arafat 2011 kennenlernte und wie er sich nach ihrer Hochzeit immer mehr in ihr Leben einmischte. "Wir hatten keine Mitsprache, null", so Anna-Maria. Während sie sprach, kämpfte sie mit den Tränen. Die Schwester von Sarah Connor gilt als treibende Kraft für den Bruch mit Arafat und tritt stets als starke Frau an Bushidos Seite auf. "Sie ist der Grund, warum ich irgendwann meinen Scheiß-Mut zusammengenommen habe", so der Rapper. Nun setzte sie ihre Aussage vor dem Richter fort.

Darum geht es im Prozess

Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen auflösen wollte. Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert, heißt es in der Anklageschrift. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

Bushido-Prozess: Anna-Maria zum zweiten Mal im Zeugenstand

Die Polizeibeamten mit Sturmhaube und schusssicherer Weste sind in diesem Prozess schon zum gewohnten Bild geworden. Diesmal begleiteten sie nicht Bushido, sondern dessen Ehefrau, Anna-Maria Ferchichi, in den Gerichtssaal, die gekleidet in Jeans und einem grauen Oberteil im Zeugenstuhl Platz nahm, um gegen den ehemaligen Manager ihres Mannes und dessen Brüder auszusagen. Die vier Männer, die Bushido jahrelang nicht nur kontrolliert, sondern schlussendlich auch bedroht, eingesperrt und verletzt haben sollen, saßen nur wenige Meter entfernt

"Du bist ein Hund, wenn du sie zurücknimmst. Scheiß auf deine Frau, scheiß auf deine Kinder."

Anna-Maria erzählt über Arafat beim Bushido-Prozess

Anna-Maria zeigte sich davon unbeeindruckt. Sie brauchte nicht lange, um sich einzufinden. Freimütig erzählte sie von ihrem Verhältnis zu Arafat, beschrieb dessen Charakter, berichtete von Tobsuchtsanfällen und aggressivem Verhalten. Nach der temporären Trennung von ihr und Bushido soll er den Rapper angeschrien haben: "Du bist ein Hund, wenn du sie zurücknimmst. Scheiß auf deine Frau, scheiß auf deine Kinder." Bushido sei von dieser Aussage geschockt gewesen, sagte Anna-Maria. "Das war das letzte Fünkchen, das in ihm gestorben ist".

Anna-Marias Sätze wirkten überlegt, als wisse sie genau, was sie vor Gericht sagen will. Manchmal schweifte sie ab, verlor sich in Details, die scheinbar dazu dienen sollten, ein Bild zu zeichnen. Das Bild des Arafat Abou-Chaker als kontrollsüchtigen Egozentrikers. "Es war nicht auszuhalten", sagte sie, Arafats Art sei "schlimm" und "grausam" gewesen. "Er hat alles in unserem Leben kontrolliert", betonte sie. Er habe nicht nur alle geschäftlichen Angelegenheiten übernommen, sondern sich auch in ihr Privatleben eingemischt. "Es ist ein Zwang von Arafat, alles zu kontrollieren, zu diktieren. Ich glaube, dass auch seine Brüder darunter leiden."

Nach Versöhnung mit Bushido war auch Arafat wieder da

Im Gegensatz zu ihrem Mann wehrte sich Anna-Maria gegen die Allmacht des Musikmanagers, versuchte sich seinem Einfluss zu entziehen. Nachdem sie sich von Bushido getrennt hatte und zu ihren Eltern nach Bremen gezogen ist, brach der Kontakt für eine gewisse Zeit ab.

Doch mit der Versöhnung mit Bushido tauchte auch Arafat wieder in ihrem Leben auf, man fuhr sogar gemeinsam in den Urlaub. Auf ihre Initiative. "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es ein Leben ohne die Abou-Chakers gibt", erklärt die 39-Jährige die erneute Annäherung. Der gemeinsame Urlaub sei eine Art Friedensangebot gewesen. Doch mit dem Frieden war es nicht weit. Im Urlaub sei es erneut zu Streitigkeiten gekommen. Wieder soll Arafats Machtbedürfnis und seine cholerischen Anfälle der Auslöser gewesen sein. Im Gerichtssaal blieb dieser wortkarg, nur manchmal beugte er sich zu seinen Brüdern, tuschelte, verzog das Gesicht oder schüttelte ungläubig den Kopf. Manchmal lachte er hämisch auf. Dann war erstmal Pause.

Bushido-Prozess: "Arafat wollte ihn unter Kontrolle haben"

Nach einer kurzen Unterbrechung, begann Oberstaatsanwältin Petra Leister Anna-Maria Fragen zu stellen. Dabei ging es unter anderem darum, wie das Verhältnis der Brüder gewesen sei und wie sie selbst zu ihnen gestanden habe. Bezüglich Yasser gab sie an: "Arafat wollte ihn unter Kontrolle haben. Er war bei Touren, Auftritten dabei." Auch über seinen angeblichen damaligen Drogenkonsum sprach sie: "Er war teilweise auf einem anderen Stern." Ihrem Mann sei sein Verhalten unangenehm gewesen. Dies hätte sich durch unkontrolliertes Rumschreien gezeigt, auch proletenhaft sei er gewesen. Rommel beschrieb sie hingegen als sehr freundlich, er sei Stress aus dem Weg gegangen. Nasser habe sie nie großartig gesehen. Er soll aber viel geduldet haben, was Arafat gemacht hätte. "Die spielen guter Bruder und schlechter Bruder in der Öffentlichkeit", gab die 39-Jährige an.

"Wenn du für diese Männer ins Gefängnis gehst, werde ich dich verlassen."

Anna-Maria zu Bushido

Kurz danach beschrieb sie ein Ereignis, was ihr laut Erzählungen schwer zugesetzt habe. Und zwar ging es um eine damalige Hausdurchsuchung. "40 Beamte stürmten unser Haus. Man kann danach nie wieder normal schlafen." Danach habe sie zu Bushido folgendes gesagt: "Wenn du für diese Männer ins Gefängnis gehst, werde ich dich verlassen."

Bushido hatte keinen Zugriff auf Geschäftskonto

Im Anschluss daran betonte die fünffache Mutter, dass Arafat alles bestimmt habe. "Natürlich bin ich durchgedreht", sagte sie. Es sei massiv in ihr Privatleben eingegriffen worden. Ihr Mann habe noch nicht einmal die EC-Karte des Geschäftskontos gehabt. Zudem meinte sie: "Arafat hatte anscheinend Einblick in unser Privatkonto. Jetzt steht man hier mit Mitte 30 und muss sich rechtfertigen, warum der Urlaub 20.000 Euro gekostet hat. Ich habe bis heute nicht auf das Konto meines Mannes geguckt, man hat seine Privatsphäre."

Auch über das Grundstück in Kleinmachnow sprach sie erneut und meinte: "Wäre Kleinmachnow nicht passiert, wären mir die Machtverhältnisse nicht so vor Augen geführt worden." Fair sei dort nämlich nichts abgelaufen. "Er wollte alles regeln, was das Geld betrifft. Kleinmachnow hat ihn verrückt gemacht", so Anna-Maria über Arafat. Er sei größenwahnsinnig geworden und das Bauprojekt sei wie ein Fass ohne Boden gewesen. Auch der unterirdische Pool auf Arafats Grundstück habe ihn durchdrehen lassen.

Kurz vor dem Ende der Verhandlung wurden von der Verteidigung noch überraschend Chatverläufe zwischen ihr und Arafat vorgelesen, die vom Oktober 2014 stammen sollen. Zu dieser Zeit habe sie sich nach einem Streit in Bremen bei ihren Eltern aufgehalten. Anna-Maria habe demnach den Kontakt zu Arafat gesucht. Dazu sagte sie: "Ich erinnere mich an diese Mails. Natürlich schreibe ich höflich, er war wie die Hälfte meines Mannes. Ich wollte meinen Mann verlassen, das war ein sehr schleichender, unangenehmer Prozess. Mein Mann war mir gegenüber zu dieser Zeit ein Riesen-Arschloch." Weitere Fragen zu diesem Nachrichtenverlauf sollen dann am Montag gestellt werden, denn dann wird Bushidos Frau zum dritten Mal weiter aussagen.

Alle weiteren Artikel zum Bushido-Prozess findest du hier.

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