ARCHIV - 25.01.2021, Berlin: Anis Mohamed Youssef Ferchichi, bekannt unter dem K

Bushido im Gerichtssaal beim Prozess gegen seinen früheren Manager und Freund Arafat Abou-Chaker. (Archivbild) Bild: dpa / Paul Zinken

Gerichtsprozess: Bushidos Frau Anna-Maria erzählt unter Tränen vom schlimmsten Moment mit Arafat Abou-Chaker

Anna-Maria Ferchichi betrat beim 38. Prozesstag gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder in einem ärmellosen Kleid den Gerichtssaal. Ihr Mann fehlte bei ihrer ersten Zeugenaussage. Trotz Risikoschwangerschaft mit Drillingen sagte sie dennoch aus und setzte damit ein deutliches Zeichen. Der Vorsitzende Richter Martin Mrosk stellte zu Beginn fest, dass sie lange erwartet worden sei und nun sei sie endlich gekommen. Zunächst wollte er von ihr wissen, wie sie Arafat kennengelernt habe. Dies sei Ende Januar 2011 bei einer Veranstaltung passiert, erzählt Anna-Maria. Richtig kennengelernt hätten sie sich dann aber Wochen später.

"Es war ein aufgelockertes Verhältnis", so die 39-Jährige. Zudem habe es zu Beginn viel Alkohol gegeben, sie seien auf Partys unterwegs gewesen. Anna-Maria erklärte, dass ihr Mann meistens nicht mitgegangen sei. Dennoch sei es eine witzige und schöne Zeit gewesen. Und weiter: "Man hat Spaß gehabt zusammen, es war zwanglos." Sie sei gerne ausgegangen.

Der Richter fragte auch explizit nach, wie das Verhältnis zwischen dem Rapper und Arafat gewesen sei. "Für mich sah es freundschaftlich aus", erklärte sie, Bushido habe sich aber auch immer wieder zurückgezogen. Was ihr sofort aufgefallen sei, war, dass es bei den Konzerten keinen Raum für Künstler gegeben habe. "Er ist in der Masse untergegangen", schilderte sie ihren Eindruck über ihren Mann.

Darum geht es im Prozess

Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen auflösen wollte. Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert, heißt es in der Anklageschrift. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

Mit dem Glauben von Arafat kamen die Probleme

Ein weiterer Punkt sei die Verhaltensänderung von Arafat gewesen, die mit seinem Glauben gekommen sei: "Bevor Arafat sich in der Glaubensrichtung verrannt hat, wirkte er sehr lebensfroh." Nachdem sie Bushido geheiratet habe, hätte Arafat sich um 180 Grad gedreht.

Der Hausbau in Kleinmachnow habe ihr schließlich den Spiegel vorgehalten, denn da sei es zu weiteren Problemen gekommen. "Er wollte sich mit Arafat keiner Konfrontation stellen. Die Fassade wurde so lange gewahrt. In Kleinmachnow wurden die Konflikte stärker, dadurch wurde es mir bewusst." Anna-Maria habe beispielsweise nicht verstanden, warum ihr Haus auf dem Grundstück wie auf einem Präsentierteller sei.

Es sei zudem auch zu üblen Beleidigungen gekommen, nachdem Anna-Maria in einem Restaurant gewesen sei. "Ich wurde noch nie so angeschrien und beleidigt. Fotze, Hurentochter, das war unser erster richtiger Streit, wie ekelhaft Arafat war, völlig überzogen. Es hat mich lange beschäftigt, weil ich es nicht einordnen konnte", so die Schwangere.

Tod von Mutter stürzte Bushido in eine Krise

Besonders der Tod von Bushidos Mutter habe den Rapper in eine Krise gestürzt. "Mein Mann war psychisch sehr labil, hilflos, depressiv." Die Beerdigung sei schließlich für Anna-Maria ein großer Schock gewesen. Der Grund: "Gefühlt war die ganze Unterwelt Berlins da. Ich habe gesagt, dass es eine Frechheit ist." Auch die Organisation der Beerdigung hätte Arafat an sich gerissen.

Die Mutter von fünf Kindern betonte weiter: "Ich bin deutsch, ich bin westlich, ich möchte so nicht leben." Dabei ging es auch um die Vorstellung darüber, wie sie ihre Ehe zu führen habe, wie sie sich anziehe, ob sie eine Nanny habe oder nicht. Besonders Bushido sei in den Jahren mit Arafat körperlich an seine Grenzen gekommen. "Sie haben ihn tot gearbeitet, kaputt gearbeitet", schilderte sie ihre Sicht der Dinge. Zudem habe er nichts gegessen und sei übermüdet gewesen.

Auch sei kein Raum für die Familie gewesen, da er immer weg gewesen sei. "Ich habe so geweint. Man hat in den schlimmsten Momenten keine Rücksicht genommen, rückwirkend schlimm", betonte sie, als sie sich an gesundheitliche Probleme bei ihren Zwillingen zurückerinnerte. Als der Richter eine Unterbrechung ankündigte, sagte Anna-Maria überraschend, nachdem sie bereits mit den Tränen kämpfte: "Ich brauche keine Pause." Unterbrochen wurde dennoch.

Nach der Pause erzählt Anna-Maria, sie habe versucht, den Einfluss von Arafat auf Bushido zu hinterfragen und "gegen das Konstrukt anzukämpfen". Sie habe mehr persönlichen Freiraum gefordert und wollte sich von Arafat abkapseln. Dass sie ihren Mann damit in eine zwiespältige Situation bringt, konnte sie sich nicht vorstellen.

"Von außen bekam er von Arafat Druck, und wenn er nach Hause kam, bekam er den gleichen Druck von mir." Rückblickend sei das "schlimm" für ihren Mann gewesen. "Aber ich habe es damals nicht verstanden", erklärt sie. "Das war keine Freundschaft, das war völlige Überwachung und Kontrolle." Doch immer, wenn sie Bushido auf die Situation anzusprechen versuchte, blockte dieser ab. Er konnte sich nicht eingestehen, dass er unter der völligen Kontrolle Arafats stand, erzählt sie. Das habe auch sie sehr belastet. Sie habe sogar eine Psychologin aufgesucht, um herauszufinden, ob ihre Wahrnehmung völlig falsch sei, sagt sie den Tränen nahe.

Streit mit Arafat führte zur Trennung mit Bushido

Noch emotionaler wird es im Gerichtssaal, als sie von einem richtungsweisenden Streit mit Arafat berichtet, der zur vorläufigen Trennung zwischen ihr und Bushido führte. Grund für die heftige Auseinandersetzung war Anna-Marias Kleidungsstil, der in den Augen Arafats zu freizügig gewesen sei. Die religiöse Wandlung des Musikmanagers und seine damit verbundenen Vorstellungen sorgten laut Anna-Maria immer wieder für Meinungsverschiedenheiten. Doch diesmal eskalierte die Situation. Arafat soll sie angeschrien und beleidigt haben.

Doch was noch viel schlimmer für sie war: Bushido saß daneben und tat nichts. Er habe nur auf den Boden gestarrt und geschwiegen. "Dass Arafat mich beleidigt und demütigt und mein Mann nicht einschreiten, ist für mich schlimmer als alles andere. Da wusste ich, dass ich mich trennen würde", beschreibt sie die damalige Situation. Immer wieder muss Anna-Maria nun Sprechpausen einlegen, weil sie mit den Tränen kämpft.

Nach der Trennung von Bushido kam es zum "schlimmsten Moment"

Im folgenden Streit zwischen Anna-Maria und Bushido habe er sie dann geohrfeigt. Ihr Entschluss, ihren Mann zu verlassen und gemeinsam mit den Kindern auszuziehen, stand also fest. Doch zuvor kam es zu einer weiteren Eskalation, die sie rückblickend als den "schlimmsten Moment, den ich jemals hatte" beschreibt.

Unter Polizeischutz packte sie damals ihre Sachen, als Bushido unerwartet nach Hause kam. Wieder entwickelte sich eine Auseinandersetzung, bei der Arafat schließlich hinzukam. Er soll Anna-Maria daraufhin beleidigt haben und sei mehrmals auf sie zugestürmt, erzählt sie. Beamte des LKA mussten ihn zurückhalten.

Anna-Maria zog damals gemeinsam mit den Kindern zu ihren Eltern. "Ich wollte sofort die Scheidung", erklärt sie. "Für mich war das eine endgültige Sache". Doch dann wurde sie überraschend schwanger. In dieser Phase habe Bushido ihr seine Unterstützung zugesagt. Schließlich kam es zur Versöhnung.

Ähnlich hatte auch Bushido zuvor die Geschehnisse vor Gericht beschrieben. Für ihn sei die Zeit nach der Trennung die schwierigste seines Lebens gewesen, hatte er bereits in seiner Zeugenaussage erzählt. Am Mittwoch wird Anna-Maria wieder im Zeugenstand Platz nehmen und sich den Fragen des Richters stellen. Dann soll es unter anderem um die Trennungphase zwischen Bushido und Arafat gehen.

Alle weiteren Artikel zum Bushido-Prozess findest du hier.

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