Wirtschaft
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Der größte Börsen-Rückzug der Geschichte? 7 Fakten zur geplanten Tesla-Privatisierung

Tesla-Chef Elon Musk spielt mit dem Gedanken, den Elektroautobauer von der Börse zu nehmen. Der Tech-Milliardär sorgte am Dienstag zunächst mit einer Serie von Tweets für große Aufregung an der Börse.

Die Ankündigung

Ein Tweet, ein tollkühner Plan und viele offene Fragen: Tesla-Chef Elon Musk hat mit seiner Ankündigung, sein Unternehmen von der Börse nehmen zu wollen, für große Aufregung am Finanzmarkt gesorgt. Die Finanzierung sei gesichert, hieß es weiter

Die Erklärung (und Relativierung)

Erst nach heftigen Marktreaktionen, die zu einem zwischenzeitlichen Handelsstopp der Aktie führten, sorgte Tesla am späten Nachmittag (Ortszeit) für Klarheit. In einer E-Mail, die im Firmen-Blog veröffentlicht wurde, bestätigte Musk gegenüber den Tesla-Mitarbeitern seine Planspiele und erklärte seine Beweggründe.

Es gehe darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Tesla am besten arbeiten könne, führt Musk aus. "Als börsennotiertes Unternehmen sind wir wilden Schwankungen unseres Aktienkurses ausgeliefert, die eine große Ablenkung für alle sein können, die bei Tesla arbeiten."

Zudem sorge die Pflicht, Quartalszahlen zu veröffentlichen, für enormen Druck."Eine endgültige Entscheidung wurde noch nicht gefällt", heißt es in dem Schreiben weiter.

Die Wahl der Aktionäre

Musk bekräftigte gegenüber der Belegschaft, was er zuvor schon bei Twitter ausgeführt hatte: Gehe es nach ihm, so sollten alle Investoren eine Wahl erhalten und entweder zum Preis von 420 Dollar verkaufen oder ihre Aktien behalten können, falls Tesla privatisiert werden sollte. Er brachte auch seine Hoffnung zum Ausdruck, dass alle bisherigen Aktionäre bleiben werden.

"Meine Hoffnung ist, dass alle Aktionäre dabei bleiben, aber wenn sie es bevorzugen, sich rauskaufen zu lassen, dann geschieht es zumindest mit einem netten Kursaufschlag."

"Es gibt definitiv keine Zwangsverkäufe. Ich hoffe, alle Aktionäre bleiben. Es wird viel reibungsloser und weniger störend als private Firma."

Die Börse stoppt den Aktienhandel

Die Turbulenzen begannen zunächst relativ harmlos mit einem Bericht der "Financial Times": Demzufolge ist Saudi-Arabien mit seinem Staatsfonds in großem Stil bei Tesla eingestiegen und hält mittlerweile drei bis fünf Prozent an Musks Firma. Wenn das stimmt, was das Finanzblatt von Insidern erfahren hat, hätten die Saudis nach und nach eine mehrere Milliarden Dollar schwere Beteiligung aufgebaut und wären inzwischen unter den acht grössten Tesla-Aktionären.

Dem Aktienkurs gab die Nachricht ordentlich Kursauftrieb. Tesla verliert laufend Geld und hat begrenzte Kapitalreserven, so dass die Aussicht auf einen finanzstarken Partner Anlegern durchaus gefallen dürfte.

Der große Paukenschlag folgte jedoch wenig später mit Musks Tweet, in dem er verkündete, er erwäge Tesla zu privatisieren, also von der Börse zu nehmen. Dann gab es am Markt kein Halten mehr, Transaktionsvolumen und Aktienkurs schossen in die Höhe, bis die Technologie-Börse Nasdaq den Handel am Nachmittag zwischenzeitlich stoppte.

Seitenhieb gegen Spekulanten

Elon Musk glaubt, die Firma sei dann

"am besten, wenn wir auf unsere langfristige Mission fokussiert bleiben können und wenn keine perversen Anreize für Menschen bestehen, die versuchen zu gefährden, was wir erreichen wollen."

Das ist ein weiterer Seitenhieb gegen die vielen Finanzspekulanten, die auf Teslas Niedergang wetten. Letztlich mute Musks Kritik aber fast schon bizarr an, kommentierte das "Wall Street Journal". Denn tatsächlich habe Tesla von der Börse in großem Stil profitiert und hätte ohne sie nie so viel Geld auftreiben können – die Aktionäre würden seit Jahren über hohe Verluste hinwegsehen.

Ein Fall für die Börsenaufsicht?

Musks Planspiele und die Art, wie er sich kommuniziert hat, werfen jedoch noch ganz andere Fragen auf. Mit seinen Tweets hat der Tesla-Chef den Aktienkurs soweit angetrieben, dass der Börsenwert der Firma im Handelsverlauf zeitweise um rund sieben Milliarden Dollar anstieg.

Musk schrieb nicht nur, die Finanzierung für einen Deal, Tesla von der Börse zu nehmen, sei gesichert. Er orakelte auch davon, dass Aktionäre ihre Anteile mit großem Aufschlag veräußern können sollten. Details blieben aber aus. Für den Tesla-Chef könnte all das noch Konsequenzen haben.

Der Tesla-Chef müsse den Nachweis erbringen, das die Finanzierung stehe, sagte Rechtsprofessor John C. Coffee von der Columbia Law School dem Portal "Yahoo Finance". "Aber wenn er dies nicht belegen kann, riskiert er einen großen Rechtsstreit". Auch ob die US-Börsenaufsicht SEC mit Musks ungewöhnlichem Vorgehen einverstanden ist, massiv kursrelevante Aussagen einfach während der öffentlichen Handelszeiten per Twitter zu verbreiten, bleibt abzuwarten. Ein Sprecher wollte auf Nachfrage zunächst keine Angaben dazu machen, ob die Behörde eine Untersuchung wegen möglicher Marktmanipulationen erwägt.

Lässt sich die Privatisierung überhaupt realisieren?

Fest steht: Für Musk selbst hat sich die Kursrally gelohnt. Die Aktie schloss mit elf Prozent im Plus bei 379.57 Dollar und er ist mit rund 20 Prozent der größte Investor seiner Firma. Weniger klar ist indes, ob und wie sich sein Privatisierungsplan umsetzen lassen würde.

Zwar hätte Musk gemeinsam mit anderen Großaktionären – hier könnten etwa die Saudis ins Spiel kommen – ordentlich Gewicht. Dennoch wäre es finanziell ein enormer Kraftakt. Das Kursziel von 420 Dollar würde einer Gesamtbewertung von 82 Milliarden Dollar entsprechen. Ein solch dicker Brocken wurde noch nie zuvor von der Börse genommen.

(vom/dpa)

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