Wissen
Bild

Bild: imago images / lausitznews.de

Nach tödlichem Crash in Berlin: Sind SUV wirklich gefährlicher als andere Autos?

Es war ein schrecklicher Crash: Vier Fußgänger sind am Freitag bei einem Autounfall in Berlin getötet worden. Ein SUV kam von der Straße ab, krachte auf den Bürgersteig. Warum der der Wagen von der Fahrbahn abkam, ist bislang ungeklärt. Seit dem tödlichen Unfall wird vor allem eine Frage diskutiert:

Sind SUV wirklich gefährlicher?

Der Unfallforscher der Versicherungswirtschaft, Siegfried Brockmann, sagt: Nein. Zumindest so pauschal könne man das nicht sagen, erklärte er der Deutschen Presse-Agentur.

Brockmann sagte:

"Man kann nicht einfach sagen: SUV ist grundsätzlich gefährlicher als ein Polo oder als ein Smart."

Im Einzelfall könne es sogar umgekehrt sein. "Entscheidend ist die Geschwindigkeit", erklärte der Experte vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. "Alles was jenseits von 50 Stundenkilometern ist, ist für einen menschlichen Körper mindestens lebensgefährlich, meistens aber auch tödlich, egal mit welchem Fahrzeug."

Brockmann verwies auf die physikalische Berechnung der Bewegungsenergie. "Die Masse geht hier nur mit der Hälfte in die Formel ein und die Geschwindigkeit mit dem Quadrat. Und das heißt nichts anderes als: Wenn der Polo 70 fährt, ist er durchaus gefährlicher für einen Menschen als ein Macan mit 40."

Wichtig sei auch, an welcher Stelle ein Mensch auf ein Auto aufpralle. "Tödliche Verletzungen erleidet man in der Regel im Brustkorbbereich und erst recht im Kopfbereich." Die härtesten Teile der Autofront seien die Kanten links und rechts sowie oberhalb der Windschutzscheibe. "Wenn man die mit dem Kopf trifft, ist das in der Regel tödlich." Bei einem Polo oder Smart könne das leichter passieren als bei einem großen Auto mit einer langen Haube.

Der Ausgang des Berliner Unfalls könnte trotzdem mit der Größe des Autos zu tun haben

Im Berliner Fall könnte das Gewicht des Autos jedoch tatsächlich einen Unterschied gemacht haben, gestand Brockmann zu. Dort hatte ein Porsche Macan bei der Fahrt auf den Gehweg mehrere Poller und einen Ampelmast abgeknickt. Einen Polo hätte der Mast vielleicht aufgehalten, sagte Brockmann.

Er betonte, in SUV säßen nicht unbedingt "Rambos" am Steuer. Nach Umfragen schätzen viele Frauen und ältere Leute die Wagen, weil sie wegen der Höhe leichter ein- und aussteigen können und eine größere Übersicht haben. Ein Kaufmotiv sei auch die Sicherheit: "Die größere Masse bietet einen Vorteil gegenüber der kleineren."

(fh/dpa)

Reckers' Videobeweis: Transfermarkt-Rekord – ein Alarmsignal

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen

Revolutionär oder "Lifestyledroge"? Die Antibabypille wird 60 Jahre

Vor 60 Jahren gingen in den USA die ersten Antibabypillen über den Ladentisch. Millionen Frauen weltweit setzen bis heute darauf. Über medizinische, politische und gesellschaftliche Kontroversen.

Einfach, unkompliziert, zuverlässig: Als 1960 die erste Antibabypille "Enovid" in den Vereinigten Staaten auf den Markt kam, eröffneten sich für Frauen neue Möglichkeiten. Beim Verhüten, aber längst nicht nur. Pessare, Kondome oder abenteuerlichere Methoden? Für viele nun passé: Die Pille habe das Konzept von Empfängnisverhütung neu definiert, heißt es in einer medizinhistorischen Studie. Mit der Studentenbewegung und der sexuellen Revolution in den 1970er Jahren wurde sie auch …

Artikel lesen
Link zum Artikel