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An infected patient in quarantine lying in bed in hospital, coronavirus concept.

Covid-19 kann bei schwerem Verlauf zu Atemnot führen. Entsprechend müssen manche Patient künstlich beatmet werden. Bild: Getty Images/iStockphoto

Deutsche Forscher finden Protein, das schweren Covid-19-Verlauf voraussagen könnte

Noch gibt es viele offene Fragen zu Covid-19. Wie lässt sich die Krankheit am besten bekämpfen? Woher stammt der Erreger? Wird es bald eine zweite Infektionswelle geben? Problematisch ist auch der schwer vorhersagbare Verlauf der Erkrankung. Während die meisten nichts oder nur ein leichtes Kratzen im Hals bemerken, leiden andere an einer Lungenentzündung bis hin zur Atemnot. Das stellt Mediziner vor ein großes Problem.

Müssen sie doch abwägen, ob bei einem Patienten Lungenversagen droht und dieser künftig beatmet werden muss. Entsprechend wichtig wäre es, bereits früh zu erkennen, wie schwer eine Sars-Cov-2-Infektion bei einem Patienten verläuft. Allein, um Intensivbetten gezielt zu verteilen und Krankenhäuser zu entlasten.

Kürzlich entdeckte ein Forschungsteam aus Shanghai bei einer Studie ein Protein, das als Entzündungsmarker dient, (das immunstimulierende Zytokine-Protein IL-6), welches auf einen schweren Covid-19-Verlauf hindeuten könnte – wir berichteten. Nun erschien eine weitere Untersuchung von Forscherinnen und Forschern des Klinikums der Ludwigs-Maximilian Universität München (LMU), die zu einem ähnlichen Schluss kommt.

Was ist IL-6?

Bei dem Protein, oder Entzündungsmarker, handelt es sich um das immunstimulierende Zytokine-Protein IL-6. Das ist unter anderem fürs Zellwachstum verantwortlich und stärkt die Abwehrkräfte im Immunsystem. Bei einer zu hohen Konzentration dieser Zytokine kann es allerdings zu einer Überreaktion des Immunsystems kommen. Hier sprechen Mediziner von einem Zytokine-Sturm. Das kann bei Covid-19-Patienten wiederum zu einem schweren Krankheitsverlauf führen.

"Sagte das spätere Lungenversagen mit hoher Genauigkeit voraus"

Für ihre Erhebung wertete ein Team um den Oberarzt der zentralen Notaufnahme des LMU-Klinkums, Tobias Herold, die Laborparameter von 89 Covid-19-Patienten aus, die aufgrund einer schweren Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden mussten. In der Gruppe befanden sich 32 Patienten, größtenteils Männer, die zudem künstlich beatmet werden mussten.

Es stellte sich heraus: Bei allen Patienten wurden erhöhte Werte für den Entzündungsmarker IL-6 festgestellt. "Ein IL-6-Wert von über 80 Pikogramm/Milliliter sowie ein CRP-Wert über 9,7 Milligramm/Deziliter während der Erkrankung sagte das spätere Lungenversagen mit hoher Genauigkeit voraus", informiert Tobias Herold.

Es bleiben noch offene Fragen

Vereinfacht bedeutet das: Die Forschungsgruppe hat möglicherweise einen Richtwert gefunden, mit dessen Hilfe Ärzte einschätzen können, ob eine Covid-19-Erkrankung schwer verläuft.

Allerdings sei nicht klar, ob es sich bei dem Protein IL-6 um einen zentralen Faktor für eine schwere Erkrankung der Lunge handelt oder lediglich um einen Marker für die Krankheitsaktivität. Sollte Ersteres der Fall sein, könnten Medikamente helfen, die in diesen Entzündungsprozess eingreifen. Laut Herold helfe das dabei, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Weitere Forschung nötig

Laut Herold werde am LMU-Klinikum eine weitere Studie durchgeführt, um unter anderem die Bedeutung des IL-6-Proteins zu ermitteln. Und die ist auch nötig. Denn bei nur fünf Prozent der Covid-19-Patienten komme es zu einem schweren Krankheitsverlauf mit Atemnot, sagt Herold.

"Wir sahen im März und April viele Patienten mit Covid-19 in unserer Notaufnahme und mussten entscheiden, bei welchen der Patienten mit einem schweren Verlauf der Erkrankung zu rechnen ist."

Tobias Herold LMu klinikum

Deshalb brauche es einen Marker, der einen schweren Krankheitsverlauf vorhersagt.

(tkr)

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