Transport eines mit dem Coronavirus infizierten Patienten in Chile.
Transport eines mit dem Coronavirus infizierten Patienten in Chile.Bild: imago-images / DRAGOMIR YANKOVIC/ATON CHILE

Forscher finden möglichen Grund für schweren Covid-19-Verlauf

25.05.2020, 19:01

Der Krankheitsverlauf von Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, kann sehr unterschiedlich sein – das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse aus den bisherigen Forschungen zu Sars-CoV-2. Aber welche Faktoren bestimmen, wie schwer ein Patient an Covid-19 erkrankt? Forscher gingen jetzt der Annahme nach, der Krankheitsverlauf hänge damit zusammen, an welcher genetischen Version des Virus ein Mensch erkrankt.

Zwei Hauptversionen von Corona

Wissenschaftler fanden zwei Hauptversionen des Coronavirus Sars-CoV-2 (genannt Clade I und Clade II) und wollten analysieren, ob eine Ausführung des Virus ansteckender ist, als die andere. Und ob eine Version zu einem schwereren Krankheitsverlauf führen kann.

In einer Studie, die 326 Covid-19-Patienten aus Shanghai untersuchte und im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht wurde, schreiben die Forscher nun, dass sich die beiden untersuchten Arten von Sars-CoV-2 nicht unterscheiden. Keine der beiden Versionen führt demnach zu einem schwereren Krankheitsverlauf. Auch in der Ansteckungsgefahr unterschieden sich die beiden Versionen des Virus nicht.

Andere Faktoren entscheidend für Krankheitsverlauf

Wie schwer ein Patient an dem Virus erkrankt, hänge vielmehr mit anderen Faktoren zusammen, wie dem Alter und der Anzahl der weißen Blutkörperchen, schreiben die Forscher.

Ältere Menschen und Menschen mit niedriger Konzentrationen sogenannter T-Zellen (eine Art von Immunzellen) erkrankten schlimmer.

Die Forscher fanden aber noch mehr heraus: Eine hohe Konzentration des Proteins IL-6 könne zu einem schwereren Verlauf der Krankheit beitragen, so die Forscher.

IL-6 ist ein immunstimulierendes Zytokine-Protein (verantwortlich unter anderem für Zellwachstum), das im Immunsystem dafür sorgt, die Abwehrkräfte zu stärken. Eine hohe Konzentration im Immunsystem freigesetzter Zytokine kann jedoch zu einer Überreaktion des Immunsystems führen. Mediziner sprechen dann von einem Zytokin-Sturm, was bei Covid-19-Patienten wiederum zu einem schweren Krankheitsverlauf führen kann.

(lau)

Britische Forscher wollen Freiwillige gezielt mit Coronavirus anstecken

Zur besseren Erforschung von Corona-Ansteckungen wollen britische Wissenschaftler erstmals Freiwillige gezielt mit dem Virus anstecken. Wie Wissenschaftler des Londoner Imperial College und anderer Einrichtungen am Dienstag mitteilten, soll das Forschungsprogramm zeigen, wie hoch die Viruslast sein muss, damit Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 erkranken. Auf diese Weise solle das Programm dazu beitragen, "die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, seine Folgen zu lindern und Todesfälle zu reduzieren".

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