Der teuerste Windmesser der Welt fliegt jetzt durchs All – und du hast auch was davon

23.08.2018, 07:3623.08.2018, 08:09

Der Erdbeobachtungssatellit "Aeolus" ist am späten Mittwochabend mit einer Vega-Trägerrakete ins All gestartet. Gegen 23.20 Uhr hob die Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ab. Der rund 1,4 Tonnen schwere Satellit, der nach dem "Gott der Winde" benannt ist, soll die Wettervorhersage voranbringen.

  • Er wird die Erde in einer Höhe von nur 320 Kilometern umkreisen.
  • Er kann mit Hilfe spezieller Lasertechnik Windprofile erstellen.
  • Mit Hilfe des Messgerätes "Aladin" kann er die Windgeschwindigkeit rund um den Globus von 30 Kilometern Höhe bis zum Boden und über dicken Wolken messen.
  • Er soll auch dazu beitragen, atmosphärische Windsysteme und Klimaphänomene wie El Niño besser zu verstehen. 

Etwa vier Jahre könnte er im All verbringen. Zwar gibt es zahlreiche Wetterballons, Bojen, Schiffe, Flugzeuge und andere Satellitenmessungen, die Daten über Winde liefern. Doch auf der Südhalbkugel, über den Ozeanen, den Tropen und oberhalb von zehn Kilometern Höhe ist dieses Netz dünn.

Rund 15 Jahre hat die Vorbereitung der "technisch höchst komplizierten und anspruchsvollen wissenschaftlichen Mission" gedauert, heißt es bei der ESA. Der mehr als 300 Millionen Euro teure Satellit sei "extrem fragil", die Technik hoch kompliziert und sehr empfindlich. Die Mission wird vom ESA-Raumflugkontrollzentraum ESOC in Darmstadt gesteuert und überwacht.

Weil Luftwiderstand und Reibung die Sonde in dieser Höhe bremsen und in den Sinkflug schicken, sind permanente Manöver und Korrekturen der Flugbahn notwendig. Nach vier Jahren im All werde der Treibstoff voraussichtlich aufgebraucht sein und der Satellit in der Erdatmosphäre verglühen.

"Aeolus"
"Aeolus"Bild: ESA/ATG medialab

Die Stimmung während der Startmission war engespannt. Etwa eine Stunde nach dem Abheben sendete die Sonde ihr erstes Signal zur Erde, wie der Leiter des ESA-Missionsbetriebs im Raumflugkontrollzentrum ESOC, Paolo Ferri, in Darmstadt bestätigte. "Es herrscht große Erleichterung", sagte Ferri der Deutschen Presse-Agentur. In den letzten Sekunden vor Empfang des Signals sei die Stimmung noch sehr angespannt gewesen, niemand im Kontrollraum habe ein Wort gesagt. 

"Diese Sekunden waren unendlich lang."

Doch letztlich sei der Satellit dem Anschein nach intakt geblieben. Es gibt zwar bereits zahlreiche Daten über Winde. Doch auf der Südhalbkugel, über den Ozeanen, den Tropen und oberhalb von zehn Kilometern Höhe ist das Netz der Messstellen sehr dünn. Die Folge kann nach Expertenangaben sein, dass ein Sturm in Europa völlig unterschätzt wird, weil die Daten für die Vorhersage fehlen.

Innerhalb des ersten Jahres nach dem Start werden europäische Wetterdienste wie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach voraussichtlich die Satelliten-Daten in ihre Vorhersage-Modellen einspeisen können. Die Wetterprognosen sollen so genauer werden.

(sg/dpa)

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