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Xavier Naidoo polarisierte mit mehreren Videos, in denen er seine Verschwörungstheorien teilt. Bild: imago images / Kadir Caliskan

Analyse

Musikexperte analysiert den Fall Xavier Naidoo: RTL hat zwei große Fehler gemacht

Xavier Naidoo galt lange als Mainstream-Künstler. Sein Name war der Inbegriff des deutschen Soul und R&B, war eng verknüpft mit Phänomenen, die die Massen bewegen. Sein Song "Danke" wurde 2006 zur inoffiziellen WM-Hymne, er saß in der Jury von Quotengaranten wie "The Voice", entschied 2010 mit über Lena Meyer-Landruts ESC-Teilnahme. Zuletzt hatte er es sich am "DSDS"-Jurypult bequem gemacht. Und irgendwo dazwischen ging Xavier Naidoo der Mainstream verloren und er driftete in eine politische Ecke ab, die man – äußerst beschönigend – als bedenklich bezeichnen kann.

Mitte März war auf sozialen Netzwerken ein Video aufgetaucht, in dem Naidoo kryptisch über rechte Verschwörungstheorien spricht. Es folgte ein Aufschrei der Empörung angesichts seiner Aussagen. RTL zog einen Tag später die Konsequenzen und kappte die Zusammenarbeit bei "DSDS".

Xavier Naidoo äußerte problematisches Gedankengut

Der Sender stehe schließlich für Vielfalt im Programm, hieß es unter anderem in der Begründung. "Wir sind Verfechter der Meinungsfreiheit. Dazu gehört aber auch, das wir jede Form von Rassismus und Extremismus entschieden ablehnen." Naidoo hatte indes die Rassismus-Vorwürfe gegen ihn auf Facebook vehement zurückgewiesen. Seine Aussagen seien lediglich absolut falsch interpretiert worden.

Xavier Naidoo macht Fotos mit seinen

Naidoo unter "DSDS"-Fans: Dieses Bild wird es nicht mehr zu sehen geben. Bild: Getty Images Europe / Andreas Rentz

Doch am Wochenende ist nun ein weiteres Video des Sängers aufgetaucht, bei dem es nicht mehr viel Interpretationsspielraum gibt: In dem Clip, über den "DWDL" berichtet hatte, ist Naidoo im Interview mit Oliver Janich zu sehen – einem ehemaligen Journalisten, der zu den Größen der rechten Verschwörungstheorien-Szene in Deutschland gehört. Naidoo spricht in dem Clip auch über seinen Rauswurf bei "DSDS" und äußert sich erneut zu seinen verschwörungstheoretischen Positionen.

RTL als unfreiwilliges PR-Instrument? Der Sender schweigt

So sagt er laut "DWDL" zu seinem Gesprächspartner: "Außerdem wusste ich, dass ich mit dem Album, das ich jetzt hier habe, auch ein Album habe – würde ich mal sagen – wo ich danach vielleicht nicht mehr die Chance bekomme, in so einer Show mitzumachen und deswegen habe ich die Chance wahrgenommen. Das heißt: Ich habe mir die Reichweite von RTL zunutze gemacht."

RTL will sich zu den neuen Äußerungen des Musikers nicht mehr äußern, wie eine Sprecherin auf Nachfrage von watson erklärt. "Wir haben alles zu dem Thema gesagt", heißt es.

Medienexperte: RTL hat zwei große Fehler gemacht

Ein großer Fehler, wie ein ehemaliger Show-Producer watson sagt, der heute im Musikbusiness arbeitet. "Nachdem das erste Video publik wurde, hat RTL zwar richtig reagiert und sich, nachdem ein plausibles Statement von Xavier Naidoo ausblieb, von ihm getrennt. Der eigentliche Fehler wurde aber weit vorher gemacht: indem er für 'DSDS' eingekauft wurde. Wer seinen Namen auch nur einmal durch die Suchmaschine jagt, sieht, in welchen Gedankenfeldern er sich bewegt."

Fehler Nummer 2: Auch, dass eine weitere Stellungnahme des Senders ausbleibt, sieht der Experte als "schwach" an. "Selbst ProSieben hat klar gemacht, dass sie Xavier Naidoo nie wieder eine Plattform geben werden. Dabei hat der Zuschauer diesen Sender gar nicht als erstes auf dem Schirm. RTL hätte eine ehrliche Entschuldigung daher gut getan. So fehlt den Zuschauern eine Einordnung."

Auch glaubt der Experte nicht, dass Naidoo das Video bewusst zeitgleich zu seinem "DSDS"-Juryjob im Netz gestreut hätte. "Da hat ihn jemand zu seinem Vorteil sehr gut beraten." Und weiter:

"Die Behauptung, er hätte RTL als PR-Plattform benutzt, ist die eigentliche PR-Strategie."

Übrigens: Nach Anzahl der Facebook-Fans liegt Xavier Naidoo mit 1,4 Millionen Fans auf Platz neun der beliebtesten deutschen Musiker – einen Platz vor Rapper Sido.

Trotz seiner umstrittenen Aussagen. Eine Zahl, die nachdenklich stimmt.

(ab)

Meinung

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