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Die Kleider, die in Deutschland im Altkleidercontainer landen, wurden durchschnittlich nur vier Mal getragen – und haben trotzdem eine miese Qualität. Bild: www.imago-images.de / Kzenon

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Mit Kleiderspenden helfen wir oft nur unserem Gewissen

Wenn für das neue Sommerkleid im Kleiderschrank kein Platz mehr ist, bedeutet das in der Regel: ausmisten. Im Müll landen sollen die Bluse aus dem vorletzten Sommer oder der zu enge Rock aber natürlich nicht – also werden sie zum Altkleidercontainer gebracht. In Hamburg warteten bislang 120 Container auf ausgemusterte Kleider, die an Bedürftige weitergeleitet oder zumindest recycelt werden sollten. Doch bis Ende des Monats werden sie allesamt verschwinden.

Der Grund: "Es ist viel zu viel Kleidung im Umlauf", sagte Kay Goetze von der Stadtreinigung Hamburg unlängst gegenüber "Spiegel TV". Und: Die Kleidung ist von so schlechter Qualität, dass sie oft nicht einmal mehr dafür taugt, daraus Putzlappen herzustellen. "Wenn jeden Monat eine neue Kollektion in Umlauf gebracht wird, wird die nicht mehr in der Qualität produziert, die man braucht, um am Ende noch etwas Sinnvolles daraus zu machen", so Goetze. Die mangelnde Qualität macht das Altkleidergeschäft unrentabel. Dazu kommt, dass oftmals Essensreste und Müll zusammen mit den Kleidern entsorgt werden und die Kosten für die Müllverwertung gestiegen sind.

Die Situation in Hamburg sagt einiges über unser Konsumverhalten in puncto Mode aus: Wir kaufen viel zu viel. Wir werfen viel zu viel weg. Und wir achten zu wenig auf die Qualität unserer Einkäufe. Statt Gutes zu tun und anderen zu helfen, zeigen wir mit unserer Kleiderspende am Ende hauptsächlich, dass wir Teil des Problems sind.

Um nur ein paar Zahlen zu nennen: Durchschnittlich wird ein Kleidungsstück nur vier Mal getragen, bevor es im Altkleidersack landet. 40 Prozent werden sogar noch seltener oder nie angezogen. Rechnet man die Kleidungsstücke dazu, die gar nicht erst einen Käufer finden, wächst der Müllberg noch einmal beachtlich.

12 bis 24 Kollektionen jährlich

Verantwortlich für diesen Wahnsinn: Fast Fashion. Trends sollen möglichst schnell von den Laufstegen in die Schaufenster der Modeketten und dann in unserem Kleiderschrank wandern. Zwischen 12 und 24 Kollektionen bringen die großen Ketten im Jahr auf den Markt. Was heute noch hip ist, ist in wenigen Wochen wieder aus den Läden verschwunden. Und was bis dahin nicht verkauft wurde, wandert eben in die Tonne. Auch bei den verkauften Stücken spielt Qualität kaum noch eine Rolle. Im nächsten Sommer sollen wir uns ja ohnehin wieder eine neue Garderobe zulegen.

Wie leicht ist es da, Platz zu schaffen, alte Klamotten für die Kleidersammlung herzurichten und sich einzureden, dass man sie ja nicht wegwirft – sondern im Gegenteil, noch jemand anderem damit hilft. Dabei helfen wir damit in der Regel nur einem: uns selbst. Und unserem schlechten Gewissen. Denn weder der Obdachlose in Hamburg noch die Mutter in Zimbabwe wollen unser ausgeleiertes, nach Plastik riechendes T-Shirt, bei dem sich nach dem zweiten Waschen die Nähte auflösen.

Die deutschen Kleiderkammern sind in aller Regel voll gefüllt, was nicht gebraucht wird, aber noch halbwegs in gutem Zustand ist, wird als Second-Hand-Ware nach Afrika, Asien oder Lateinamerika geschafft. Befürworter dieser Praxis argumentieren, dass durch das Sortieren und den Verkauf der gebrauchten Kleider viele Arbeitsplätze entstehen und so günstige Kleidung auf die Märkte von Entwicklungsländern gespült wird. Allerdings haben heimische Textilproduzenten wegen der billigen Altkleiderflut aus Europa und den USA kaum mehr eine Chance, ihre eigenen Produkte loszuwerden. Ostafrikanische Länder wie Uganda, Tansania, Ruanda und Kenia dachten in den vergangenen Jahren deshalb darüber nach, den Import von Second-Hand-Kleidern einzuschränken.

Unsere vermeintlich wohltätigen Kleiderspenden könnten also mehr schaden, als dass sie helfen. Vor allem dann, wenn wir sie als Freifahrtschein nutzen, um noch mehr billig produzierte Ware zu kaufen. Denn um Kosten für die Fast Fashion zu sparen, werden Rohstoffe oft aus aller Welt eingekauft und in das Land geschickt, in dem die Produktion am günstigsten ist. Die Bestandteile einer einzigen Jeans werden so beispielsweise durchschnittlich in elf verschiedenen Ländern hergestellt. Dazu kommen die Unmengen an Wasser und Pestiziden, die beim Baumwollanbau eingesetzt werden, von den katastrophalen Arbeitsbedingungen der Näherinnen und Näher ganz zu schweigen. Die Textilindustrie verursacht sogar mehr Emissionen als sämtliche Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe zusammen.

Weniger, dafür hochwertiger kaufen

Uns bleibt also nur eins: Wir müssen unser Kaufverhalten ändern. Weniger kaufen. Bewusster. Nur das, was wir brauchen. Und was qualitativ so hochwertig ist, dass wir es lange tragen können – und es hinterher recycelt werden kann. Faire und nachhaltige Labels bieten hier schon eine große Auswahl. Klar, Kleidung ist ein Grundbedürfnis und kein Luxusgut, jeder sollte es sich leisten können, hin und wieder einen neuen Rock oder ein neues Hemd kaufen zu können. Aber mal ehrlich: Eigentlich brauchen wir nur einen Bruchteil der Kleidungsstücke, die sich in unserem Kleiderschrank angehäuft haben. Und wenn ein T-Shirt am Ende so viel kostet wie zwei Kugeln Eis, läuft irgendetwas falsch.

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir die Fast-Fashion-Teile, die wir schon in unserem Kleiderschrank hängen haben, nicht mehr tragen sollten. Im Gegenteil: Wenn wir das nächste Mal im Laden stehen und uns überlegen, ein neues Kleidungsstück zu kaufen, sollten wir es lieber noch einmal zurückhängen und im Kleiderschrank nachschauen, ob dort nicht ein längst vergessenes Shirt wartet, das sich neu kombinieren lässt. Ob es sich gegen den Rock tauschen lässt, auf den die beste Freundin keine Lust mehr hat. Oder ob uns auf dem Flohmarkt um die Ecke das Kleid einer Nachbarin anlacht. Dann ist es auch okay, sich ab und zu ein Teil aus der aktuellen Sommer-Kollektion zu gönnen – wohlwissend, dass die 2020 noch hippe Stoffhose spätestens 2022 nicht mehr der neuste Shit sein wird.

Aber es muss ja auch nicht immer der aktuelle Trend sein. Eines meiner Lieblingskleider: ein weißes Mini-Etuikleid. Auf Fotos posiert meine Oma damit im Sommer 1974 unter dem Stuttgarter Fernsehturm. In letzter Sekunde konnte ich es vor dem Kleidersack retten. Wenn die Qualität stimmt, hält ein Kleid eben auch 45 Jahre durch. Den Kauf eines neuen Sommerkleids kann ich mir damit sparen. Und sicher gehen, dass in meinem Kiez keine zweite ein solches Kleid trägt, auch.

Solch gut erhaltene Kleidung muss in Hamburg künftig natürlich auch nicht weggeworfen werden. Sie kann direkt in Kleiderkammern oder Second-Hand-Shops gebracht werden und dort auf einen neuen Besitzer warten. Der Rest muss zum Wertstoffhof gebracht werden. Dann können wir uns zwar nicht mehr einreden, dass unser ausgeleiertes Shirt für 4,99 Euro noch einmal irgendjemandem tragen wird. Aber vielleicht denken wir dann zweimal darüber nach, ob wir uns das nächste wirklich kaufen wollen.

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