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Zwischen Kevin Kühnert und Markus Lanz ging es am Donnerstagabend heiß her – auch in einer Szene, die das ZDF im Fernsehen nicht zeigte.

"Das ist doch Schwachsinn": Was das ZDF bei "Markus Lanz" im TV nicht zeigte

Am Donnerstagabend ging es heiß her bei "Markus Lanz". Kevin Kühnert, SPD-Vize und bis vor kurzem auch Juso-Chef, war zu Gast im ZDF-Talk. Und Markus Lanz nahm Kühnert in die Mangel. Beim Thema Abschiebungen gerieten die beiden aneinander.

Lanz wollte vom SPD-Vize unter anderem wissen, warum Deutschland nicht in Teile von Syrien abschiebe, wenn die betroffene Person kriminell sei und sich "komplett daneben" benehme. Der Moderator kritisierte in diesem Zusammenhang das Auswärtige Amt unter Führung von SPD-Minister Heiko Maas.

Kühnert argumentierte, dass mit einer Abschiebung nachhaltig nichts gelöst sei: Die Leute sollten ja nicht nur hierzulande keinen Anschlag verüben, sondern auch nicht in anderen Ländern. Einen Straftäter hier ins Gefängnis zu stecken, sei da doch der effektivere Ansatz als ihn abzuschieben. Lanz widersprach und führte an, dass auch islamistische Gefährder ja wieder freikämen. Das führe dazu, dass man wisse, es sei "eine Zeitbombe unterwegs", so Lanz. Und im Falle des Dresden-Angriffs "hat es genau zwei oder drei Tage gedauert"", sagte er.

Zuschauer verwirrt von abruptem Ende der Diskussion zwischen Lanz und Kühnert

An der Stelle erwartet man eigentlich eine Antwort von Kevin Kühnert – doch dazu kam es bei der ZDF-Übertragung nicht. Stattdessen ist in der Sendung ein deutlicher Schnitt erkennbar. Lanz sagt im nächsten Moment, der ausgestrahlt wird: "Ich hoffe, dass wir nicht bald wieder hier sitzen und über den nächsten blinden Fleck auf der linken Weste sprechen." Dann wechselt er zum nächsten Talkgast.

Den Zuschauern fielen dieses abrupte Ende der Diskussion und der Schnitt in der aufgezeichneten Sendung sofort auf. Auf Twitter äußerten viele ihre Verwirrung.

Ein ZDF-Sprecher erklärte gegenüber watson: "Die Sendung musste, was häufiger vorkommt, aus zeitlichen Gründen für die Ausstrahlung gekürzt werden. Die gekürzte Passage haben wir online veröffentlicht und so noch einen inhaltlichen Mehrwert zur linearen Ausstrahlung generiert."

Offenbar war die Diskussion also schlicht zu lange für den eingeplanten Sendeplatz im TV-Liveprogramm.

Was das ZDF im Fernsehen nicht zeigte

Das Online-Video, auf das der ZDF-Sprecher verweist, veröffentlichte der Sender nach der Ausstrahlung. In dem dreiminütigen Clip ist ein weiterer Schlagabtausch zu sehen, den sich Lanz und Kühnert lieferten. Es handelt sich um eine Szene, die so nicht im Fernsehen gezeigt wurde, bei der es aber hoch herging.

Das Thema: die palästinensische Fatah-Jugend, die Die Jusos, die Jugendorganisation der SPD, haben diese kürzlich als "Schwesterorganisation" bezeichnet, woran es massive Kritik gab.

Die Fatah-Bewegung

Die Fatah-Bewegung unter Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ist die größte politische Organisation von Palästinensern. Sie herrscht seit 2007 nur noch in den nicht von Israel verwalteten Teilen des Westjordanlands. Aus dem Gazastreifen war sie von der radikalen Hamas vertrieben worden.

Lanz sprach Kühnert darauf an, dass die Fatah-Jugend das Existenzrecht Israel bestreite – dass und auf einer Demo 2018 im Westjordanland Fatah-Mitglieder mit Sprengstoffgürtel-Attrappen durch die Gegend gelaufen seien und zum Kampf gegen Israel aufgerufen hätten.

"Warum solidarisieren sich die Jusos mit so einer Truppe? Ich verstehe das nicht", sagte Lanz. "Das ist keine Solidarisierung", entgegnete Kühnert. Lanz: "Doch."

Als Kühnert erklärte, dass es sich um ein Friedensprojekt vor Ort handle, grätschte Lanz dazwischen: "Aber sich jetzt zu verbrüdern und sich zu Schwesterorganisationen zu erklären, ist doch etwas völlig anderes."

Kühnert entgegnete mit Blick auf das Wort Schwesterorganisation: "Sie überinterpretieren diesen Begriff..." Doch Lanz ließ nicht nach, er provozierte: "Reden Sie auch mit der Hamas? Reden Sie auch mit der Hisbollah?

Da reichte es Kühnert:

"Das ist doch Schwachsinn. Also bitte."

Natürlich tue man das nicht. Aber: Auch die israelische Regierung spreche mit der Fatah-Jugend. "Wenn sie mit denen nicht sprechen, haben sie in den palästinensischen Gebieten niemanden mehr zu sprechen."

Man würde diese Zusammenarbeit nicht suchen, wenn die israelischen Organisationen das vor Ort nicht auch in Ordnung fänden, so Kühnert. "Ich bin da jedes Jahr unten in der Region mit beiden Seiten, und sage ihnen, was ich an ihren Positionierungen – Boykottaufrufen zum Beispiel – inakzeptabel finde." Und trotzdem müsse miteinander gesprochen werden.

Das gesamte dreiminütige Video findet ihr hier beim ZDF.

(hau)

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