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Für 32 Folgen war Jens "Knossi" Knossalla Moderator bei "Täglich frisch geröstet" auf RTL. Bild: TVNOW / Willi Weber

Aus für "Täglich frisch geröstet": Welche Fehler Stefan Raab und RTL bei der Show machten

Stefan Raab und Jens "Knossi" Knossalla müssen sich geschlagen geben: Ihre Late-Night-Show "Täglich frisch geröstet" wird nicht verlängert, RTL zeigt beiden die Tür. Der Grund: die zu geringen Quoten. Aber wenigen Zuschauer sind nicht das einzige Problem, dass die Verantwortlichen mit der Sendung hatten.

Zunächst sorgte die Meldung für Aufsehen: Raab TV produziert eine neue Show für TVNow. Im November 2020 ging es mit wechselnden Moderatoren los – als Raab von einem Kandidaten, nämlich Knossi, besonders begeistert war, bekam der Twitch-Star die Sendung dauerhaft. Und damit ging ein echter Lebenstraum für Knossi in Erfüllung.

RTL traute "Täglich frisch geröstet" offensichtlich eine Menge zu, denn die Show schaffte es ab Januar 2021 gleich zweimal wöchentlich ins TV-Programm. Die beiden ersten Folgen liefen live sehr prominent gleich nach der Dschungelshow und konnten gute Einschaltquoten einfahren. Nun, nach 32 Ausgaben, ist aber Schluss. Das Scheitern begann allerdings schon mit dem Namen und einem schwammigen Konzept. Kurzum: Raab und RTL haben etliche Fehler begangen, die das Format unweigerlich gegen die Wand fahren ließen.

Show-Titel ergab noch nie Sinn

In den ersten Folgen war das Konzept der Show noch recht einleuchtend – und wurde auch so umgesetzt: Promis wie Evelyn Burdecki, Mario Basler oder Nazan Eckes versuchten sich an der Moderation einer eigenen Show und an der Comedy-Königsdisziplin, einem Stand-up-Stück. Währenddessen wurden sie von einem anderen Promi im Nebenraum kritisiert, also "geröstet". Und das hatte zumindest noch einen Unterhaltungswert.

Auch Ralf Möller moderierte die Sendung einmal, sein "Röster" war Olaf Schubert. Bild: TVNOW/Willi Weber

"Täglich" wurde zwar auch damals schon niemand geröstet, wie der Showtitel suggeriert, aber nach einer Weile ergab die Sendungsüberschrift überhaupt keinen Sinn mehr. Denn Knossi wurde fester Show-Host, niemand röstete ihn mehr – und täglich lief die Sendung noch immer nicht.

Tatsächlich lieferte er aber in seiner "Test"-Ausgabe in der ersten Staffel eine solide Vorstellung ab, zumindest im direkten Vergleich mit beispielsweise einer Evelyn oder einem Mario Basler. Zeitweise galt Knossi sogar schon beinahe als Raab-Nachfolger, doch den Thron sollte er schließlich doch nicht erklimmen können.

RTL tappt in Raab-Falle: Sein Name allein reicht nicht aus

Dass Raab tatsächlich im TV-Studio anwesend ist, wurde schon im Intro jedes Mal betont: "Er sitzt wirklich in der Regie und frisst Chips." Dazu wurde ein Bild mit seinen Gesichtszügen eingeblendet. Aber "Täglich frisch geröstet" beweist eben, dass seine Fans nur darauf warten, dass der Entertainer selbst wenigstens kurz mal vor die Kamera tritt.

 Nach Aus fuer Eurovision Song Contest: Stefan RAAB bringt Ersatz Show ins Fernsehen. Archivfoto: Stefan Raab, TV-Moderator und Jury-Mitglied, Portraet, Portrait, Einzelbild, angeschnittenes Einzelmotiv, Pressekonferenz, press conference, Finale von Unser Star fr Baku fuer den Eurovision Song Contest 2012 in Baku/Aserbaidschan, Das Erste/ARD, aufgezeichnet in Kln, 16.02.2012. a *** After the Eurovision Song Contest Stefan RAAB is over, Ersatz Show will bring a new show to the TV. Archive photo Stefan Raab, TV presenter and jury member, portrait, portrait, single picture, cut single motif, press conference, press conference, final of Unser Star f

Stefan Raab wollte sich nicht in der Show zeigen. Bild: www.imago-images.de / Malte Ossowski/SVEN SIMON

Der Name Raab lockt die Zuschauer durchaus an, doch wenn dann auch noch Knossi und seine Gäste immer wieder davon schwärmen, ihn gesehen und mit ihm gesprochen zu haben, dann reicht es eben, den Namen immer nur zu nennen, irgendwann nicht mehr aus. Doch vor die Kamera zu treten, dazu scheint der 54-Jährige eben nach wie vor nicht bereit zu sein.

Seine Karriere vor der Kamera beendete das ehemalige ProSieben-Gesicht 2015, seitdem stand er auf keiner TV-Bühne mehr, auch neue Fotos von Raab sind seit sechs Jahren Mangelware.

Die Netz-Gemeinde wollte Knossi nicht verlieren

Knossi musste sollte nun in Raabs Fußstapfen treten. Aber schon nach rund drei Wochen, in denen er die RTL-Sendung moderierte, musste der 34-Jährige ein Machtwort auf Twitch sprechen. Zu groß wurde der Hate in den Kommentaren, denn seine Fans waren von Knossis Wechsel ins TV-Programm überhaupt nicht angetan.

Das liegt daran, dass das lineare Fernsehen langsam aber sicher zu sterben scheint. Quoten wie noch zu "TV Total"-Zeiten werden sowieso nicht mehr erreicht, der Großteil der jungen Zielgruppe schaut sich viel lieber Twitch-Streams und Youtube-Videos an. Die Streams sind live und damit noch immer an feste Zeiten gebunden, aber dafür offenbar sehr viel spontaner und ungestellter, als das Fernsehen.

Und in der Netz-Welt ist Knossi bereits eine echte Größe: Diverse Zuschauer-Rekorde brach er mit Streaming-Events wie dem Angel- oder dem Horror-Camp. Mit 1,6 Millionen Followern gehört er außerdem zur Chartspitze in Twitch-Deutschland.

Als seine eingefleischte Fangemeinde nun erfuhr, dass Knossi zweimal wöchentlich eine Show in Köln moderieren soll, sahen sie die beliebten Streams in Gefahr, warfen dem Influencer vor, sich an RTL verkauft zu haben und bald nicht mehr auf Twitch stattzufinden. Die Vorwürfe machten Jens schwer zu schaffen, wie er Ende Februar im Netz gestand:

"Es fühlt sich an, als ob ich etwas Schlimmes getan habe, weil ich eine Fernsehsendung moderiere, ich kann es einfach nicht verstehen."

Er betonte dazu: "Ich war nie geldgeil. Im Fernsehen verdienst du lange nicht so viel, wie wenn du den Stream anmachst. Und ich will alles unter einen Hut bringen." Schon damals stellte er klar, dass Twitch sein Hauptjob bleibe, er sich sogar ein Setup zum Streamen in die für den Job angemietete Kölner Wohnung gebaut habe.

Ein paar Streaming-Termine fielen durch "Täglich frisch geröstet" dennoch weg. Und als die Sendung dann seine Fans nicht begeistern konnte, weil er dort eben etwas ganz anderes machte als im Netz, war die Community kaum noch zu besänftigen.

Knossi musste bei RTL eine Rolle spielen

Knossi ließ sich dennoch nicht beirren: "Ich mache die Sachen so lange, wie sie mir Spaß machen." Länger als bis Mai war die Sendung ursprünglich eh nicht angesetzt gewesen, stellte er seinerzeit außerdem heraus. Doch wenn RTL weitere Staffeln hätte machen wollen, hätte Knossi das aber sicherlich nicht abgelehnt. Aber schon vor dem Aus war klar, dass die Quoten nicht ausreichen, mittlerweile wurde "Täglich frisch geröstet" sogar auf einen unbeliebteren Sendeplatz nach Mitternacht mitten in der Woche verbannt.

Festzuhalten bleibt, dass Knossi im Fernsehen ein ganz anderer ist, als auf Twitch. Hier ist er für seine Ausraster bekannt, bei denen sein Gesicht dunkelrot anläuft, für spontane Gesten, Sprüche und seine Interaktion mit der Community über die Livechat-Funktion.

Im TV sind die Gags für ihn geschrieben worden, alles ist eng getaktet, die Fragen für seine Gäste vorbereitet. Knossi versuchte sich wiederum im Stream zu rechtfertigen, stellte klar, dass er sich nicht verstelle, das Fernsehen einfach nur eine andere Plattform sei: "Ihr dürft nicht vergessen, das ist Fernsehen. Hier machen wir den Stream an und machen was wir wollen. Das muss man ganz anders sehen und es ist ja auch keiner gezwungen, das zu schauen." Letzteres nahmen sich die Fans offenbar zu Herzen.

Knossi wollte zu sehr wie Raab sein

Dass die Witze nicht unbedingt aus Knossis Feder stammen, merkte man schnell. Stattdessen waren wohl einige Gagschreiber von Raab am Werk, oder zumindest welche, die sich an seinen Witzen intensiv orientierten. So scherzte Knossi ebenso wie Raab seinerzeit über die vermeintliche Homosexuellen-Hochburg Köln, ging wie er tagesaktuelle Schlagzeilen durch und kommentierte diese.

Aber Raabs Witze aus der "TV Total"-Ära sind nicht mehr zeitgemäß, ging es doch zumeist um überholte Klischees von marginalisierten Gruppen. Dass Knossi trotzdem im Jahr 2021 noch in die gleiche Kerbe schlägt, machte es nicht besser. Vermeintlich neue Aktionen von Knossi gingen jedoch ebenfalls nach hinten los.

Zum Running-Gag wurde der Politiker und Gesundheitsökonom Karl Lauterbach, den Knossi unbedingt, nachdem er sich über ihn lustig gemacht hatte, in seine Sendung einladen wollte. Der meldete sich irgendwann mit einer Absage. Spott und Hate bekommt Lauterbach schon genug, da braucht es nicht noch einen Twitch-Star im Fernsehen, der sich komödiantisch und weitestgehend inhaltsleer über ihn zu Wort meldet.

Raab legte sich in seiner Karriere auch gern mal mit diversen Promis an, etliche Prozesse wurden gegen ihn und seine Witze geführt, einige davon gewann der Moderator. Wie fair es in seiner Show zuging, darüber lässt sich streiten, polarisiert hat der Inhalt aber meistens doch. Knossi erreichte dieses Level allerdings nie, denn die Opfer seiner meist doch recht zahmen Gags wirkten willkürlich gewählt, so wie dieser, der auf Instagram für einigen Hate sorgte:

"Das Coronavirus entwickelt sich immer weiter. Da hat es Mark Forster künstlerisch einiges voraus!"

Late-Night-Shows haben in Deutschland allgemein nicht die besten Startchancen, jedoch muss Raab in Knossi zumindest einen vielversprechenden Kandidaten mit großem Potenzial gesehen haben. So viel Potenzial, dass er womöglich ein "TV Total 2.0" mit ihm produzieren wollte. Da Knossi aber nun einmal nicht Raab ist und seine Witze heute nicht mehr so zünden, konnte das Konzept nicht aufgehen.

Absolute Netz-Stars ins TV zu holen, stellt außerdem immer ein absolutes Minenfeld dar. Fans kennen ihre Idole ungefiltert und echt und dafür ist im engen Korsett einer Fernsehshow kein Platz. "Täglich frisch geröstet" ist in einem Monat Geschichte – und weder RTL-, noch Twitch-Zuschauer dürfte das allzu traurig stimmen. Der selbsternannte König des Internets kann danach seine Krone richten und mit seinen eh viel beliebteren Streams weitermachen. Nur Raab scheint nun eine echte Pleite verkraften zu müssen.

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