Unterhaltung
Riccardo Simonetti und Knossi posieren

Riccardo Simonetti war in Knossis Late-Night-Show "Täglich frisch geröstet" zu Gast und musste viele Klischees ertragen. Bild: Screenshot / Instagram / knossi

Analyse

"Täglich frisch geröstet": Knossi wird immer mehr zu Stefan Raab – und das ist ein Problem

Jens "Knossi" Knossalla lebt seinen Traum mit seiner eigenen Late-Night-Show "Täglich frisch geröstet" unter der Ägide von TV-Legende Stefan Raab. Raab wollte sich eigentlich 2015 in verfrühte Rente begeben, den Produzentenjob konnte er dennoch nicht ausschlagen. Auch, wenn er seit sechs Jahren nicht mehr vor der Kamera stand: Seine Art zu moderieren wirkt nun in Knossi fort – und zwar leider auch in vielerlei negativer Hinsicht.

Das wurde besonders deutlich, als Knossi den Influencer und Autor Riccardo Simonetti in seiner Show begrüßen durfte. Schon die Begrüßung gestaltete sich spürbar unangenehm für beide Seiten, weil der Twitch-Streamer sich durchgehend weigerte, Riccardos Namen richtig auszusprechen. Von "Sigoretti Nicoletti" bis "Simonetto Riccoletto" war alles mit dabei.

Influencer Riccardo Simonetti zeigt die alten Raab-Probleme wieder auf

Als Knossi Riccardo fragte, ob er die anderen "Täglich frisch geröstet"-Ausgaben gesehen habe, sagte der ganz offen: "Ehrlich gesagt nicht, aber auf TVNow kann man ja einiges nachholen." Und als auch der Moderator zugibt, keine von Riccardos Projekten verfolgt zu haben, spricht der 27-Jährige aus, was zu dem Zeitpunkt viele Zuschauer sicherlich schon denken:

"Nicht so wild. Aber ich weiß zumindest, wie du heißt, sagen wir es mal so."

Und später: "Jedes dreijährige Kind hat es geschafft, meinen Namen richtig auszusprechen. Außer dir." Knossallas Entschuldigung: "Es ist aber auch kompliziert." Von dem italienischen Namen kann Knossi aber auch im weiteren Verlauf nicht ablassen. Er will wissen, ob es sich um einen Künstlernamen handelt: "Der hört sich einfach fancy an, weil ich Italiener bin", lautet die langsam recht genervte Antwort von Simonetti.

Knossi scheint in Interviews genauso unvorbereitet zu sein wie Raab

Die ständigen Nachfragen zu Riccardos Namen offenbaren jedoch zudem, dass Knossi offenbar genauso unvorbereitet in die Interviews zu gehen scheint wie einst Raab. Simonetti scheint bereit, über tiefgehendere Themen wie Akzeptanz und Homophobie zu reden, Knossalla weicht jedoch in Nichtigkeiten aus.

In einer Szene erzählt der Influencer beispielsweise, dass es in seinem Kinderbuch "Raffi und sein pinkes Tutu" um einen Jungen geht, der eben gerne Tutus trägt, aber gleichzeitig gerne Fußball spielt. Veränderte Genderrollen und das Aufbrechen von Geschlechterklischees fasst der Moderator daraufhin mit den Worten: "Du setzt dich sehr für diese Dinge ein", zusammen. Riccardos Antwort: "Weil ich das Gefühl habe, dass wir noch so wahnsinnig viel in dem Bereich tun müssen." Recht hat er allemal, wie das Interview zeigt.

Angeblich ist "Influencer" kein Beruf für Knossalla

Dann scheinen Knossi, der im übrigen auch ein Tutu von Riccardo geschenkt bekommen hat und sich nicht zu schade ist, es auch in der Sendung anzuziehen, allerdings die Fragen allmählich auszugehen. Riccardo hätte ja "schon alles gemacht." Einen letzten unangenehmen Punkt arbeiten die beiden im zum Smalltalk gewordenen Interview dann aber doch noch ab:

"Kannst du von Instagram leben oder hast du noch einen richtigen Job?"

Das fragt Knossi nicht ganz ohne Arroganz, denn der selbsternannte König des Internets müsste es besser wissen. Er hat immerhin selbst 1,4 Millionen Follower auf Instagram. Doch auch hier fragt zumindest gefühlt Raab nach, dessen TV-Karriere größtenteils vor der Social-Media-Ära stattfand und dessen größter Feind auch die Plattform Instagram sein dürfte. Immerhin zeigt man dort als Star gewöhnlicherweise viel von seinem Privatleben – und es ist allgemein bekannt, dass Raab davon überhaupt nichts hält.

Riccardo holt indes zu einem letzten Gegenschlag aus: "Ist das kein richtiger Job? Bücher schreiben, Fernsehsendungen moderieren? Das sind keine richtigen Jobs für dich?", fragt er provokant zurück und fasst Knossis Job schließlich zusammen: "Die Ulknudel sein, im Fernsehen." Nach dem Gespräch wirkt ein anschließendes Tänzchen an der Poledance-Stange nur noch wie ein Zeitfüller. Knossi zog dazu extra ein glitzerndes Hemd an.

Homosexuellen-Witze waren schon bei Raab nicht mehr zeitgemäß

Dass Knossis eigene Stimme im Fernsehen mehr und mehr verloren geht, wird von Folge zu Folge sichtbarer. Während er sich in den ersten "Täglich frisch geröstet"-Ausgaben noch etwas holprig, aber charmant durch die vorgeschriebenen Gags kämpfte, wird jetzt das Raab-Vorbild immer eklatanter. "Was war denn da los?", fragt Knossi beispielsweise zu aktuellen Schlagzeilen, die haargenau so auch in "TV Total" thematisiert worden wären und wirkt dabei schon fast wie eine Persiflage auf Raab.

Host

Knossi wird von Folge zu Folge von "Täglich frisch geröstet" mehr wie Raab. Bild: TVNOW / Willi Weber

Nicht zuletzt wirken Witze über homosexuelle Menschen, die Knossi vorträgt, einfach nicht mehr zeitgemäß. Schon bei Raab sind die ständigen Anspielungen und Stereotype nicht gut gealtert, nun folgt Knossalla mit Gags wie: "Überall ist es arschkalt, außer hier in Köln, hier ist Arsch warm."

Dabei stellt sich gerade bei der jungen Zielgruppe der 34-jährigen Netz-Bekanntheit doch die Frage, ob Köln bei ihr überhaupt noch als "Schwulen-Hochburg" gilt. Vielmehr und glücklicherweise werden homosexuelle Menschen heute in Deutschland nicht mehr nur nach Köln verortet, die Gesellschaft dürfte mittlerweile viel weiter sein und Homosexualität ist nicht mehr so ein vermeintlich heikles Thema in der öffentlichen Wahrnehmung.

Dass Knossi sich von Raab offenbar viel in Sachen Moderationsstil sagen lässt, erweist sich als Fluch und zugleich Segen. Viele freuen sich, da jemanden zu sehen, der genauso ist wie seinerzeit Raab. Andere finden es schade, dass Raabs TV-Ära durch Knossi noch einmal aufgewärmt wird. Was bei der Verklärung von "TV Total" als das gute alte Late-Night-Erlebnis aber meist vergessen wird: Die gleiche Kritik gab es damals schon für Raab. Unlustige Witze und oberflächliche Interviews warf man dem Showmaster vor seinem TV-Aus ebenfalls vor.

Deshalb ist es auch nicht nur schlecht, dass der Kölner auf dem Zenit seines Erfolges mit "TV Total" aufgehört hat. Ein ähnliches Konzept nochmal mit Knossalla zu versuchen, muss allerdings auch nicht nur misslungen sein. Immerhin war das Publikum anfangs gespannt auf die Sendung und Knossi sorgt auch mit seiner lauten Art für Unterhaltung im Lockdown. Ob er sich aber auch die schlechten Seiten von Raabs Stil zum Vorbild nehmen sollte, bleibt strittig.

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