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Münchner Student liked einen "Postillon"-Artikel – jetzt ermittelt offenbar die Polizei

Johannes König ist 27 Jahre alt, Musikstudent aus München und er versteht Satire. Deshalb hat er auch einen Artikel des Satire-Magazins "Der Postillon" auf Facebook geliked. Titel: "Björn Höcke dreht Hitler-Foto auf seinem Nachttisch um." Außer ihm gefiel die Geschichte noch über 20.000 weiteren Personen. Aber gegen Johannes König ermittelt die Polizei

Mit diesem Artikel begann es:

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, war einem Beamten der Münchner Polizei der Like offenbar aufgefallen und nahm diesen zum Anlass, einen Vorgang anzulegen.

Für den Ermittler stand der Verdacht im Raum, bei dem Like für den Postillon-Artikel könnte es sich um einen möglichen Verstoß gegen den Paragrafen 86a des Strafgesetzbuches ("Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen") handeln. Die Süddeutsche Zeitung spekuliert, dem Beamten könnte der satirische Charakter des Höcke-Hitler-Artikels entgangen sein. 

Warum schaute sich der Ermittler überhaupt auf der Seite des Studenten um?

Die Ursache dafür scheint in den Social-Media-Aktivitäten des jungen Musikers zu liegen. Laut Süddeutscher Zeitung hatte die Kriminalpolizei gegen König ermittelt, weil er im Februar einen Nachrichtenbeitrag des Bayerischen Rundfunks auf seiner Facebook-Seite geteilt hatte.

Ein Foto eines BR-Artikels zeigte die Fahne der YPG, des bewaffneten Arms der kurdischen Arbeiterpartei PKK in Syrien. Diese Fahne darf in Deutschland nicht gezeigt werden. Medien dürfen sie jedoch für die Berichterstattung zeigen und verwenden. Für die Nutzer dieser Medien gilt das offenbar nicht.

Der Student durfte mittlerweile seine 45 Seiten dicke Ermittlungsakte einsehen. Der Süddeutschen Zeitung sagte er: 

"Ich dachte, es kann eigentlich nicht absurder kommen. Und dann das! Dass ausgerechnet die Behörde, deren eigentliche Aufgabe das Vorgehen gegen Neonazis ist, nun gegen mich ermittelt, macht sprachlos."

Johannes König süddeutsche zeitung

Die Münchner Polizei habe sich demnach mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen bislang nicht äußern wollen. Die Ermittlungen aufgrund der beiden Facebook-Postings dauerten laut SZ jedoch an. Die Staatsanwaltschaft München sei bislang noch nicht eingeschaltet.

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