Nachhaltig
Farmer riding tractor during sunrise with vast open fields and bright orange sky on chilly, foggy morning.

Ein Drittel der EU-Gelder fließen in die Landwirtschaft. Bild: Moment RF / Bill Hinton Photography

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Fridays for Future kritisiert Landwirtschafts-Reform: "Business as usual mit grünem Anstrich"

Was bei uns auf dem Teller landet, hat große Auswirkungen auf den Planeten. Auf die Flächennutzung, auf die Biodiversität, darauf, wie schnell der Klimawandel fortschreitet und wie viel CO2 die Böden speichern können. Entscheidend dabei: wie das, was wir da vor uns haben, produziert wurde. Und genau darauf hat die EU einen enormen Einfluss: Die Subventionen für die Landwirtschaft sind immerhin der größte Posten im EU-Haushalt. 387 Milliarden sind dafür bis 2027 vorgesehen, das ist mehr als ein Drittel aller Ausgaben.

Und weil die Landwirtschaft langfristig klimaneutral werden soll, soll mit dem Green Deal und der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) alles anders werden. 30 Prozent der Direktzahlungen werden nur noch dann getätigt, wenn sich Landwirte an Umweltauflagen halten. 35 Prozent der Gelder für die ländliche Entwicklung sollen in den Klima- und Umweltschutz fließen. Trotzdem: Wer viele Hektar besitzt, bekommt weiterhin viel Geld. Reicht das für einen grundlegenden Wandel unserer Landwirtschaft und damit unserer Ernährung?

"Die GAP hat versagt", sagt Julia Thöring von Fridays for Future, die Reform sei "Business as usual mit grünem Anstrich", die Landwirtschaft überschreite weiter die planetaren Grenzen. Eigentlich sei die Agrarpolitik das Schlüsselinstrument dafür, mit der Landwirtschaft die Klimaneutralität zu schaffen, sagte die Klimaschutzaktivistin im Rahmen des Bioland-Talks bei der Grünen Woche. Die traditionelle Landwirtschaftsmesse fand in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie zum ersten Mal rein digital statt.

Für Thöring stellen sich für die Landwirtschaftspolitik entscheidende Fragen: Wie werden Landwirte tatsächlich unterstützt? Wie schaffen wir es konkret, die Emissionen zu senken? "Dieses super wichtige Instrument hat man in den Sand gefahren, und das beunruhigt uns", sagt die Aktivistin. Immerhin steuere man auf eine Erderwärmung zwischen drei und fünf Grad zu, und das, obwohl die Menschen im globalen Süden schon jetzt drastisch die Folgen der Klimakrise spürten.

"Wer die Natur aufbraucht, muss auch dafür zahlen"

Für Bioland-Präsident Jan Plagge gibt es dafür nur eine Lösung: "Ökolandwirtschaft bietet das günstigste Transformationssystem, das zur Verfügung steht, es ist konkret und es ist machbar. Wenn wir da nicht umsteuern, verlieren die kleineren Verbraucherförderungen an Wirkung und Glaubwürdigkeit."

Die Grünen-Politikerin und ehemalige Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Renate Künast fordert deshalb eine Abgabe für Pestizide. "Wer die Natur aufbraucht, muss auch dafür zahlen." Landwirte, die klimafreundlichen und ökologischen Anbau betreiben, sollen dagegen Punkte bekommen – für einen dauerhaften Umbau der Landwirtschaft mehr als für kurzfristige Maßnahmen wie das Anpflanzen eines Blühstreifens. Kurzum: Nachhaltig zu produzieren müsse sich finanziell lohnen. "Wir haben zu viele Tiere im Land, wir brauchen eine Reduktion der Tierzahlen. Anders werden wir die Belastung für Böden und Wasser und auch den Klimawandel nicht in den Griff bekommen", sagte Künast. Zudem müsse sich die Öko-Anbaufläche bis 2030 verdoppeln.

"Nur noch ökologisches Wirtschaften darf rentabel sein"

Dem Verbraucher, der nun mal gerne billiges Fleisch kauft, die Schuld in die Schuhe zu schieben, sei keine Lösung, sagt Fridays-for-Future-Aktivistin Julia Thöring. "Die Klimakrise ist ein systemisches Problem. Wenn Klöckner mit ihrem Slogan 'Du entscheidest' wirbt, dann ist das massiv sozial ungerecht", sagt Thöring. Klimaschädliches Fleisch sei bislang nun mal oft billiger zu haben als regionale, klimafreundliche Lebensmittel. Thöring wörtlich: "Es kann nicht sein, dass Leute, die weniger verdienen, sich kein gutes Essen leisten können." Stattdessen müsse über die Mehrwertsteuer nachjustiert – oder Menschen, die Hartz IV beziehen, mehr Geld für Essen zur Verfügung gestellt werden. In den Niederlanden gebe es etwa auch Programme, die Landwirte dabei unterstützen, von der Tierhaltung wegzugehen. "Nur noch ökologisches Wirtschaften darf rentabel und attraktiv sein", so Thöring.

Städte und öffentliche Einrichtungen sollten bei der Vergabe von Aufträgen umdenken, fordert Künast. Irgendwann sollten in Kantinen und Kitas nur noch Biolebensmittel serviert, Polizeiuniformen nur noch nachhaltig produziert werden. Und auf dem Markt solle der seinen Stand aufstellen dürfen, der klimaschonend produziert.

Noch, sagt Plagge, könne man Umsteuern, auch in der Agrarpolitik. "Alle Parteien haben noch die Chance, die Weichen richtig zu stellen." Was das genau bedeutet? "Der erst Schritt in der Landwirtschaft muss sein, Klimaneutralität zu erreichen", sagt Bioland-Präsident Plagge. Und in einem zweiten Schritt sogar Systeme zu entwickeln, die der Atmosphäre CO2 entzögen.

(ftk)

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