Coronavirus
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Forscher haben weltweit bereits mehrere Hundert Mutationen des Coronavirus entdeckt. Nicht alle Variationen sind gefährlich. Bild: E+ / Nastasic

Studie zeigt: Mutationen können das Coronavirus ansteckender machen

Dass Viren mutieren können, ist an sich normal: Auch beim Coronavirus konnten Forscher bisher verschiedene Typen feststellen, die in den jeweiligen Kontinenten vorherrschen. Laut einem Bericht der "Newsweek" vom April konnten britische Wissenschaftler bis dahin drei Hauptvariationen von Sars-CoV-2 ausmachen, die eng miteinander verwandt, aber dennoch unterschiedlich sind. Insgesamt wurden bereits hunderte Mutationen des Coronavirus festgestellt, heißt es in einem Beitrag des Wissensmagazins "Scinexx" vom Mai.

Auch bei dem neusten Corona-Ausbruch in Peking, bei dem sich seit Ende vergangener Woche mehr als hundert Menschen infiziert haben, soll es sich möglicherweise nicht um den ursprünglichen Virentyp handeln. Das sagte der Epidemiologe Zeng Guang vom chinesischen Gesundheitsamt gegenüber der "Global Times". Zu einem genauen Ergebnis sind die Forscher allerdings noch nicht gekommen.

Auch bedeutet es nicht zwangsweise, dass das Coronavirus durch eine Mutation gefährlicher wird – manche Viren verlieren durch eine Veränderung des Erbguts sogar an Infektiösität. Allerdings haben Forscher des Los Alamos Laboratory im US-Bundesstaat New Mexico herausgefunden, dass eine Mutation mit dem Code D614G das Coronavirus ansteckender machen könnte. Entdeckt haben die Wissenschaftler die Veränderung vor allem bei Virenproben aus Europa und Nordamerika, wie sie Ende April bekannt gaben. Eine weitere aktuelle Studie bestätigt dieses Ergebnis.

Die Corona-Mutation könnte ansteckender sein, aber nicht gefährlicher

Wer die Variante D614G in sich trug, fanden die Forscher aus New Mexico heraus, zeigte in Abstrichen eine vergleichsweise höhere Virenkonzentration, ohne allerdings heftiger zu erkranken. Das ließ die Wissenschaftler zu dem Schluss kommen: Die Mutation ist ansteckender, aber nicht zwangsweise gefährlicher als der Urtypus von Sars-CoV-2.

Experimente kalifornischer Wissenschaftler von der Forschungseinrichtung Scripps Research bestätigen die Vermutung nun offenbar. Im Labor wurden dafür ungefährliche Vektorviren gezüchtet, die zwar in den Körper eindringen, ihn aber nicht krank machen können und mit Spike-Proteinen des Coronavirus versetzt. Die Spike-Proteine sitzen wie Stacheln an der Außenhülle des Virus und helfen ihm dabei, an eine Zelle anzudocken, einzudringen und sich darin zu vermehren – bis die Zelle platzt und die Viren sich ungehindert weiter verbreiten können.

Die Wissenschaftler von Scripps Research haben bei ihren Versuchen nun festgestellt, dass die Viren, die mit der Mutation D614G versetzt worden sind, mehr intakte Spike-Proteine ausgebildet haben und so leichter in die Körperzellen eindringen konnten. Hyeryun Choe, Professorin für Immunologie und Mikrobiologie, die an der Studie beteiligt gewesen ist, bestätigt: "Die Anzahl – oder Dichte – der funktionierenden Spike-Proteine war durch die Mutation vier- oder fünfmal höher."

Wenn das Coronavirus sich leichter verbreitet, könnte es gleichzeitig weniger gefährlich werden

Mutationen entstehen beim Kopieren des Erbguts, also während das Virus sich vermehrt. Dass sich dabei Fehler beim Übertragen des Genoms einschleichen, geschieht relativ häufig und kann folgenlos bleiben.

In seinem NDR-Podcast "Coronavirus-Update" von vergangenem Dienstag sagte auch Virologe Christian Drosten, dass das Coronavirus durch Mutationen zwar prinzipiell schwerere Krankheitsverläufe provozieren könne. Nach Gesetzen der Evolution ergebe dies allerdings keinen Sinn – denn je besser sich ein Virus an den Menschen anpassen könne, umso leichter verbreite es sich: "Bei schneller und heftiger eintretenden Symptomen isolieren sich die Menschen früher und stecken dadurch weniger Mitmenschen an."

Würde sich das Coronavirus nach dieser Theorie entwickeln, würde es ungefährlicher, aber ansteckender werden: "Dieses Anpassen kann dazu führen, dass es sich besser überträgt, aber in der Nase bleibt und zu einem einfachen Schnupfen wird", sagt auch Drosten.

Wie gefährlich welche Mutation von Sars-CoV-2 nun ist, lässt sich nach aktuellem Forschungsstand allerdings noch nicht abschließend sagen.

(ak)

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