Beatrice Egli gewann 2013 die zehnte Staffel von "Deutschland sucht den Superstar".
Beatrice Egli gewann 2013 die zehnte Staffel von "Deutschland sucht den Superstar". Bild: imago images / imago images
Interview

Beatrice Egli über Vergleiche mit Helene Fischer, Reflexion des eigenen Könnens und Bodyshaming

11.06.2022, 16:16

Seit ihrem Sieg bei "Deutschland sucht den Superstar" ging es für Beatrice Egli auf der Karriereleiter immer weiter nach oben: Ihre Alben landen regelmäßig in den Top-Ten der deutschen Charts und auf Tourneen spielt sie vor ausverkauften Hallen. Längst ist sie aus der Schlager-Branche nicht mehr wegzudenken. Darüber hinaus bewies sie in mehreren Formaten bereits ihr Talent als Moderatorin und hat mit "Die Beatrice-Egli-Show" seit diesem Jahr sogar ihre eigene Sendung.

Nun gibt es auch eine Dokumentation über die 33-Jährige. Ein Jahr lang wurde die Sängerin von einem Kamerateam begleitet. Das Ergebnis ist in "Beatrice Egli Unlimited" zu sehen, produziert für den Streamingdienst CH Media. Mit watson spricht Beatrice darüber, wie diese Dokumentation ihr dabei geholfen hat, über sich selbst nachzudenken. Außerdem thematisiert sie ihren Kampf gegen Bodyshaming und was sie von Vergleichen mit Helene Fischer hält.

watson: Anfang Juni kam eine Doku über dich heraus. Worauf dürfen sich deine Fans freuen?

Beatrice Egli: In der Doku gibt es einen ehrlichen Blick auf mein bisheriges Leben. In all seinen Facetten. Wir sehen Ausschnitte aus meiner Kindheit, meinen musikalischen Anfängen bis hin zu meiner kürzlichen Matterhorn-Besteigung. Ich spreche über Höhen und Tiefen auf meinem Weg und gebe meiner Familie, Freunden und Fans einen noch nie da gewesenen Blick hinter die Kulissen.

"Es wäre doch langweilig, wenn wir alle gleich aussehen würden."

Hast du bei den Dreharbeiten für die Doku eine andere Seite von dir kennengelernt?

Natürlich habe ich mich während der Dreharbeiten sehr viel mehr reflektiert und durfte somit den Zuschauern auch diese andere – sehr private – Seite zeigen. So sieht man mich zum Beispiel bei der Besteigung des Matterhorns sehr an meine Grenzen kommen und erlebt mich auch sonst bei einigen Ereignissen meiner bisherigen Laufbahn verletzlicher und offener als sonst. Was mich persönlich aber am meisten emotional berührt hat, waren die Worte meiner Familie und Freunde, die mir tatsächlich so viele schöne Dinge gespiegelt haben, die man ja selbst meist gar nicht an sich sieht.

Du hast auch eine neue Single: "Ganz egal". Hast du dieses Motto schon immer gelebt?

Sowohl in meiner Jugend als auch in meinen musikalischen Anfängen kam ich mit dem Thema Mobbing und Bodyshaming in Kontakt, was ich mir damals sehr zu Herzen genommen habe. Wie ich jetzt sagen kann: zum Glück! Denn daraus durfte ich ganz viel lernen und Stärke ziehen.

"Ich bin Sängerin. Was hat die Figur, der Kleidungsstil oder die Frisur mit meiner Stimme zu tun?"

Wie sah dieser Prozess aus?

Irgendwann hat es 'Klick' gemacht, dass diese Kommentare zu meinem Äußeren doch rein gar nichts mit meinem Können und meiner Rolle als Moderatorin zu tun haben. So kann ich heute zu mir stehen und diese Art der Selbstliebe hoffentlich auch vielen Menschen mit auf den Weg geben: "Komm', steh auf, geh' raus und zeig' dich, schau dich an, wie schön du bist!" Es wäre doch langweilig, wenn wir alle gleich aussehen würden. Darum lasst uns rausgehen, die Welt bunt und vielfältig machen und die Schönheit in all ihren Facetten feiern.

Beatrice Egli setzte sich trotz Widerstände bei "DSDS" durch.
Beatrice Egli setzte sich trotz Widerstände bei "DSDS" durch.Bild: Getty Images Europe / Sascha Steinbach

Du hast im Podcast "Bauchgeflüster" über "DSDS" gesprochen. Dir wurde im Rahmen der Produktion gesagt, dass du abnehmen sollst. Hast du solche Sprüche auch von der Jury erlebt oder wie hat die Jury, allen voran Dieter Bohlen, auf dich und deine Figur reagiert?

Ich finde jeglichen Kommentar zu meiner Figur unangemessen. Denn ich bin Sängerin. Was hat die Figur, der Kleidungsstil oder die Frisur mit meiner Stimme zu tun? Ich bin für jegliche Form der konstruktiven Kritik stets dankbar. Aber eben nur, wenn es meiner Rolle als Sängerin und Entertainerin zuträglich ist, es um meine Fähigkeiten als eben solche geht. Im Nachhinein bin ich sehr sehr froh, dass ich immer zu mir gestanden habe und sowohl dem Schlager als auch meinen Kurven treu geblieben bin, obwohl mir zu Anfang von beidem abgeraten wurde – und ich auch trotzdem (oder vielleicht genau deswegen) meinen Weg gehen durfte und nun sowohl die Liebe zur Musik als auch die Liebe zu sich selbst in die Welt hinaustragen und mit so vielen wunderbaren Menschen teilen und feiern darf.

"Zweifel sind, glaube ich, ganz normal und tauchen natürlich immer mal wieder auf."

Du warst in deiner Karriere schon immer konsequent, was deine Ausrichtung betrifft. Gab es Momente, in denen du versucht warst, dem Druck nachzugeben?

Für mich stand immer fest, dass ich Schlager singen möchte. Ich bin mit Schlager aufgewachsen, von klein auf lief bei uns zu Hause und in der Metzgerei meiner Eltern immer deutsches Schlagerradio. Man könnte fast sagen, die Schlagerliebe wurde mir in die Wiege gelegt. Also war mir immer klar: Entweder es klappt mit meiner Art Musik oder eben nicht. Seit ich klein war, habe ich stets an mir gearbeitet und bin mittlerweile so dankbar, dass ich immer wieder tolle Menschen auf meinem Weg getroffen habe, die mich bedingungslos in dieser Entscheidung, deutschen Schlager zu machen, unterstützt haben.

Hattest du auch manchmal Zweifel?

Zweifel sind, glaube ich, ganz normal und tauchen natürlich immer mal wieder auf. Jedoch ziehe ich mittlerweile eine große Motivation daraus und freue mich dann über jedes kleine Erfolgserlebnis. Wenn ich dann zum Beispiel ein Konzert spiele und einen riesigen Saal voller Menschen vor mir habe, die alle meine Songs mitsingen, bin ich so dankbar, gerührt und voller Glückseligkeit, dass ich das machen darf, was ich schon immer tun wollte.

Nächstes Jahr ist es zehn Jahre her, dass du bei "DSDS" gewonnen hast. Planst du etwas Besonderes für das Jubiläum?

Es ist wirklich unbeschreiblich schön, dass ich nun seit fast zehn Jahren auf der Bühne stehen und das machen darf, was ich über alles liebe. Für mich ist jede Live-Show, jeder Auftritt wie ein kleines Jubiläum, an dem ich unendlich dankbar darüber bin, jetzt genau auf dieser Bühne stehen zu dürfen.

Wie hat sich "DSDS" in deinen Augen in den zehn Jahren verändert?

Es ist schön, dass es in den letzten Jahren immer mal wieder unterschiedliche Musikstile zu hören gab und die Kandidaten sich in all ihren Facetten präsentieren durften. Dass zum Beispiel der wunderbare Ramon Roselly auch mit Schlager durchgestartet ist und wir uns nun ab und an auf den großen Schlager-Bühnen begegnen, freut mich sehr.

"Ich finde es wichtig, dass wir Frauen uns gegenseitig bestärken und uns in unserer Einzigartigkeit unterstützen."

Vor Kurzem feierte deine erste eigene Show Premiere – wird es noch weitere Ausgaben davon geben?

Ich möchte und darf nicht zu viel verraten, aber so viel sei gesagt: Es war mir eine riesige Freude, meine eigene Samstagabend-Show moderieren zu dürfen und wunderbare Gäste zu mir einzuladen. Dass über zwei Millionen Menschen in ihren Wohnzimmern eingeschaltet haben und sich von uns den Abend haben versüßen lassen, macht mich unendlich glücklich. Daher würde ich mich natürlich sehr freuen, wenn es schon ganz bald wieder heißt: "Herzlich Willkommen bei der Beatrice Egli Show."

Beatrice Egli moderierte im April ihre eigene Show.
Beatrice Egli moderierte im April ihre eigene Show.Bild: dpa / Manfred Vogel

Vanessa Mai hat in einem Interview gesagt, dass es sie belastet hat, immer mit Helene Fischer verglichen zu werden. Was hast du für Erfahrungen in diesem Zusammenhang gemacht?

"Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit", sagt der Philosoph Søren Kierkegaard. Da bin ich ganz bei ihm und aus diesem Grunde gibt es das "Vergleichen" in diesem Sinne gar nicht in meinem Leben. Es gibt genug Platz für viele tolle Schlagerfrauen in unserem Business und ich finde es wichtig, dass wir Frauen uns gegenseitig bestärken und uns in unserer Einzigartigkeit unterstützen. Ich zelebriere da ein klares Mit- und kein Gegeneinander und bin sehr froh, dass ich genau dieses Denken im meinem kompletten Umfeld zu spüren bekomme.

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