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06.10.2020, Bayern, Garching: Reinhard Genzel, Astrophysiker am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, feiert seinen Nobelpreis für Physik. Foto: Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bild: dpa / Matthias Balk

Deutscher Astrophysiker Genzel erhält Physik-Nobelpreis

Höchste Ehre für den deutschen Astrophysiker Reinhard Genzel: Der Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching wird zusammen mit dem britischen Forscher Roger Penrose und der US-Wissenschaftlerin Andrea Ghezin in diesem Jahr mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet. Alle drei Preisträger gelten als Pioniere der Forschung zu Schwarzen Löchern.

Der Physik-Nobelpreis wird in diesem Jahr geteilt: Zu einer Hälfte gehe er an Penrose für "die Entdeckung, dass die Bildung von Schwarzen Löchern eine robuste Vorhersage der allgemeinen Relativitätstheorie ist", erklärte das Nobelkomitee am Dienstag in Stockholm. Die andere Hälfte gehe gemeinsam an Genzel und Ghez "für die Entdeckung eines supermassereichen kompakten Objekts im Zentrum der Milchstraße". Das Preisgeld beträgt insgesamt zehn Millionen schwedische Kronen (etwa 950.000 Euro).

Genzel gilt als einer der weltweit führenden Forscher auf dem Gebiet der sogenannten Infrarot- und Submillimeter-Astronomie. Der 68-Jährige beschäftigt sich unter anderem mit den Kernen von Galaxien sowie Schwarzen Löchern und Sternen; für seine Forschung hat er zusammen mit seinen Mitarbeitern neue Beobachtungstechniken und Instrumente entwickelt.

Merkel gratuliert dem Physiker

Genzel hat nach eigenen Angaben während einer virtuellen Konferenz mit 30 Teilnehmern den Anruf von der Akademie in Stockholm bekommen. "Ich war heute Morgen in einer virtuellen Konferenz, da kommt das Telefon und dann sagt da jemand: 'This is Stockholm'", berichtete er in Garching. "Ich habe das wirklich nicht erwartet." Er sehe den Preis nicht nur als Auszeichnung für seine eigene Forschung, sagte der 68-Jährige weiter. Es sei auch eine Ehre für die Max-Planck-Gesellschaft "und eine gebührende Ehre für das ganze Team". Seine Gefühlslage direkt danach: sehr emotional. "Ein paar Tränen waren auch dabei."

Neben der Welt der Wissenschaft gratulierte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu der Auszeichnung - und hob auf Twitter Genzels "bahnbrechende Leistung bei der Erforschung Schwarzer Löcher" hervor.

Mysterium Schwarze Löcher

Schwarze Löcher zählen zu den bizarrsten Objekten des Weltalls. Ihre Gravitation ist so stark, dass selbst Licht ihnen nicht entweichen kann. Durch 20 Jahre lange Beobachtung konnte Genzel nachweisen, dass im Zentrum unserer Milchstraße ein Schwarzes Loch von 4,3 Millionen Sonnenmassen existiert.

Unabhängig von Genzel gelang dies auch der US-Forscherin Ghezin, die sich nun mit ihrem deutschen Kollegen die eine Hälfte des Preisgelds teilt. Die Entdeckung des supermassiven Schwarzen Lochs gilt als bislang bester empirischer Nachweis für die Existenz von Schwarzen Löchern, die Albert Einstein im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt hatte. Für seine grundlegenden Erkenntnisse zu Schwarzen Löchern und der Relativitätstheorie wiederum erhält der britische Forscher Pelrose in diesem Jahr die andere Hälfte des Nobelpreises.

Bereits im vergangenen Jahr waren bahnbrechende Beiträge zum Verständnis des Kosmos mit dem Nobelpreis gewürdigt worden: Der Physik-Nobelpreis ging 2019 an den US-Kosmologen James Peebles sowie die Schweizer Exoplaneten-Entdecker Michel Mayor und Didier Queloz.

Die diesjährige Nobelpreissaison war am Montag mit der Verkündung der Preisträger für Medizin gestartet. Die Auszeichnung ging an die beiden US-Forscher Harvey Alter und Charles Rice und ihren britischen Kollegen Michael Houghton für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus. In den kommenden Tagen folgen der Preis für Chemie und Literatur, am Freitag der Friedensnobelpreis und am Montag die Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaften.

Die Verleihung der Nobelpreise steht dieses Jahr unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. Die traditionelle Zeremonie im Dezember in Stockholm wurde vorsichtshalber abgesagt - stattdessen erhalten die Preisträger im Beisein von Fernsehkameras ihre Urkunden und Medaillen in ihren Heimatländern. Die Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo soll nach jetziger Planung hingegen wie üblich stattfinden, allerdings in kleinerem Rahmen.

(hau/afp)

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