Amüsiert sich wie immer gerne über Angela Merkel: Oliver Welke in der "heute-show" im ZDF:
Amüsiert sich wie immer gerne über Angela Merkel: Oliver Welke in der "heute-show" im ZDF:screenshot/zdf

"heute-show": War das Merkels Rache?

11.12.2021, 12:04
jürgen winzer

Angela Merkel ist weg. Und auch wenn Olaf Scholz die Raute fast so schön formen kann wie seine Vorgängerin, so weinte ihr die "heute-show" (ZDF) am Freitag beinahe ein Tränchen nach. "Natürlich hat uns Angela Merkel souverän durch die eine oder andere Krise geführt", räumte Welke ein. Andererseits zeige die aktuelle – also Corona – auch deutlich, "was alles liegen gelassen wurde". Welke gestand: "Ich werde sie ein Stück weit vermissen" – um die freundlich klingenden Abschiedsworte dann gleich zu vergiften: "Zum Beispiel ihre wunderbare Kälte, mit der sie den Niedergang ihrer Union teilnahmslos verfolgt hat."

"War das späte Rache?", fragte sich Welke. Für die wenig freundliche Art, mit der Merkel damals, 1991, als "neues exotisches Ost-Petersiliensträußchen fürs Kabinett Kohl" behandelt wurde? Welke: "Damals war sie der Gipfel der Diversität: Frau und Ossi!" Später habe sie "den ranzigen Verein in gefühlt drei Sekunden auf links gedreht". Und "Gegner reihenweise politisch verschwinden lassen".

Keine Bayern in der Regierung: "Das Geilste an der Ampel".
Keine Bayern in der Regierung: "Das Geilste an der Ampel". screenshot/zdf

Das Geilste an der Ampel: "Das Kabinett ist bayernfrei!"

Jetzt aber ist Merkel raus. Und neben ihr alle Bayern! Ja, es gebe zur Hälfte Frauen und sogar einen Minister mit türkischen Wurzeln (Welke: "Überfällig"), aber das Kabinett sei "komplett bazifrei"! Das sei "das Geilste an der Ampel-Regierung": Unter Olaf Scholz, dem neunten Bundeskanzler Deutschlands, gebe es erstmals seit 72 Jahren keinen Bayern im Kabinett. Im Einspieler hieß es: "Deutschland feiert den Tag der Befreiung von beknackten CSU-Ideen wie Herdprämie, Mütterrente oder Ausländermaut." Endlich könne "der durchgeknallte bayerische Sonnengott seine schlimmsten Pflegefälle nicht mehr als Minister in Berlin entsorgen". Fazit: "Danke, Ampel!"

Virus gegen "Dr. Doom" ohne Chance

Das werde aber kein Garant für anhaltende Harmonie sein. Zwar wertete Welke die Doch-noch-Nominierung von Karl Lauterbach als "vorzeitiges Weihnachtsgeschenk". Aber "Deutschlands bester Pandemieerklärer muss nun Pandemie managen. Lauterbach muss liefern." Welke äußerte sich allerdings zuversichtlich: "Gegen Dr. Doom hat das Virus nicht den Hauch einer Chance."

Überraschung: Es ist ein Karl. Die "heute-show" über den neuen Gesundheitsminister.
Überraschung: Es ist ein Karl. Die "heute-show" über den neuen Gesundheitsminister.screenshot/zdf

Großen Ärger – intern wie extern – könnte es dafür aber bald mit "Autokraten-Schreck" Annalena Baerbock geben. Die habe eine härtere Gangart gegen Autokraten aus Russland und China angekündigt und damit wohl nicht nur die Staatschefs in Russland und China, sondern auch den eigenen Kanzler verprellt. Scholz habe, so wusste "Reporterin" Carolin Kebekus zu berichten, Chinas Präsident bereits beschwichtigt, er wolle Merkels Chinapolitik fortsetzen und die "chinakritischen Koalitionspartner in Schach zu halten." Kebekus: "Die Männer sagen sich: 'Lass das Mädchen mal labern, am Ende regelt das der Papa.' Außenpolitik ist für Erwachsene. Das Baerböckchen soll aus dem Flieger steigen, winken und gut aussehen."

Muss das ZDF von der "Sklaven-WM 2022" berichten?

Kebekus wurde fiktiv aus dem olympischen Zentrum in Peking zugeschaltet, wo die Winterspiele vorbereitet werden. Um die Frage, ob sich Deutschland am politischen Boykott der Winterspiele beteiligen solle, drücke sich Olaf Scholz wortreich, aber aussagearm herum.

Kebekus selbst äußerte eine Idee, "die sich jetzt vielleicht total crazy anhört": Vielleicht könne man ja mal so eine "große Sportveranstaltung in einer Demokratie stattfinden" lassen? Dem eigenen Sender gab sie einen Denkanstoß mit: "Muss das ZDF unbedingt von Olympia berichten oder von der Sklaven-WM im nächsten Winter?" Alternative: "Man könnte stattdessen alte Folgen von 'Diese Drombuschs' ausstrahlen". Das sei zwar "auch Menschenrechtsverletzung, aber wenigstens lustig".

Soll Amazon den Impfstoff liefern?

Lustig, ein Fremdwort in Zeiten von Corona. In Deutschland, so Welke, stünden die Zeichen immer mehr auf allgemeine Impfpflicht. Das sei bitter, weil es erstens vermeidbar gewesen wäre, wenn man "rechtzeitig auf 2G" gesetzt hätte. Zweitens sei es ein "Geschenk an die AfD", die der Regierung nun den Wortbruch vorwerfen kann.

Derweil haben diejenigen, die sich nun impfen lassen möchten, große Probleme. Wenn man schon mit einer so schweren Grundrechtseinschränkung wie der Impfpflicht plane, dann müsse der Staat auch seine Hausaufgaben machen, forderte Welke: "Impflicht einerseits und andererseits Impfwillige nach stundenlangem Warten nach Hause schicken, weil der Impfstoff aus ist – das passt nicht zusammen."

"Wir haben ein mittelschweres Logistikproblem", stellte Welke fest und kritisierte diejenigen "Politiker, die aus Feigheit nix entscheiden und sich dann hinter der Stiko verstecken." Holger Stockhaus aus dem "heute-show"-Team formulierte die vielleicht rettende Idee: "Amazon! Die kennen sich mit Logistik aus. Die schicken Sachen ganz schnell. Manchmal sogar innerhalb eines Tages!"

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