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Kapitän Manuel Neuer wird dem FC Bayern beim Rückrundenauftakt am Freitag fehlen. Bild: www.imago-images.de / ULMER
Bundesliga

"Ein Riesenproblem, damit kommunikativ umzugehen": Markenexperte über die Haltung des FC Bayern nach Coronafällen um Neuer, Sané und Coman

06.01.2022, 19:0107.01.2022, 10:34

Schlechter hätte der FC Bayern wohl nicht in das Jahr 2022 starten können und dabei haben die Münchner noch nicht einmal die Partie zum Rückrundenauftakt gegen Borussia Mönchengladbach am Freitagabend absolviert.

Neun Spieler, die aus dem Weihnachtsurlaub mit einem positiven Corona-Test aus dem Urlaub zurückkamen, sorgen dafür, dass der Rekordmeister auch in dieser Kategorie unangefochtener Tabellenführer der Bundesliga ist.

Im Zusammenhang mit diesem Corona-Chaos äußerte sich lediglich Sportvorstand Hasan Salihamidžić. Aber auch erst am frühen Mittwochnachmittag, nachdem Gladbachs Sportchef Max Eberl auf einer Pressekonferenz vom Antrag der Bayern auf Spielverlegung erzählt hatte.

Von Präsident Herbert Hainer und Oliver Kahn, dem Vorstandsvorsitzenden, hörte man wie in den vergangenen Wochen wie so häufig: nichts.

"Es ist ein Riesenproblem, damit kommunikativ umzugehen", verdeutlicht auch Marken- und Kommunikationsexperte Peter Pirck. Es ist jedoch kein Problem, das die Münchner exklusiv haben, sondern viele Teile der Gesellschaft betrifft.

Eine Äußerung der Bayern-Bose zu diesem Thema zum jetzigen Zeitpunkt wäre laut Pirck aber die schlechteste Entscheidung, die die Münchner jetzt treffen könnten. "An dieser Stelle ist es zu spät, mit Kommunikation noch wirklich viel zu retten."

"Er hat viele Nebenschauplätze und macht das bisher exzellent. Auch, wenn in diesen Bereichen eigentlich die sportliche Führung gefragt ist."
Markenexperte Peter Pirck über die medialen Auftritte von Bayern-Coach Julian Nagelsmann

Julian Nagelsmann als Sprecher des Vereins

Wie bei so vielen Themen zuvor, etwa bei der ausbleibenden Kimmich-Impfung, dem Chaos auf der Jahreshauptversammlung und dem Sponsoringpartner Katar, äußerte sich keiner der Vereinsbosse. Präsident Herbert Hainer verteidigte dies bereits im Dezember im Fußball-Talk "Doppelpass" mit dem Argument, dass Nagelsmann schließlich vor und nach den Spielen Pressekonferenzen gäbe.

Und so nun auch vor dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach am Donnerstagmittag. Dabei wurde Nagelsmann natürlich vor allem mit Fragen rund um die zahlreichen Corona-Infektionen konfrontiert. Denn die Mitteilungen der Münchner beschränkten sich lediglich auf zwei Zeilen, in denen seit Neujahr fast täglich mitgeteilt wurde, welche Spieler infiziert seien.

Für Marken- und Kommunikationsexperte Pirck ist das jedoch der richtige Ansatz. "Ich weiß nicht, wie stark die Wirkung wäre, wenn man an dieser Stelle nochmal anders kommuniziert hätte." Die Infektionen der zahlreichen Spieler seien nicht mehr rückgängig zu machen, "daher ist es egal, wie der Verein das verpackt".

Marken- und Kommunikationseyperte Peter Pirck
Marken- und Kommunikationseyperte Peter PirckBild: brandmeyer markenberatung

Bayern-Trainer sieht Situation auch als Chance für Talente

Der 34-jährige Coach wurde am Donnerstag dann doch etwas genauer. Neben den bereits bekannten Akteuren fällt mit Christopher Scott ein weiterer infizierter Spieler aus, der aus der Reservemannschaft das Profi-Team unterstützen sollte.

Doch Nagelsmann wollte nicht "rumheulen", sondern bezeichnete die Situation aus Trainersicht als "extrem reizvoll", da er eine Spielidee entwickeln müsse und Spieler auf Positionen zum Einsatz kämen, auf der sie nicht ausgebildet wurden.

Zudem sei es die Chance, für junge Talente wie die 16-jährigen Arijon Ibrahimović und Paul Wanner. Beide Spieler ließen die Münchner extra von der U-17-Nationalmannschaft aus Spanien einfliegen. Und so hat die aktuelle Personallage für Nagelsmann auch einen positiven Effekt. "Das sind die Spieler, die wir fördern müssen", erklärte er.

Laut dem Markenexperten hat der FC Bayern mit dieser offenen Kommunikation durch Nagelsmann alles richtig gemacht.

"Er hat viele Nebenschauplätze und macht das bisher exzellent. Auch, wenn in diesen Bereichen eigentlich die sportliche Führung gefragt ist." Und so fordert er gleichzeitig auch, dass Vorstandschef Oliver Kahn seinen Chefcoach künftig mehr entlasten müsse.

Julian Nagelsmann auf der Pressekonferenz am Donnerstagmittag.
Julian Nagelsmann auf der Pressekonferenz am Donnerstagmittag. bild: FcBayern.de/screenshot watson

Bayern-Bosse gaben keine explizite Reisewarnung an die Spieler

Der Grund für viele Infektionen der Bayern-Spieler waren wohl Urlaubsreisen über Weihnachten und Silvester. So verbringen Manuel Neuer und Lucas Hernández ihre Quarantäne auf den Malediven, Kingsley Coman in Dubai oder Corentin Tolisso in Frankreich. Laut der "Bild"-Zeitung hatten die Bayern-Bosse allerdings keine Reisen verboten. Sie sollen die Stars lediglich gebeten haben, sich vernünftig zu verhalten. Ein generelles Reiseverbot für die Münchner Profis wäre laut Arbeitsrechtler Pascal Croset vertraglich nicht möglich gewesen. "In seiner Privatzeit ist der Arbeitnehmer frei, auch wenn er hochbezahlter Fußballer ist. Jeder darf in seinem Urlaub hinfahren, wo er will", sagte er gegenüber watson.

"Ich weiß auch nicht, ob sich ein Uli Hoeneß in der Situation hingestellt hätte und väterlich mal gesagt hätte: 'Jungs, jetzt bleibt hier und geht mit gutem Vorbild vorangehen'", sagt Pirck.

Und auch der Bayern-Trainer unterstrich, dass er kein Erzieher sei, sondern Fußballtrainer. "Alle Spieler sind im mündigen Alter und haben eine Eigenverantwortung für ihr Leben." Gerade mit Hinblick auf die psychische Erholung machte er seinen Spielern keinen Vorwurf, dass sie die Weihnachtstage nutzten, um ihre Familien zu besuchen.

"Warum wir mehr Infizierte als andere Klubs haben, kann ich nicht sagen. Es gibt nicht großartig eine Erklärung dafür. Wir müssen daraus das Beste machen."

Gesundheitsamt München entscheidet über Austragung des Spiels

Nun bereiten sich die Münchner ganz regulär auf das Spiel gegen Gladbach am Freitagabend vor. Denn nach der 0:5-Klatsche im DFB-Pokal haben Nagelsmann und sein Team definitiv noch Revanchegedanken im Kopf.

"Ich will gewinnen, wenn wir morgen Abend spielen. Mir ist es relativ bums, ob wir nur U-23-Spieler auf der Bank haben."

Lediglich eine Anordnung des Gesundheitsamtes München könnte noch zu einer Absage führen. Aber nur, wenn beim infizierten Alphonso Davies, der am Dienstag noch mit der Mannschaft trainierte, die Omikron-Variante nachgewiesen wird.

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