Aldi dreht bei einigen Produkten die Preisschraube nach unten. Der Verteuerungs-Trend bleibt trotzdem bestehen.
Aldi dreht bei einigen Produkten die Preisschraube nach unten. Der Verteuerungs-Trend bleibt trotzdem bestehen. Bild: www.imago-images.de / Wassilis Aswestopoulos

Aldi reagiert auf Preis-Schmerzgrenze – rund 50 Produkte billiger

10.07.2022, 15:2410.07.2022, 15:25

Das Leben wird teurer. Die Inflation, die Energiekrise und der Ukraine-Krieg treiben die Preise ebenso nach oben wie die Folgen der Corona-Pandemie. Meldungen über Teuerungen reißen derzeit also nicht ab. Aldi steuert zumindest mit etwa 50 Produkten entgegen. Der Discounter dreht zum ersten Mal in diesem Jahr im großen Stil an der Preisschraube. Überhaupt stehen Billig-Händler aktuell besser da als ihre teureren Konkurrenten, wie die "LZ" berichtete.

Aldi reagiert auf Schmerzgrenze von Kunden

Es geht Aldi bei den Vergünstigungen um sogenannte Preisschwellen – also Preispunkte, an dem sich die Preisbewertung eines Kunden sprunghaft verändert. Bei Fleisch liegt diese Schwelle offenbar bei drei bis vier Euro. Als die Fleischpreise darüber lagen, verzeichnete Aldi deutliche Verluste. Die Schmerzgrenze der Kunden war offenbar erreicht und der Absatz an der Fleischtheke ging deutlich zurück.

Der Discounter sah Handlungsbedarf und drehte bereits Anfang der Woche den Preis bei einigen Produkten nach unten. Nun verspricht Aldi: "Günstigere Einkaufspreise werden an die Kunden weitergegeben". Knapp 50 Produkte sind von nun an günstiger.

Vor allem Fleischliebhaber dürfen sich freuen: Bei Aldi Süd gibt es jetzt etwa gemischtes Hackfleisch (500 Gramm-Packung) für 3,99 Euro: 60 Cent günstiger als in der Vorwoche, aber immer noch einen Euro teurer als noch Anfang des Jahres.

Zumindest bei Fleischprodukten hat Aldi die Preisschraube nach unten gedreht.
Zumindest bei Fleischprodukten hat Aldi die Preisschraube nach unten gedreht. Bild: picture alliance / SvenSimon | FrankHoermann/SVEN SIMON

Tierleidfreie Produkte profitieren offenbar von der Inflation

Dass die Preise im Vergleich zum Vorjahr dennoch deutlich teurer geworden sind, bringt einen netten Nebeneffekt in puncto Umwelt- und Tierfreundlichkeit mit sich. Denn: Mittlerweile sind die Preise für vegane Fleischalternativen kaum noch teurer als für die fleischige Version. Einige Produkte sind sogar etwas billiger. Veganes Hackfleisch kostet bei Aldi aktuell etwa weniger als das fettreduzierte Rinderhackfleisch.

Aus Umwelt-Sicht gibt es noch weitere "Erfolge" zu verbuchen. So bleibt der Haferdrink von Aldis Eigenmarke "Gut Bio" preislich unverändert bei 99 Cent pro Liter, während Kuhmilchprodukte deutlich teurer geworden sind. Damit kostet der Haferdrink nun weniger als die tierischen Produkte. Kunden dürften also vermehrt zur günstigeren, pflanzlichen Milch-Alternative greifen.

Haferdrink ist bei Aldi erstmals günstiger als Kuhmilch.
Haferdrink ist bei Aldi erstmals günstiger als Kuhmilch.Bild: picture alliance/dpa | Sina Schuldt

Verteuerungstrend geht weiter

Die Preisschraube an 50 Aldi-Produkten ist nur ein Tropfen auf dem teuren Inflations-Stein. Eine Trendwende von Nahrungsmittelpreisen ist trotz der Köder-Produkte der Discounter nicht in Sicht. Die allermeisten Produkte werden immer noch teurer als günstiger. Nicht nur bei Milchprodukten, auch bei Pizza, Papier oder Fisch müssen Kunden künftiger noch tiefer in die Tasche greifen.

Bei Tiefkühlprodukten fällt die Teuerung besonders auf. Kein Wunder: Für sie stehen gewaltig gestiegene Kosten für Energie und Rohstoffe auf dem Plan.

Pizza von Dr. Oetker kostet nun etwa erstmals mehr als drei Euro. Selbst die Eigenmarken-Doppelpizza von Aldi verteuert sich um ganze 70 Cent auf nun 3,19 Euro. Bei Fisch hat sich die Preisschwelle ebenso deutlich nach oben gedreht. Auch die Fischstäbchen von Iglo überschreiten nun etwa die Vier-Euro-Marke und kosten bei Aldi seit neuestem 4,19 Euro.

Die Sorge vor Absatz-Einbrüchen bei Fisch ist hoch. Laut Aldi gebe es keine Möglichkeit mehr, die aktuelle Schwelle zu unterschreiten.

Kunden entscheiden sich vermehrt für den Einkauf im Discounter

Klar ist: Die Kaufkraft geht zurück. "Wir sehen deutliche Rückgänge in den Bonsummen", resümiert auch Robert Kecskes, Marktforscher von GfK.

Im Großen und Ganzen scheinen die Discounter trotzdem die Gewinner der Inflation zu sein. Ein Blick auf die Bons von 2021 und 2022 zeigt: Zwar verliert der Handel im Vergleich zum Vorjahr, allerdings ist derzeit eine Verschiebung der Gewichte von Supermärkten zu Discountern zu beobachten. Discounter verlieren leicht, Supermärkte noch mehr. Letztere haben Umsatzeinbußen von bis zu 5 Prozent.

Der Bon-Vergleich zeigt: Discounter profitieren im Vergleich zu den teureren Supermärkten.
Der Bon-Vergleich zeigt: Discounter profitieren im Vergleich zu den teureren Supermärkten.Bild: picture alliance / Frank May | Frank May

Im Vorjahr hatten die Händler von den Lockdown-Effekten profitiert und dicke Zusatzumsätze gemacht, diese fallen 2022 weg. Nun verschieben sich die Gewichte im Lebensmittelhandel. Wie der Betreiber der Shopping-App Smhaggle bei der Auswertung von mehr als 200.000 eingescannten Einkaufsbons feststellte, verlegen viele Kunden einen Teil ihres Einkaufsbudgets auf Discounter wie Aldi und Lidl.

"Die Discounter holen sich jetzt Marktanteile zurück, die sie in Corona-Zeiten verloren haben", erklärt ein Handelsmanager. Mit Kampagnen für ihre günstigen Eigenmarken versuchen Rewe und Edeka dagegenzuhalten.

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