Von wegen Merkel-Diktatur: Letzte Woche muckten die Ministerpräsidenten auf, wunderte sich Oliver Welke in der "heute-show".
Von wegen Merkel-Diktatur: Letzte Woche muckten die Ministerpräsidenten auf, wunderte sich Oliver Welke in der "heute-show".
bild. zdf

"Die Angi hat aber angefangen!" – "heute-show" ätzt gegen Bund-Länder-Gipfel

Revolte beim Bund-Länder-Gipfel gegen Kanzlerin Merkel, erpresserische Ostler und ein "Wurst-Case-Szenario" für alle deutschen Grillmeister. Da kam die "heute-show" (ZDF) diesmal sogar ohne Donald, das Trumpel, aus.
21.11.2020, 09:5821.11.2020, 09:57
jürgen winzer

Die Querdenker zetern gegen die Merkel-Diktatur, dabei gibt es die gar nicht. Diesen Beweis, so Moderator Oliver Welke, lieferte der Bund-Länder-Gipfel am vergangenen Montag. "Die Ministerpräsidenten muckten auf. Es gab eine Revolte gegen die Kanzlerin." Deren Corona-Vorschläge wurden ignoriert. Allerdings in erster Linie, weil sich die Länderchefs übergangen fühlten. "Die Corona-Zahlen steigen, und die streiten über Verfahrensfragen? Willkommen im Kindergarten!" Wandelnde Widersprüche.

Davon gab's auch bei der Berliner Querdenker-Demo gegen das Infektionsschutzgesetz jede Menge. Die "Verstrahlten und Rechten" bezeichnen das Gesetz ja gerne als "Ermächtigungsgesetz". Welke bitterböse: "Seit wann haben denn Nazis was gegen Ermächtigungsgesetze?"

0:6-Klatsche: Das hat Jogi von seiner Reise ins Hochrisikogebiet

In Berlin entlarvten sich einige. Die AfD zeigte einmal mehr, dass sie ein zynisches Demokratieverständnis hat, indem sie Querulanten in den Reichstag schleuste, damit diese Politiker anpöbeln durften. Und die streitbaren Ministerpräsidenten und ihre Vorgesetzte Kanzlerin untermauerten, dass sie nach wie vor keinen echten Corona-Plan haben und an ihren Bürgern vorbei politisieren. Einziger Beschluss des Montagsgipfels: "Wir treffen uns nächste Woche wieder." Dann würden, so prophezeite Welke, ohnehin nur wieder neue Kontaktbeschränkungen ausgerufen werden. Warum? "Weil ihnen nie was anderes einfällt."

Reisen in Risikogebiete können gefährlich sein: Die deutsche Fußballnationalmannschaft erfuhr es in Spanien.
Reisen in Risikogebiete können gefährlich sein: Die deutsche Fußballnationalmannschaft erfuhr es in Spanien.
bild: zdf

Einige der Appelle allerdings seien schon sinnvoll. "Vermeiden Sie unnötige Reisen in Risikogebiete wie Spanien", sei zum Beispiel einer, der aus Perspektive von Jogis Jammerlappen (0:6-Klatsche gegen "La Furia Roja", die rote Furie) durchaus befolgenswert gewesen wäre.

Kein Geld für die Schüler, für die Autoindustrie schon

Sonst sei nach wie vor viel Sinnloses zu erkennen. Die geplante Regel, dass sich Kinder nur noch mit einem Freund treffen dürfen, sei "wirklichkeitsfremder Blödsinn". Verständlicher sei dagegen, dass sich viele Kultusministerien immer noch an den Präsenzunterricht in Schulen klammerten. "Damit keiner merkt, wie gnadenlos wir bei der Digitalisierung der Schulen hinterherhängen."

Das unterstützte Olf Schubert: "Bei uns bedeutet Digitalunterricht, wenn die Schulkinder einen Taschenrechner zeichnen." Für zwölf Euro pro Schulklasse könnte man mit einer Webcam mit Mikro einen "hybriden" Unterricht anbieten: Der Lehrer unterrichtet eine Hälfte der Klasse in der Schule, während sein Unterricht live an die andere Hälfte daheim übertragen wird. Da aber wird die Finanzierung infrage gestellt. Andererseits, so Welke: "Die Autoindustrie hat diese Woche noch einmal fünf Milliarden geschenkt bekommen."

"Wir haben verstanden: Die nächsten Monate werden scheiße!"

"Wenn's blöd läuft, hangeln wir uns bis April von Lockdown zu Lockdown", meinte Welke, weil die GroKo nach wie vor nur von Woche zu Woche plane. Oder bis Weihnachten. Das werde von allen, vor allem von Bayerns Markus Söder mantraartig als Nahziel ausgerufen. Damit, so Welke, schließe er Millionen von Bürgern aus, denen Jesu Geburtstag – zum Beispiel aus Glaubensgründen – völlig egal sei. Auch die jetzt entstehenden Silvesterböllerverbotsdebatten wären lediglich weitere Anhäufungen von Drohungen und Durchhalteparolen. Dabei sei doch klar: "Die nächsten Monate werden scheiße! Ja, wir haben's verstanden. Botschaft angekommen."

Demodeppen: Oliver Welke giftete gegen den Kampf für das "Grundrecht, jederzeit andere Menschen anstecken zu dürfen".
Demodeppen: Oliver Welke giftete gegen den Kampf für das "Grundrecht, jederzeit andere Menschen anstecken zu dürfen".
bild: zdf

Angesichts der mangelnden Kommunikation mit den Bürgern und fast peinlichen PR-Aktionen mit dem (digitalen) "Tag der offenen Tür", bei dem Bundes-Politiker inklusive Angela Merkel treudoofe Fragen ("Wie gestaltet sich Ihr politischer Alltag?") von zuvor teilweise gecasteten Mitmenschen beantworteten, empfahl Welke Klartext und eine alte Regel: "Nie mehr versprechen, als man halten kann."

"Orban, der ungarische Gulasch mit Ohren, erpresst die EU!"

Ein Gewinner der weltweiten Pandemie-Krise scheint ausgerechnet China zu werden. Dort gingen die Zahlen zurück, sodass sogar wieder die Clubs geöffnet und Riesenpartys gefeiert würden. Darunter, und das tue besonders weh, ein Oktoberfest. Und das, obwohl es vor kurzem Berichte gab, wonach es zu einem Corona-Fall aufgrund einer infizierten Schweinshaxe (importiert aus Deutschland) kam. "Ja, das klingt einleuchtend", meinte Welke. China sei nicht nur als "Viruslieferant", sondern auch als Handelsmacht eine Bedrohung für den Westen. Leider sei der derzeit instabil wie selten.

Carolin Kebekus prangerte an, dass die EU nicht einmal in Zeiten größter Not zusammenhalte. Der Haushalt, inklusive Corona-Nothilfen wird von Ungarn und Polen blockiert. Kebekus: "Orban, der ungarische Gulasch mit Ohren, legt ein Veto gegen die Rechtsstaatsklausel ein und gibt damit zu, dass Ungarn kein Rechtsstaat ist. Hää?" Orban und "sein polnischer Gangster-Kollege" erpressten die komplette EU – mitten in der Corona-Krise.

"Wurst besteht aus Liebe, Knorpel und Ausbeutung"

Aber Kebekus hatte eine konstruktive Idee: Sie schlug vor, dass alle Staaten aus der EU austreten und eine Minute danach eine neue gründen: die EUODBUUP – die "Europäische Union ohne die bekloppten Ungarn und Polen". Vorteil: Man könne 17 Milliarden sparen, die netto und jährlich an Ungarn und Polen gingen. "15 Milliarden geben wir gleich Italien und Spanien und für den Rest kaufen wir Lakritzstangen oder Heizpilze. Egal was, alles besser, als es den Ungarn oder Polen zu geben."

Nicht nur unterm Heizpilz, auch auf dem Grill ist's heiß. Oder auch nicht. Laut Till Reiners steht die nächste Grillsaison auf der Kippe. Wenn nämlich tatsächlich, wie geplant, die Ausbeutung in der Fleischindustrie gestoppt werde, drohe das "Wurst-Case-Szenario". "Es geht um die Wurst, Leute", mahnte Reiners, und die bestehe nun mal aus "viel Liebe, Knorpel und Ausbeutung".

Noch scheint nicht alles verloren: Zum Glück habe die CDU in Sachen Leiharbeiter doch wieder Zugeständnisse an die Fleischindustrie gemacht. Motto: Wir sind total gegen beschissene Arbeitsbedingungen und Ausbeutung, außer in Monaten mit "r". Oder wenn wir richtig Hunger haben.

Warum der Sinneswandel bei den Mannen um Fraktionschef Ralph Brinkhaus, wenn es um die Großfleischer wie Tönnies & Co. geht? "Fun Fact", sagte Reiners, "Brinkhaus stammt aus Rheda-Wiedenbrück. Home of Tönnies!" – wohl bekomm's!

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