Uli Hoeneß. Bis Freitag ist er noch Präsident des FC Bayern.
Uli Hoeneß. Bis Freitag ist er noch Präsident des FC Bayern.Bild: imago images / Laci Perenyi
Analyse

5 Hoeneß-Zitate vom Wochenende – und was zwischen den Zeilen steht

11.11.2019, 15:0711.11.2019, 15:52

Ein "traumhaftes" letztes Spiel als Bayern-Präsident erlebte Uli Hoeneß beim 4:0-Sieg gegen Borussia Dortmund. Am Freitag scheidet der 67-Jährige, der 1979 mit 27 Jahren als Manager beim FC Bayern begann, dann offiziell aus seinem Amt aus. Bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern wird sich Hoeneß nicht mehr zur Wiederwahl stellen.

Er wird einfaches Aufsichtsratsmitglied bleiben. Sein Nachfolger soll der langjährige Adidas-Chef Herbert Hainer werden. "Die Mannschaft hat mir ein Geschenk gemacht, wie man es besser nicht haben kann", schwärmte Hoeneß nach dem Heimsieg gegen den BVB am Samstagabend.

Mit dem Wind der Euphorie im Rücken holte Hoeneß dann nochmal zu einem dampfplauderischen Rundumschlag aus – so kennt man ihn, den Wurstfabrikanten und Weltklubmacher. Am Sky-Mikro, im ZDF-"Sportstudio" und im "Doppelpass", beim Spiel der Basketballer des FC Bayern sowie gegenüber dem "Kicker" tat Hoeneß Samstag und Sonntag das, was er – neben dem Machen – schon immer am besten konnte: Reden.

Fünf Sätze, die der Noch-bis-Freitag-Präsident am Wochenende auf verschiedenen Kanälen zum Besten gab, haben wir uns ein bisschen genauer angeschaut, und für euch zwischen den Zeilen des Uli H. gelesen.

5 Hoeneß-Sätze vom Wochenende, und was sie bedeuten:

"Haben Sie eine halbe Stunde Zeit?"

Als Sky-Reporter Patrick Wasserziehr Uli Hoeneß nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund fragte, was das Wichtigste gewesen sei, was er dem FC Bayern aus seiner Sicht gegeben habe, stellte Hoeneß nach kurzem Überlegen eine Gegenfrage: "Haben Sie eine halbe Stunde Zeit?"

Patrick Wasserziehr.
Patrick Wasserziehr.Bild: imago/Jan Huebner/hufnagel
  • Was im ersten Moment sehr arrogant wirkt, darf sich Hoeneß bei dieser Frage erlauben. Er weiß um seine Verdienste und er ist stolz auf sie. Hoeneß ist zu Recht selbstbewusst. Er hat mit Ende 20 einen Fußballverein übernommen, der jetzt ein Weltverein ist. Uli Hoeneß ist der FC Bayern. Offiziell mindestens bis Freitag. Im Geiste wahrscheinlich aber noch viel länger.

"Teile der Mannschaft wollten den Trainer weg haben"

Am späten Samstagabend im "Sportstudio" sagte Hoeneß zur Demission des Trainers Niko Kovac: "Es hat sicherlich Strömungen innerhalb der Mannschaft gegeben, die den Trainer weg haben wollten. Deswegen hat die Führung entsprechend reagiert."

Ex-Co-Trainer Hansi Flick (l.) sprang als Interimstrainer für Niko Kovac ein.
Ex-Co-Trainer Hansi Flick (l.) sprang als Interimstrainer für Niko Kovac ein.Bild: imago sportfotodienst
  • Als alle dachten, es sei bereits alles gesagt zur Causa Kovac, verriet Hoeneß also doch noch ein interessantes wie pikantes Detail, das aufhorchen ließ und der Freistellung von Kovac ein völlig neues Geschmäckle gab. War das ein unnötiges Nachtreten in Richtung des Ex-Trainers?
  • Nein. Das würde Hoeneß bei Kovac nicht tun. Dazu ein kleiner Exkurs zur Erklärung: Kovac war eher der Mann von Hoeneß, weniger der von Karl-Heinz Rummenigge. Hoeneß hat Kovac lange gestärkt, Rummenigge tat dies ganz im Gegenteil. In seiner Bankettrede nach dem DFB-Pokalsieg im Frühjahr dankte KHR dem Team, dem Staff, der medizinischen Abteilung. Nur dem Trainer explizit nicht.
  • Es war wohl eher als ein Vorwurf an jene Teile der Mannschaft zu verstehen, die nicht mehr hinter Hoeneß' Mann Kovac standen. Dass die Bayern-Spieler das Zünglein an der Trainerentlassungswaage sein können, hat schon die Vergangenheit gezeigt: Beim Rauswurf des Italieners Carlo Ancelotti 2017 hatten sich einige Stars auch zuvor gegen den Trainer gestellt.
  • Hoeneß' Aussage war aber auch ein Statement, dass es am Ende nicht um einzelne Personen geht, sondern um den FC Bayern als großes Ganzes. Gegenüber dem Fußballfachmagazin "Kicker" erklärte Hoeneß seinen "Sportstudio"-Satz am Sonntag: "Muss man nicht die Wahrheit sagen? Der größte Druck kam von der Mannschaft." Selbst in dieser rhetorischen Frage des FCB-Präsidenten steckt noch ein bisschen Interpretationsspielraum: Hoeneß, der Steuerbetrüger, der deswegen im Knast saß, spricht von der Unerlässlichkeit der Wahrheit...

"In dieser Geschichte war ich überhaupt nicht involviert"

Im "Sportstudio"-Interview ging es auch um das Gerücht, dass Arsène Wenger der Nachfolger von Niko Kovac hätte werden können beziehungsweise um die darauffolgenden Irritationen. Hintergrund: Wenger hatte der Darstellung des FC Bayern bezüglich eines möglichen Engagements beim Rekordmeister widersprochen. Nicht er habe sich in München angeboten, sondern er sei von Rummenigge angerufen worden, sagte der Franzose dem TV-Sender beIN Sports.

Nicht immer einer Meinung: Rummenigge (l.) und Hoeneß.
Nicht immer einer Meinung: Rummenigge (l.) und Hoeneß.Bild: imago/MIS/bernd feil

"In dieser Geschichte war ich überhaupt nicht involviert, und zwar von A bis Z nicht", keifte Hoeneß am Samstagabend im ZDF. Um wirklich zu wissen, was passiert sei, müsse man Rummenigge und Wenger "gegenüberstellen".

  • Zur tatsächlich richtigen Version trug Uli Hoeneß mit diesem Satz nichts bei. Er könnte bedeuten, dass Hoeneß tatsächlich nicht involviert war. Er könnte aber auch bedeuten, dass Hoeneß nicht involviert sein wollte, und dass er und Rummenigge, was den Trainer betrifft, in der jüngeren Vergangenheit offenbar öfters anderer Auffassung waren. Den beiden Bayern-Bossen wurden oft Meinungsverschiedenheiten nachgesagt.

"Der hat ja überhaupt keine Ahnung"

Dass Zuschauer sonntags im "Doppelpass" anrufen, das gehört zur legendären Fußball-Fachsimpelei auf Sport1 dazu. Doch dass der Bayern-Präsident höchstpersönlich anruft, ist schon etwas Besonderes: "Ich habe folgendes auf dem Herzen", eröffnete Hoeneß das Gespräch: "Dass große Teile der Runde sich total despektierlich über Hasan Salihamidzic hier äußern. Speziell dieser Herr Fenske (Marco Fenske, RND; d. Red), der ja überhaupt keine Ahnung hat".

Bei Anruf Uli: Hoeneß rief am Sonntagmittag im "Doppelpass" an.
Bei Anruf Uli: Hoeneß rief am Sonntagmittag im "Doppelpass" an.screenshot: sport1
  • Ja, Uli Hoeneß, aber... Einerseits gibt es wohl in ganz Fußballdeutschland keinen Vereinspräsidenten, der an einem Sonntag kurz vor Mittag in einer Fußball-Talkshow anruft, um einen seiner Mitarbeiter im Stile einer Löwenmutter zu verteidigen. Chapeau! Andererseits spricht das auch nicht gerade für Salihamidzic und sein Standing beim FC Bayern, dass der Präsi sich in eine TV-Show durchstellen lässt, damit man sich weniger über Brazzo lustig macht.
  • Außerdem: Hoeneß wirft der Gesprächsrunde Despektierlichkeit vor, um dann im gleichen Atemzug Marco Fenske die Achtung zu verweigern. Kein feiner Zug.

"Ich werde die Abteilung Attacke wieder ausfahren"

"Der eine oder andere Journalist wird sich jetzt schon gefallen lassen müssen, dass ich die Abteilung Attacke wieder ausfahre, jetzt wo ich dann keine offizielle Funktion mehr habe", sagte Hoeneß am Sonntagabend nach dem Basketballspiel der Münchner, die ihn gegen Alba Berlin wie die Fußballkollegen am Vortag mit einem Sieg beschenkten (84:80).

Uli Hoeneß ist Basketballfan. Dass er hier die Klatschpappe für den FC Bayern schwingt, liegt auf der Hand.
Uli Hoeneß ist Basketballfan. Dass er hier die Klatschpappe für den FC Bayern schwingt, liegt auf der Hand.Bild: imago images/Nordphoto/straubmeier
  • Bei diesem Satz, der wie eine Drohung wirkt, muss man gar nicht so sehr zwischen die Zeilen schauen. Auch wenn er sich am Freitag aus dem Amt verabschiedet: Raus ist er noch lange nicht – Uli Hoeneß wird wahrscheinlich bis ans Ende seiner Tage Einfluss auf den FCB nehmen. Er kann einfach nicht anders. Immerhin ist der FC Bayern sein Lebenswerk.

Uli Hoeneß mag in der Vergangenheit mit manch Gesagtem und Getanem daneben gelegen haben, doch er wird für immer der FC Bayern in Person sowie eine große und sehr besondere Person der deutschen Fußballgeschichte bleiben. Wir freuen uns irgendwie jetzt schon ein bisschen auf die nächste Attacke aus der gleichnamigen Abteilung.

(as/mit Material von dpa)

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