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Zwei Matchwinner: Marcel Schmelzer herzt Torwart Roman Bürki. Bild: www.imago-images.de

"Legende!" – BVB-Fans feiern Marcel Schmelzer, obwohl er wieder nicht spielte

Samstagabend, 87. Spielminute. Westfalenstadion. Über 80.000 Fans halten den Atem an. Borussia Dortmund führt 2:1 gegen Mainz 05 und BVB-Keeper Roman Bürki rettet drei Bälle von Anthony Ujah aus nicht mal einem Meter. "Bürki hat uns zwei Punkte gerettet", fasste Thomas Delaney nach dem schmeichelhaften Sieg zusammen. Die Fans haben aber noch einen weiteren Matchwinner auserkoren: Marcel Schmelzer – obwohl der nicht eine Minute auf dem Platz stand.

Jener Schmelzer wärmte sich in der zweiten Hälfte neben dem Tor von Roman Bürki mit den anderen Ersatzspielern des BVB auf. Während seine Kollegen ein wenig umher trabten und sich dehnten, hatte sich Schmelzer zwei Katzensprünge neben seinem Keeper hinter der Torauslinie seine eigene Coaching Zone eingerichtet und erinnerte an ein Raubtier im Zoo. Er tigerte wild umher und beobachtete das Geschehen mitunter zähnefletschend.

Schmelzer wie ein wilder Trainer

Bei einem Freistoß für die Mainzer in der 53. Spielminute stand er Roman Bürki nicht nur mental zur Seite, sondern wedelte wenige Meter neben dem Pfosten mit beiden Armen – wohl um den Schützen der Mainzer aus der Ruhe zu bringen. Nicht fair, aber effektiv. Der Freistoß lief ins Leere. Die Dortmunder Fans feierten.

Als der BVB dann Richtung Schlusspfiff schwamm und Roman Bürki so ziemlich jeden Ball vom Dortmunder Tor fernhielt, war es wieder Schmelzer, der die Blicke auf sich zog: Der 31-Jährige wedelte bei Bürkis Dreifach-Glanztat direkt daneben mit dem Finger, um dem Schiedsrichter-Gespann klar zumachen: Der Ball war nicht im Tor. Nach Abpfiff stürmte er dann als Erster aufs Feld und herzte seinen Keeper.

Eine BVB-Anhängerin kommentierte die Situation auf Twitter: "Ich will nie wieder was Negatives über den Mann hören. Legende, der Typ." Über 1200 andere BVB-Fans hatten ein Herz für diese Worte übrig, Dutzende pflichteten ihr bei. "Ein echter Teamplayer", stand da ebenso wie: "Leistung hin oder her, ein echter Borusse." Ein anderer User erklärte: "Versteht ja keiner, dass man in so einer Situation genau solche Leute braucht." Und das trifft auf Schmelzer zu.

Schmelzer, der stille Teamplayer

Die BVB-Fans haben ein sehr gutes Gespür, was ihren Ex-Kapitän angeht. Sie wissen, wie wichtig er als Teamplayer und charakterstarkes Vorbild im Team sein kann. Dabei hat der dienstälteste Profi beim BVB ein schweren Stand bei den Fans. Der Abwehrmann gilt bei vielen als fehleranfällig und zu langsam, unter manchen BVB-Fans muss er als Running-Gag für schlechten Fußball hinhalten. Unter Lucien Favre ist Schmelzer oftmals nicht mal ein Ergänzungsspieler: Kam es zu Verletzungssorgen in der Dortmunder Hintermannschaft, warf der Schweizer lieber Offensivkräfte oder junge Spieler ins kalte Wasser, statt den Routinier auf der linken Abwehrseite spielen zu lassen. Lediglich elf Spiele machte Schmelzer wettbewerbsübergreifend diese Saison.

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Gewohntes Bild in dieser Saison: Marcel Schmelzer sitzt auf der BVB-Bank. Bild: www.imago-images.de

Doch es hat sich auch eine Pro-Schmelzer-Gruppe unter den BVB-Fans zusammengefunden. Sie heben unter anderem die Verdienste des Arbeitstiers hervor: Seit 2005 ist Schmelzer im Verein, seit 2008 hat er mit den Profis alle Höhen und Tiefen miterlebt. Er hat zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiege gefeiert und hat seinen BVB bis ins Champions-League-Finale verteidigt. Und die Schmelzer-Fraktion betont immer wieder, wie wichtig der Ur-Dortmunder mit über 350 Pflichtspielen im BVB-Trikot für das Team ist.

Schmelzer redet mit den jungen Spielern, er motiviert das Team und er stellt sich in den Dienst der Mannschaft: Er lamentiert nicht, kritisiert seine persönliche Situation nicht öffentlich und arbeitet stattdessen mit am Meistertraum seines Lieblingsvereins. Er hat dabei ein gutes Gespür, wann er wie da sein muss für sein Team. Er gab etwa vergangenes Jahr seine Kapitänsbinde freiwillig ab, damit es einen Neustart geben kann.

Wiederholungstäter Schmelle

Schon vor einem Monat beim Last-Minute-Sieg gegen Hertha BSC hatte sich Schmelzer die "Man of the Match"-Auszeichnung des BVB-Fanzines Schwatzgelb.de abgeholt – obwohl er auch damals nicht auf dem Platz stand. Als Berlins Ibisevic einen Ball auf Roman Bürki warf, sprintete Schmelzer von der Ersatzbank auf den Platz, um seinen Keeper wie eine Löwenmutter zu beschützen. Die Fans feierten ihn.

Und auch gegen Mainz zeigte Schmelzer den Charakter, den ein so junges Team wie der BVB braucht. Nach der krachenden 0:5-Schlappe bei Titelverteidiger Bayern München war die Moral der so jungen Dortmunder Truppe am Ende. Der Rekordmeister hatte den BVB gedemütigt und jedem Spieler mit einer schallenden Ohrfeige offenbart, dass die Schwarz-Gelben noch lange nicht das beste Team der Liga sind. Gefühlt war die angestrebte Meisterschaft in weite Ferne gerückt. Dabei fasste BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Situation kurz nach der Niederlage gut zusammen: "Spätestens am Dienstag werden die Bayern merken, dass sie auch nur drei Punkte für den Sieg bekommen haben und wir werden realisieren, dass wir nur einen Punkt hinter ihnen liegen." In den verbleibenden Spielen zählt somit jeder Punkt und beiden Teams müssen diesem Druck im Fernduell standhalten.

Der BVB hat gegen Mainz vorgelegt – und drei wichtige Punkte im Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem FC Bayern geholt. Der Meistertraum lebt weiter. Vor allem, weil es auf dem Platz so tolle Auftritte wie von Roman Bürki gibt – und neben dem Platz solche Teamplayer wie Marcel Schmelzer.

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