Fußball
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Da dürfte sogar Kult-Manager und "Fußball-Manager 2004"-Cover-Gesicht Reiner Calmund staunen. Bild: imago images / Eibner

Gamer von "Football-Manager" ist so gut, dass ein echter Klub ihm einen Job gibt

Davon träumt doch jeder Schreibtisch-Sportdirektor: Einfach mal den heimischen Zweitligisten bis in die Champions League führen und mit Klubs wie Arminia Bielefeld oder dem VfL Bochum die Königsklasse gewinnen. Was in der echten Fußball-Welt unrealistisch klingt, war und ist das Ziel von allen Fußballfans, die gerne Fußballmanager-Simulationen zocken. Während die meisten Kinderzimmer-Calmunds aber irgendwann den PC ausschalten mussten, hat es ein Typ aus Serbien jetzt wegen seiner guten Fußballmanager-Leistungen in die echte Welt des Fußballs geschafft.

Der 22-jährige Andrej Pavlović aus der serbischen Hauptstadt Belgrad ist im Game "Football Manager" eben jenen Weg gegangen: Er erreichte innerhalb von 16 Jahren mit einem Zweitligisten das Halbfinale der Champions League und schlug dabei unter anderem Manchester City, Tottenham und den FC Bayern München. "Ich will nicht prahlen, aber ich bin eine Legende in meinem 'Football Manager'-Universum", sagte Pavlović dem Portal "Sportbible" im Interview. Dann nahm das kleine Märchen seinen Lauf.

Verein bietet ihm einen Job an

Doch jede Heldenreise braucht bekanntlich einen Konflikt: Dem Verein, mit dem er im Game spielte, geht es in der realen Welt nicht ganz so gut. Bis zum Sommer spielte der FK Bežanija noch in der zweiten serbischen Liga, wegen finanzieller Probleme musste der Klub zwangsabsteigen und tritt nun in der Gruppe B der städtischen Liga Belgrad an. Nun will der Klub, der vor über zehn Jahren sogar noch um die Qualikfikation des Uefa-Cups spielte, wieder so schnell wie möglich in den bezahlten Fußball. Da soll Pavlović helfen.

Weil der Klub derzeit so strauchelt, fasste sich Pavlović ein Herz und sah sich durch seine virtuellen Erfolgen dazu bestärkt, sich einfach mal zu bewerben: "Ich habe mich mit meinen Erfolgen beim 'Football-Manager' an sie gewandt und vorgeschlagen, ihnen zu helfen", erklärt er "Sportbible" und war dann ziemlich verwundert: "Ich hatte nicht erwartet, dass sie mich anrufen würden."

Nach einer Einladung zu einem Spiel und einem ersten Austausch sei dann noch ein Anruf gekommen: "Ich war schockiert, aber als wir uns unterhielten, fragten sie mich, ob ich nicht freiwillig für sie arbeiten könnte, da sie finanziell in einer schwierigen Lage sind", so Pavlović. Gesagt, getan. Am Samstag begann der 22-Jährige, der eigentlich einen Medizin-Bachelor hat, bei seinem ersten Spiel als Datenanalyst für den Klub. Das Spiel gewann der Verein gegen FK Dedinje mit 2:1 und sie Klubbosse waren so von seiner Analyse beeindruckt, dass er sogar am nächsten Tag für die vom Verein geförderte U21 ebenfalls eine Analyse erstellen sollte.

Pavlović lud anschließend einige seiner Analysen auf Reddit hoch – und erntete von der weltweiten Fußball-Community Lob. Er erklärt dazu nur: "Ich habe den Bericht kurz gehalten und einige interessante Angriffs- und Verteidigungsstatistiken erstellt."

Noch ist nicht klar, wie es weitergeht

Wie es nun weitergeht, weiß der junge Nachwuchs-Analyst noch nicht. Nach seinem erfolgreichen Studium sieht sich der Serbe in ein paar Jahren als Mediziner – doch eine Karriere im Profi-Fußball schließt er nicht aus.

"Wenn sich die Chance ergibt, würde ich eine Karriere im Fußball als Scout oder Datenanalytiker lieben", erklärt er. "Es ist etwas, von dem ich lange geträumt habe und das ich ziemlich gut mache", sagt er. Für die Zukunft würde er sich wünschen, dass sein Klub bald wieder auf den grünen Zweig kommt und seine Arbeit bezahlt wird: "Momentan werde ich nicht vom FK Bežanija bezahlt, aber ich mache das, weil ich den Verein und den Job liebe", sagt er. "Ich hoffe, dass ich in Zukunft von einem Verein für etwas bezahlt werde, das ich liebe." Und vielleicht managt er seinen Klub ja wieder in die erste Liga.

(bn)

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