Die Kölner Rechtsanwältin Irina Schlauch ist die erste Frau, die in der neuen lesbischen TVNOW-Dating-Show

Als Princess Charming geht Irina Schlauch bei TVNow auf Liebessuche. Bild: TVNOW / René Lohse

Premiere der ersten lesbischen Datingshow Deutschlands: Princess Charming über die Dominanz von Männern im TV und warum der erste Kuss "relativ schnell" fiel

Es ist eine Premiere im deutschen TV: Bei "Princess Charming" sucht die Rechtsanwältin Irina Schlauch in den kommenden Wochen als erste homosexuelle Frau ihr Liebesglück. Sie ist damit quasi die erste Bachelorette, die im Fernsehen nach der passenden Dame an ihrer Seite Ausschau hält. 20 Frauen buhlen in der TVNow-Show um ihre Aufmerksamkeit. Die 30-Jährige tritt somit auch indirekt in die Fußstapfen von Nicolas Puschmann oder Alexander Schäfer, die es ihr als Prince Charming vormachten.

Mit watson sprach Irina über die Dreharbeiten auf Kreta, ihre Entscheidung für die Sendung und warum es richtig ist, dass nun endlich die Frauen an der Reihe sind.

watson: "Princess Charming" sollte erst ein bisexuelles-Dating-Format werden, hast du die Änderung hin zu einer rein lesbischen Show begrüßt?

Irina Schlauch: Ja, definitiv. Ich hätte mich auch bewusst nicht für die bisexuelle Variante beworben.

Wieso?

Weil ich es einfach angebrachter fand, dass es nun erst einmal ein Format nur für Frauen gibt, nachdem bereits die Männer dran waren. Insofern habe ich mich sehr über die Umstellung gefreut und mich dann auch beworben.

Und wie war der Auswahlprozess für dich?

Der Auswahlprozess war sehr locker und hat Spaß gemacht. Ich hatte auch noch keine Erfahrung mit dem Fernsehen oder mit Casting-Formaten. Das war alles neu und aufregend für mich.

"Andererseits wollte ich auch Sichtbarkeit schaffen und anderen Frauen Mut machen, die noch in einer sexuellen Orientierungsphase sind."

Hat dich die Teilnahme Überwindung gekostet?

Die Bewerbung ging recht schnell, aber ein paar Zweifel kommen auf dem Weg natürlich schon auf. Denn diese Art der Erfahrung, das Daten im Fernsehen, hatte ich ja noch nicht. Es ist ja auch mit sehr intimen Momenten verbunden. Da habe ich mir schon die Frage gestellt: Möchte ich das mit allen teilen? Aber andererseits wollte ich auch Sichtbarkeit schaffen und anderen Frauen Mut machen, die noch in einer sexuellen Orientierungsphase sind. Deswegen dachte ich mir: Mutig sein und mitmachen.

Du hast es auch noch nicht bereut?

Nein! Aber ich habe auch noch nichts davon gesehen. Vielleicht sehe ich das am Ende anders (lacht). Ich glaube aber nicht, ich denke, es wird eine tolle und lustige Show.

Gehst du schon lange so offen mit deiner Sexualität um? Wann hattest du dein Coming-out?

Als richtiges Coming-out würde ich es gar nicht bezeichnen. Ich hatte eine lange Beziehung mit einem Mann und ich wusste schon lange, dass mich Frauen irgendwie interessieren, aber es war zu der Zeit kein Thema. Danach habe ich dann meine erste Freundin kennengelernt und es auch einfach so kommuniziert und gesagt, dass ich nun keinen neuen Freund, sondern eine Freundin habe. Das war somit mein Outing.

"Klar hatte ich ein mulmiges Gefühl vorher, aber es war nicht mit einer Angst verbunden, dass meine Eltern, Freunde oder Freundinnen negativ reagieren könnten."

Wie waren die Reaktionen?

Ich wusste, dass meine Familie sehr tolerant ist. Klar hatte ich ein mulmiges Gefühl vorher, aber es war nicht mit einer Angst verbunden, dass meine Eltern, Freunde oder Freundinnen negativ reagieren könnten. Insofern bin ich damit immer offen umgegangen. Bislang hatte ich auch keine negativen Erfahrungen in Bezug auf meine Sexualität machen müssen. Schon als ich noch klein war, wurde mir immer signalisiert, dass es kein Problem ist, ob ich auf Mann oder Frau stehe. Ich wünschte, das wäre in jeder Familie so, aber leider ist das nicht immer der Fall.

Du sagtest ja gerade schon, dass du dich für deine Teilnahme entschieden hast, auch um anderen Mut zu machen. Was rätst du jungen Frauen oder Männern, die mit ihrer Sexualität hadern oder sich vor ihrem Coming-out fürchten?

Ich weiß selbst, dass mir in meiner Findungsphase guttat, Medien zu konsumieren, wie zum Beispiel Youtube-Videos, von Frauen, die das ganz offen thematisiert haben. Leider sind lesbische Frauen im deutschen TV nicht so sichtbar, was nun wieder für die Show spricht. Mir tat das immer unheimlich gut, zu sehen, wie lesbische Frauen leben und was sie anderen raten. In Deutschland fehlen da leider noch häufig Vorbilder, aber da werden wir mit der Sendung nun hoffentlich mit gutem Beispiel vorangehen.

HANDOUT - 02.04.2021, Nordrhein-Westfalen, K

Irina Schlauch ist Rechtsanwältin. Bild: dpa / Rene Lohse

Gerade im Rap oder auch im Fußball ist Homosexualität immer noch oft ein Tabuthema. Ist das noch zeitgemäß oder sollte dort jemand mal den ersten Schritt wagen?

Das wäre natürlich wünschenswert, wobei wir auch sehen müssen, dass im Frauenfußball Homosexualität gar kein Thema ist. Leider gibt es noch solche Bereiche – und da gehört zum Beispiel der Männerfußball dazu. Das ist schade, aber ich sehe, dass es nur wenige Bereiche sind. Irgendwann wird es sich auch da enttabuisieren. Das wird aber erst geschehen, wenn es mal ein, zwei Männer gibt, die sich trauen. Aber wenn ich dann Aussagen wie die von Philipp Lahm, der Männer entmutigt sich zu outen, höre, scheint der Männerfußball da noch nicht an dem Punkt zu sein.

"Ich gehe da als Irina rein. Ich hoffe, dass die meisten Menschen das von meinem Beruf trennen können."

Du bist Rechtsanwältin – hast du wegen deines Berufs mal mit deiner Teilnahme gehadert? Oder hattest du Sorge vor den Reaktionen?

Ja schon, das habe ich. Wobei ich sagen muss, dass ich einen sehr offenen und toleranten Arbeitgeber habe. Dort wird das selbst nach Außen hin gelebt und es gibt auch ein Programm für LGBTQ-Themen. Aber gerade der Beruf der Rechtsanwältin und des Rechtsanwalts ist nun mal ein sehr seriöser Beruf. Ich werde nun sehen, wie da die Resonanz ist. Aber von meinem Arbeitgeber selbst habe ich das Go und die stehen hinter mir. Ich gehe in die Datingshow ja auch nicht als Rechtsanwältin. Klar, das ist mein Beruf, aber den lasse ich zu Hause. Ich gehe da als Irina rein. Ich hoffe, dass die meisten Menschen das von meinem Beruf trennen können.

"Prince Charming" bekommt bereits die dritte Staffel, du bist hingegen die erste Princess. War der Start des Formats längst überfällig?

Das würde ich gar nicht so pauschal sagen. Ich freue mich sehr, dass es das nun gibt. Irgendein Format musste den Anfang machen und da kann ich auch den Sender verstehen, dass es erst einmal ausprobiert wird, wie es läuft. Ich finde, dass es jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist. Und ich freue mich wahnsinnig, dass wir Frauen uns jetzt zeigen können.

"Prince Charming", "Queen of Drags", die "Boys, Boy Boys"-Variante von "Take me out" ­– bewertest du die Entwicklungen im TV hin zu mehr Diversität als positiv?

Definitiv! Die Männer sind zwar immer noch präsenter, aber das holen wir jetzt auch noch auf. Ich finde es super, denn je mehr es im TV gezeigt wird, desto mehr bekommt es eine Selbstverständlichkeit. Und es erreicht auch die Leute, die es sonst nicht so sehen, die damit sonst keine Berührungspunkte haben. Was man aber auch sagen muss, das bezieht sich in erster Linie auf das deutsche Fernsehen. Netflix beispielsweise ist da schon deutlich weiter. In neuen Serien versuchen sie viel Diversität zu schaffen.

Konntest du als Princess Charming angeben, auf welchen Typ Frau du stehst? Beziehungsweise wurde darauf geachtet?

Die Frage, auf welchen Typ Frau ich stehe, kam bestimmt auf, ja. Ob da nun bewusst daraufhin Frauen ausgewählt wurden weiß ich nicht. Aber es waren sehr tolle und attraktive Frauen dabei, die auch meinem Typ entsprechen. Aber es war wirklich bunt, keine ist gleich.

"Der Moment, vor 20 Frauen zu treten, die du noch nicht kennst und dann auch noch in der Rolle der 'Princess Charming' – also da hatte ich schon sehr, sehr viel Respekt vor."

Wie waren die Dreharbeiten für dich?

Eine komplett neue und aufregende Erfahrung. Ich stand zum ersten Mal vor der Kamera. Und dann auch noch zu daten vor der Kamera war komplett neu. Es war natürlich auch eine meiner Sorgen, dass ich mich aufgrund der Kameras nicht auf das Experiment einlassen kann. Aber die habe ich relativ schnell vergessen. Die Erfahrung, auf Kreta in der Sonne auf super schönen Dates zu sein, macht man wohl auch nur einmal im Leben.

Vor welchem Moment hattest du dich im Vorfeld am meisten gefürchtet?

Fürchten würde ich nicht sagen, aber der Moment, vor 20 Frauen zu treten, die du noch nicht kennst und dann auch noch in der Rolle der "Princess Charming" – also da hatte ich schon sehr, sehr viel Respekt vor. Aber sie haben es mir leicht gemacht, sodass die Anfangsnervosität sehr schnell verflogen war. Nichtsdestotrotz ist es natürlich sehr aufregend und auch ein überfordernder Moment.

Die Single Ladies sind in die Villa eingezogen und warten darauf endlich die Princess kennen zu lernen. 

Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet.

20 Frauen zogen in eine Villa auf Kreta ein, um Irina kennenzulernen. Bild: TVNow

Durch die Sendung stehst du nun in der Öffentlichkeit. Wie ist das für dich? Glaubst du, du wirst es mögen oder dich eher schnell wieder zurückziehen?

Das werden wir sehen. Ich sehe das differenziert. Einerseits merke ich gerade, wie sehr sich alle auf die Show freuen und das ist richtig schön. Ich bekomme schon jetzt viele positive Nachrichten. Aber es ist natürlich gerade auch nicht abzuschätzen, wie groß das Ganze wird und wie viele Menschen das am Ende sehen werden und wie groß die Aufmerksamkeit bezüglich meiner Person wird. Respekt habe ich davor schon. Aber ich hoffe, dass ich es genießen kann und es mich nicht verschreckt.

Kannst du verraten, wie schnell der erste Kuss fiel in der Sendung?

Ich sag mal so: relativ schnell. Ich küsse dann, wenn der Moment einfach passt und der hat gepasst.

Die Single Ladies sind in die Villa eingezogen und warten darauf endlich die Princess kennen zu lernen. 

Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet.

Irina gesteht, dass es bereits früh zu einem Kuss in der Show kommen wird. Bild: TVNow

"Beispielsweise Sex ist für mich eine private Sache, das gehört für mich nicht ins Fernsehen."

War für dich von Anfang an klar, dass du da recht ungehemmt an die Sache rangehen wirst, was beispielsweise Küsse vor der Kamera angeht?

Wenn der Moment passt und ich das Gefühl habe, dass die andere Person es auch möchte, dann ist es ja eine schöne Sache, den ersten Kuss passieren zu lassen. Es muss aber wirklich nicht immer beim ersten Date sein. Es kann genauso schön sein, etwas länger zu warten, wenn der Moment einfach noch nicht da ist.

Hast du dir vorab Grenzen gesetzt, wie weit du vor der Kamera gehen möchtest?

Ja, schon. Beispielsweise Sex ist für mich eine private Sache, das gehört für mich nicht ins Fernsehen. Ansonsten habe ich schon versucht, da ganz offen zu sein und versucht, nur wegen der Kameras nichts auszuschließen.

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