CRICKHOWELL, WALES - JULY 05: Prince Charles, Prince of Wales visits Tretower Court on July 5, 2018 in Crickhowell, Wales. (Photo by Chris Jackson/Getty Images)
Charles ist der älteste Sohn von Elizabeth II. und Prinz Philip, der am 9. April 2021 gestorben ist.Bild: Chris Jackson/Getty Images
Analyse

Was sich nach dem Tod der Queen ändert: Sieben Baustellen der britischen Monarchie

11.09.2022, 16:00

Als Elizabeth II. den britischen Thron bestieg, war es das Jahr 1952 – und eine komplett andere Zeit. Damals regierte Josef Stalin in der ehemaligen Sowjetunion und Winston Churchill war britischer Premier. Einer von insgesamt 14 Premierminister:innen, die sie als Königin von England erlebte.

Am Donnerstag ist die gefühlt ewige Regentin nach 70 Jahren im Amt gestorben. Die Trauer über ihren Tod ist auf der ganzen Welt riesig. Klar ist: Mit dem Tod der dienstältesten britischen Monarchin endet eine Epoche. Klar ist auch: Vieles wird sich jetzt ändern. Und vieles muss sich auch ändern. Und damit wird sich jetzt ihr ältester Sohn Charles, der mit ihrem Tod automatisch neuer König geworden ist, beschäftigen.

Das sind die größten Baustellen, vor denen die britische Monarchie steht:

1. Das Königshaus muss günstiger werden

Ein größerer Anachronismus als die Monarchie ist heute kaum vorstellbar: Vieles daran wirkt aus der Zeit gefallen. Dementsprechend hofft in Großbritannien manch einer, dass Charles III. das britische Königshaus mit all seinen Traditionen modernisieren und auch verschlanken wird. So könnte die Anzahl der sogenannten "Strap-Hangers" – also die Mitglieder der Königsfamilie, die mitfinanziert werden, allerdings keine repräsentativen Aufgaben für die Krone übernehmen – nun radikal reduziert werden.

Royal-Biografin Angela Levin erklärte schon im vergangenen Jahr gegenüber "Talk Radio": "Prinz Charles wollte schon seit langer Zeit die Monarchie verändern, um Kosten zu sparen und nur Menschen auswählen, die das Geld der Steuerzahler auch wirklich wert sind." So will er erreichen, dass das Königshaus auch für künftige Generationen noch relevant bleibt.

2. Was wird aus Harry und Meghan?

Viele hoffen darauf, dass sich die Beziehung unter Charles als König wieder entspannen könnte. Die "Daily Mail" berichtete zum Beispiel schon Anfang des Jahres, dass Charles seinen jüngeren Sohn Harry und dessen Familie eingeladen habe, um ihn in Großbritannien zu besuchen. Wohl auch in der Hoffnung, seine Enkelin Lilibet zum ersten Mal zu treffen, die bereits im Juni 2021 geboren wurde.

Es könnte allerdings sein, dass auch ausgerechnet Harry und Meghan die Verschlankung des Königshauses trifft. Auch wenn sie nach ihrem Umzug in die USA offiziell kein Geld mehr von der Krone erhalten, existieren mehrere Berichte, dass sie noch immer Geld überwiesen bekommen. Und zwar von Charles. Wird das auch so bleiben, wenn Charles nun König ist?

Ihre royalen Titel dürfen sie so oder so behalten. Das war ein Hochzeitsgeschenk von Queen Elizabeth II. an das Paar.

Charles und Camilla ganz in Schwarz vor dem Buckingham-Palast in London.
Charles und Camilla ganz in Schwarz vor dem Buckingham-Palast in London. Bild: AP / Kirsty Wigglesworth

3. Die Monarchie soll nahbarer werden

Charles könnte als König nie so distanziert sein, wie die Queen es war. Das prognostiziert in der "Daily Mail" jetzt Catherine Mayer, die 2015 eine nicht autorisierte Biografie über Charles geschrieben hat. Charles werde als neuer König leidenschaftlich sein – und gleichzeitig nahbarer. Er schlafe, wenn ihm ein Thema wirklich wichtig ist, auch mal am Schreibtisch ein, um mit vollgeschriebenen Post-its im Gesicht wieder aufzuwachen, berichtet sie.

4. Die Paläste könnten aufgegeben werden

Zur Modernisierung gehört für Charles offenbar auch, dass er in eine vergleichsweise kleine Wohnung im Buckingham Palace ziehen will. Gleichzeitig will er wohl einige der Landsitze für königliche Zwecke aufgeben und sie der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich machen – wie etwa den Sommersitz Balmoral, eventuell auch Schloss Sandringham und Schloss Windsor. In Balmoral ist die Queen am Donnerstag verstorben.

5. Droht der Monarchie ein Bedeutungsverlust?

Es ist ein Spagat, der nicht leicht wird. Einerseits muss die Monarchie moderner werden, andererseits darf sie nicht an Popularität verlieren oder geschwächt werden. Charles muss sicherstellen, dass die Monarchie auch weiterhin erhalten bleibt – bis hin zu dem Moment, wenn er die Krone an seinen älteren Sohn William übergibt.

09.09.2022, Großbritannien, London: Briefmarken von Königin Elizabeth II. kleben an einem Zaun am Buckingham-Palast - im Hintergund sind zahlreiche Blumensträuße zu sehen. Die britische Königin Elizab ...
Seit der Nachricht über den Tod der Queen haben hunderte Briten Blumen und Briefe vor dem Buckingham Palace niedergelegt.Bild: dpa / Larissa Schwedes

6. Nachhaltigkeit muss nach oben auf der royalen Agenda

Nachhaltigkeit ist für Charles III. auch vor seiner Ernennung zum König schon ein wichtiges Thema gewesen. Er baut seit Jahren selbst Gemüse an, unterstützt den Ausbau der Bio-Produktion in Großbritannien und hat aus Gründen der Nachhaltigkeit sogar Regenwasserspülungen in die Paläste einbauen lassen. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an ihn, das Thema auch jetzt als König weiter voranzutreiben.

7. Was wird aus dem Commonwealth?

Künftig wird auch die Frage nach der Zukunft des Commonwealth eine wichtige sein. Das Commonwealth ist ein Verbund aus Ländern des früheren britischen Empires. Oberhaupt ist grundsätzlich die britische Königin beziehungsweise der britischen König.

Barbados hat sich erst im November 2021 von der Krone losgesagt, in Australien wird dieser Schritt schon länger diskutiert und in den ehemaligen Karibik-Kolonien Belize, Jamaika und St. Vincent wird der Protest gegen das britische Staatsoberhaupt immer größer. Hat der Staatenbund des einstigen Empires überhaupt noch eine Zukunft?

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