Djokovic musste Australien am Sonntag verlassen. Schaden wird das Chaos um seine Einreise dem Turnier aber wohl nicht.
Djokovic musste Australien am Sonntag verlassen. Schaden wird das Chaos um seine Einreise dem Turnier aber wohl nicht. Bild: www.imago-images.de / JAMES ROSS
Analyse

Nach Djokovic-Prozess um Einreise – Markenexperte nimmt Sponsoren und Australian Open in die Pflicht: "Ist das wirklich die Botschaft?"

18.01.2022, 11:22

Insgesamt elf Tage sprach die Tennis- und eigentlich auch die ganze Sportwelt fast ausschließlich über einen 34-Jährigen Serben, der nach Australien einreisen wollte, aber nicht geimpft war. Diskussionen um erteilte Ausnahmeregelungen, Corona-Erkrankungen im Dezember und möglicherweise gefälschte Daten im Bezug auf die Erkrankung inklusive.

Seit Sonntag ist klar, dass Novak Djokovic in diesem Jahr nicht an den Australian Open teilnehmen darf. Sein Einspruch gegen die verweigerte Einreise und die Annulierung des Visums wurde abgelehnt. Mittlerweile ist der Serbe auf dem Rückweg in seine Heimat.

Lacoste sucht Gespräch mit Djokovic

Jetzt, wo das lange Hin-und-Her vorbei ist, scheint es angemessen, auf die Folgen dieser verrückten Tage zu schauen. Wie stehen die Australian Open, die ja zunächst eine Ausnahmegenehmigung für Djokovic gegeben haben, nun da? Wie verhalten sich die Sponsoren von Djokovic? Planen Sie Konsequenzen in der Zusammenarbeit mit ihm?

Watson hatte bereits bei den Sponsoren von Novak Djokovic in der vergangenen Woche angefragt. Damals sagte die Raiffeisen Bank International auf Anfrage: "Wir beobachten die aktuelle Situation als Sponsor von Novak Djokovic kritisch." Auf eine erneute Anfrage, ob sich etwas an dieser Einstellung nach dem offiziellen Urteilsspruch geändert habe, wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

"So bald wie möglich werden wir mit Novak Djokovic in Kontakt sein"
Statement der Modemarke und Sponsor von Djokovic, Lacoste

Ein Sponsor, der sich allerdings äußerte, war der Kleidungshersteller Lacoste. Im Statement gegenüber watson heißt es: "So bald wie möglich werden wir mit Novak Djokovic in Kontakt treten, um die Ereignisse, die seine Gegenwart in Australien hervorgerufen haben, zu besprechen." Weitere Sponsoren äußerten sich nicht auf eine watson-Anfrage.

Marken- und Kommunikationsexperte Christopher Spall sieht den Skandal um die Einreise als guten Moment für jeden Sponsor, um zu prüfen, ob die Werte des eigenen Unternehmens, mit denen des Serbens übereinstimmen würden. "Denn die Haltung des streitbaren Tennisspielers lässt sich in einem Satz zusammenfassen: 'Gewinnen um jeden Preis'. Die Sponsoren müssen sich die Frage stellen: Ist das wirklich die Botschaft, die wir senden wollen?", erklärt Spall im Gespräch mit watson.

Gleichzeitig sagte Spall aber auch, dass den Unternehmen klar sein müsse, dass es einen polarisierenden und emotionalen Werbepartner habe. "Es weiß aber auch, dass es gleichzeitig eine große mediale Aufmerksamkeit erhält."

In dem Zwiespalt zwischen Aufmerksamkeit und polarisierenden Meinungen stecken also nun vermutlich Marken wie Asics, Hublot, Head oder Unicef.

Ein Szenario, dass laut Spall definitiv zu ruhenden Partnerschaften geführt hätte, trat allerdings in Australien nicht ein. Wenn 10.000 Menschen in Melbourne auf die Straße gegangen wären und gegen eine Sonderbehandlung von Djokovic demonstriert hätten, dann wäre "den Sponsoren nichts anderes übrig" geblieben, "als die Partnerschaft ruhen zu lassen." So sehr sind die Reaktionen der Australier allerdings nicht ausgeufert.

Neben den Sponsoren stehen aber auch die Veranstalter der Australian Open selbst im Fokus. Noch kurz nach der Einreise von Djokovic am 5. Januar erklärten sie, dass sie Djokovic eine Ausnahmegenehmigung gestattet hatten und er deshalb an den Australian Open teilnehmen könnte.

Image von Australian Open nicht gefährdet

Über diese Erlaubnis des Turnierveranstalters wurde ebenfalls lange diskutiert. Sie scheint aber wohl keine staatliche Genehmigung zur Einreise gewesen zu sein. Dazu erklärt Spall: "Natürlich stehen auch die Ausrichter der Australian Open in der Kritik, weil sie Djokovic ein Sonderrecht gewährt haben. Ich glaube, dass die Verantwortlichen heute diese Genehmigung nicht mehr erteilen würden."

In der Rod-Laver-Arena in Melbourne wird das Finale der Australian Open stattfinden.
In der Rod-Laver-Arena in Melbourne wird das Finale der Australian Open stattfinden.Bild: www.imago-images.de / JAMES ROSS

Gleichzeitig sehe er keine langfristigen Imageschäden für das Grand-Slam-Turnier. "Starke Marken sind kein sanftes Pflänzchen, sondern eher eine deutsche Eiche. Die über 100 Jahre alte Geschichte hilft dem Turnier." Zudem käme den Veranstaltern nun entgegen, dass das Turnier jetzt läuft. Dadurch würden wieder "sportliche, positive Geschichten geschrieben. Diese 'Helden-Geschichten' werden die Marke wieder stärken."

Diese Helden-Geschichten werden nun bis Ende Januar geschrieben. Und an dessen Ende könnte womöglich der deutsche Tennis-Star Alexander Zverev an der Spitze der Weltrangliste stehen.

Danach steht ab 22. Mai bis 5. Juni mit den French Open das nächste Highlight des Tenniskalenders an und auch da könnte es erneut Theater um den Impfstatus von Djokovic geben.

Das neue "Impfpass-Gesetz", das das französische Parlament erst Sonntag verabschiedete, sieht nämlich einen verpflichtenden Impfnachweis an Sportstätten vor. "Das gilt für alle, ob sie nun Zuschauer oder Profisportler sind. Und das bis auf Weiteres", teilte das französische Sportministerium am Montag mit und könnte somit zu neuen Problemen für Djokovic und seine Sponsoren führen.

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