Fußball
Die BVB-Stars jubeln

Marco Reus (r.) trägt die Kapitänsbinde, aber seine aktuelle Performance ist im talentierten Dortmunder Ensemble aktuell nicht unumstritten. Bild: www.imago-images.de / Blatterspiel

BVB-Talente spielen sich ins Rampenlicht – zum Nachteil von Marco Reus?

constantin eckner

Borussia Dortmund hat sich in den vergangenen Jahren wieder einen Namen in Europa gemacht. Die Kultur des Vereins mit seinem einzigartigen Westfalenstadion ist weithin bekannt. Große Namen wie Jürgen Klopp und Robert Lewandowski führten die Borussen zudem einst zurück auf die Landkarte des Spitzenfußballs. Aber seit geraumer Zeit ist es vor allem die Arbeit mit Top-Talenten, die allerorten für Bewunderung sorgt. Der BVB sei "eine Fußball-Fabrik, in der Superstars erschaffen werden", wie es der US-Sender CNN einmal umschrieb.

In jedem Fall hat sich der Klub zur Top-Adresse für jene Talente entwickelt, bei denen bereits absehbar ist, dass sie in naher Zukunft bei Real Madrid oder Manchester City spielen könnten, die aber zuvor noch eine umfangreiche Ausbildung genießen wollen. Alles begann vor einigen Jahren, als Dortmund im Sommer 2016 mehrere Rohdiamanten aus dem Ausland verpflichtete, darunter auch Ousmane Dembélé, der nach einem Jahr für 130 Millionen Euro zum FC Barcelona wechselte. Viele junge Spieler sahen Dembélé, wie er im Trikot der Schwarzgelben einen kometenhaften Aufstieg hinlegte und hatten den BVB als mögliche Destination auf dem Zettel.

Halland und Sancho feiern einen BVB-Treffer.

Erling Haaland (l.) und Jadon Sancho sind mit ihren 20 Jahren bereits etablierte Stammkräfte bei Borussia Dortmund. Bild: firo Sportphoto / imago images

Heute ist Dortmund gespickt mit Talenten wie Dembélé. In der ersten Elf befinden sich mit Jude Bellingham (17), Giovanni Reyna (17), Jadon Sancho (20) und Erling Haaland (20) allein vier, während im Hintergrund bereits die nächsten herangezüchtet werden, zum Beispiel der 15-jährige Youssoufa Moukoko.

Dass der BVB dabei immer wieder diese Hochbegabten verliert, wie zuletzt im Sommer Achraf Hakimi, ist im Geschäftsmodell der Dortmunder eingeplant. Doch bevor es zum Unvermeidlichen kommt, kann der Klub so lange wie möglich sportlich von ihnen profitieren, bevor es am Ende um den wirtschaftlichen Profit geht, den ein Transfer zumeist einbringt.

BVB-Talent Giovanni Reyna: Auf Augenhöhe mit Marco Reus

Die Dichte an Talenten ist in der aktuellen Mannschaft aber selbst für Dortmunder Verhältnisse ungewöhnlich hoch. Sancho und Haaland sind ohnehin etablierte Namen, und das trotz ihres jungen Alters. In den vergangenen Wochen hat sich auch Giovanni Reyna verstärkt ins Rampenlicht gespielt. Der US-Amerikaner, Sohn des ehemaligen Wolfsburger Kapitäns Claudio Reyna, übernahm zuletzt regelmäßig die Zehnerposition, die eigentlich für Kapitän Marco Reus vorgesehen ist.

Reyna zog mit gerade einmal 17 Jahren bereits die Fäden im offensiven Mittelfeld des BVB. Neben seiner nahezu makellosen Technik kam vor allem seine Athletik zum Vorschein. Amerikaner ziehen bei Reyna oft den Vergleich zu Linebackern aus der NFL, die Schnelligkeit und Robustheit miteinander vereinen können. Reyna befindet sich in seinem Alter natürlich noch in der Entwicklungsphase, aber seine Statur deutet bereits daraufhin, dass der Vergleich nicht weit hergeholt ist.

Mit seiner ausdauernden Art bewegt sich Reyna unablässig durchs Mittelfeld, um sich von Gegenspielern zu lösen und für Zuspiele anzubieten. Er ist nicht selten die erste Anspielstation für die hinteren Spielgestalter Mats Hummels und Emre Can. Hat er den Ball erst einmal erhalten, nutzt er seine Agilität und dreht sich ins offene Feld, von wo aus er die Angreifer Haaland und Sancho vielfach in Szene setzt. Obwohl Reyna natürlich noch nicht über die große Profierfahrung verfügt, kann er aufgrund seines Talents diese offensive Spielmacherrolle bereits ausfüllen.

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quelle: statsbomb

Seine statistischen Werte, dargestellt im Radar von "Statsbomb", verdeutlichen ebenso, dass es sich bei Reyna um ein großes Gesamtpaket handelt. Er hat keinerlei offensichtliche Schwächen für einen offensiven Mittelfeldspieler. Seitdem sich Trainer Lucien Favre allerdings kürzlich dazu entschied, vom 3-4-3 auf ein 4-2-3-1 umzustellen, muss sich Reyna auf dem Flügel beweisen. Die zentrale Position in der Mitte könnte Marco Reus für sich beanspruchen. Allerdings ist der Dortmunder Kapitän gerade bei eigenem Ballbesitz weit weg von der Form vergangener Tage.

Aus diesem Grund stellt sich sogar die diffizile Frage, ob nicht Reyna bereits jetzt den Vorzug vor Reus erhalten sollte. Der 62-jährige Favre mag die Arbeit mit den jungen Wilden, weil er sie als Lehrmeister noch ein wenig nach seinen Vorstellungen formen kann. Andererseits ist Reus eine wichtige Führungsfigur in der Mannschaft, die nicht ohne weiteres in eine Reservistenrolle versetzt werden kann. Favre steht somit vor einer schwierigen Entscheidung in den kommenden Wochen. Lässt er Reyna bereits gegen Bayern München am kommenden Wochenende auflaufen und verzichtet vielleicht sogar auf Reus, wäre das ein deutliches Zeichen.

BVB: Der Eliteschüler von Lucien Favre heißt Jude Bellingham

Beim zweiten 17-Jährigen im Team lässt es der Schweizer Trainer etwas ruhiger angehen. Die Rede ist von Jude Bellingham, dem englischen Mittelfeldspieler, der im Sommer für 23 Millionen Euro aus Birmingham kam. Ähnlich wie Sancho gilt auch Bellingham als eines der größten Talente Englands. Da er sich bereits in sehr jungen Jahren im Stahlbad der Championship durchsetzen musste, ist Bellingham ungewöhnlich reif. In der zweiten englischen Liga musste er in Duellen mit den beinharten Gegenspielern lernen, "schneller Entscheidungen treffen zu können als sie, um mich gegen sie durchzusetzen. Ich wurde einfach sehr früh gefordert, ein Spiel lesen zu lernen", erklärte er kürzlich im Interview mit dem "Kicker".

Zu Saisonbeginn stand Bellingham direkt an der Seite von Axel Witsel in der Startformation Dortmunds und bewies seine vielseitigen Qualitäten. "Er greift an, er läuft nach vorne – nicht nur mit Pässen sondern auch mit dem Ball am Fuß – und er verteidigt auch", erklärte Favre während der Saisonvorbereitung fast schon überrascht von der Präsenz dieses 17-Jährigen.

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Anders als Reyna weist Bellingham aber noch einige kleinere Schwächen auf, die sich auch statistisch niederschlagen. Für einen zentralen Mittelfeldspieler steht er noch zu häufig falsch positioniert, wenn sich der BVB im Rückwärtsgang befindet. Kürzlich wurde dies beim 1:3 gegen Lazio deutlich, als Bellingham nahezu nie den Passfluss des Gegners unterbinden konnte. Er ist sehr engagiert und scheut sich auch nicht davor, Gegenspieler mit gewohnter englischer Zweitligahärte abzugrätschen. Aber saubere Positionierung ist gerade im Spielsystem Favres ein essenzieller Bestandteil.

Es überrascht deshalb nicht, dass der Schweizer den jungen Engländer zuletzt auch mal auf der Bank sitzen ließ und ihm nach dem Training in längeren Einzelgesprächen noch einige Hinweise gab. "Ich bin sicher kein Lehrling mehr", sagte Bellingham dem "Kicker". Das zeigt seine eigene Anspruchshaltung. Trotzdem sieht ihn Favre weiterhin als einen Schüler, der noch vieles lernen kann.

BVB: Gio Reyna und Jude Bellingham.

Jude Bellingham (r.) und Giovanni Reyna jubeln mit Reinier (l.), einem ebenfalls vielversprechenden Talent, das der BVB für zwei Jahre von Real Madrid ausgeliehen hat. Bild: www.imago-images.de / HORSTMUELLER GmbH

Das sollte Bellingham allerdings ohnehin nicht schwerfallen. Genau wie sein guter Freund Jamal Musiala, seines Zeichens hochtalentierter Offensivspieler des FC Bayern München, gilt Bellingham als eine Art Fußball-Nerd, dessen Leben sich einzig und allein um das runde Leder dreht. Ihn zeichnet ein besonderer Ehrgeiz aus, weshalb ihn Favre nicht erst anstacheln muss, sich zu verbessern.

Reyna und Bellingham sind die jungen Wilden beim BVB, die vielleicht noch um ihre Rolle in der ersten Elf kämpfen müssen, aber schon jetzt fester Bestandteil des Erfolgsrezepts ihres Trainers sind. Wenn die beiden 17-Jährigen gute Leistungen auf dem Rasen bringen, dann sorgt das nicht mehr für Verwunderung. In Dortmund hat sich eine gewisse Erwartungshaltung entwickelt. Die Top-Talente können und müssen sich in der Dortmunder "Superstarfabrik" behaupten, ganz unabhängig ihres Alters.

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