"Was bitte? Keine Meisterschaft für uns?", dürfte sich auch Thomas Müller denken.
"Was bitte? Keine Meisterschaft für uns?", dürfte sich auch Thomas Müller denken. Bild: imago images / Avanti

Daten-Analyst erklärt: Weder FC Bayern noch Gladbach wird Meister

17.12.2019, 09:14

Der Kampf um die Meisterschaft in der Bundesliga ist so spannend wie lange nicht mehr: RB Leipzig führt die Liga mit 33 Punkten an. Die Fohlen folgen mit zwei Zählern auf Platz zwei. Dahinter, etwas aufgeholt, steht Borussia Dortmund mit 29 Punkten, gefolgt vom FC Schalke, Bayern München und SC Freiburg mit 28, 27 und 25 Zählern. Leipzig ist den Bayern also momentan noch ein gutes Stück voraus.

Der Serienmeister plant eigentlich fest mit dem achten (!) Titel in Folge. "Es gibt hier nur ein Ziel: erst die Meisterschaft und dann der Pokal", betonte Bayern-Star Serge Gnabry jüngst in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Doch nach 15 gespielten Partien sieht das ganz und gar nicht so aus.

Ein Datenspezialist aus den Niederlanden erklärt nun, dass die Bayern viel näher dran sind am Titel, als es die Tabelle verrät – doch er hat berechnet, dass am Ende dieser Saison ein anderes Team die Meisterschale hochhalten wird.

Niederländischer Analyst sagt Bundesliga voraus

Gemeint ist Sander Ijtsma. Der 41-Jährige steckt hinter dem Online-Portal "11tegen11". "Es begann als Hobby und mittlerweile sind wir eine Firma, die Datenunterstützung und digitale Scouting-Beratung für professionelle Fußballvereine anbietet", erklärt er gegenüber watson. Das hat erstmal nichts mit der deutschen Meisterschaft zu tun.

Doch der Analyst aus den Niederlanden trifft auf einem weiteren Portal, "Between the Posts", mit einem Team aus Taktik-Nerds, Scouts und Daten-Experten Vorhersagen für die großen Top-Ligen. Und hier kommen der FC Bayern, die Bundesliga und der Meistertitel ins Spiel. "Als Spin-off habe ich 'Between the Posts' mitbegründet, wo wir taktische Analysen, Statistiken, Grafiken und Vorhersagen für viele Ligen für ein breites Publikum präsentieren", erklärt Ijtsma.

Die Vorhersagen machen sie nicht etwa durch Raten, Horoskope oder die Befragung irgendwelcher Tippgemeinschaften. Ijtsma und sein Team haben eine Berechnung erstellt, die vor allem mit dem Expected-Goal-Modell arbeitet. Dieser Wert misst die Wahrscheinlichkeit eines Tores bei einer Torchance und bestimmt die "zu erwartenden Tore". Das Modell ermittelt, wie hoch die Chance auf das Tor wirklich war und berechnet für jeden Abschluss anhand mehrerer Faktoren (wie etwa dem Winkel oder dem Abstand zum Tor) einen Wert. Der sogenannte xG-Wert ist aussagekräftiger als die normale Torschuss-Statistik.

RB Leipzig wird vor dem FC Bayern Meister

Ijtsma schreibt dazu auf seinem Blog: "Expected Goals sind die beste Vorhersagevariable für zukünftige Spielergebnisse; besser als Punkte, Tore, Schüsse oder Schüsse auf ein Ziel." Zu dem xG-Wert kommen noch die geschätzte Teamwertung und weitere Faktoren dazu. Für Leute, die nicht gerade Laptop-Trainer oder Mathe-Leistungskurs-Überflieger sind, ein sehr komplizierter Prozess. All diese Faktoren spielen dann in die Vorhersage mit ein. Heraus kommt eine Tabelle, die die Platzierungen am 34. Spieltag vorhersagt. Und dort steht laut "Between the Posts" derzeit ein Team ganz oben, welches noch nie die Meisterschaft gewinnen konnte.

Laut der Bundesliga-Vorhersage steht derzeit (Stand 12. Dezember 2019) RB Leipzig am Ende der Saison vor allen anderen in der Tabelle. Demnach gewinnen die Leipziger mit 70 Punkten die Meisterschale – vor dem FC Bayern (69 Punkte), dem BVB (64). Als Absteiger sieht "Between the Posts" die Aufsteiger Köln und Paderborn, Düsseldorf muss in die Relegation.

Die Tabelle am 34. Spieltag laut Berechnung vor dem 15. Spieltag. (Stand 12. Dezember 2019)
Die Tabelle am 34. Spieltag laut Berechnung vor dem 15. Spieltag. (Stand 12. Dezember 2019)Bild: screenshot betweentheposts

Vorhersage ist nicht in Stein gemeißelt

Das Gute für alle Fans von Borussia Mönchengladbach, dem FC Bayern und dem BVB: Mit jedem weiteren Spiel kann sich die Vorhersage noch ändern. Bis zur Niederlage gegen Gladbach stand noch der FC Bayern auf Platz eins. "Die Werte werden sich nach einem einzigen Spiel nicht viel ändern, aber es wird definitiv die Nadel ein wenig bewegen", sagt Sander Ijtsma.

Besonders spannend dürfte es am Dienstag werden: Da treffen RB Leipzig und der BVB am 16. Spieltag aufeinander und könnten das Titelrennen noch ein bisschen spannender machen.

(bn)

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