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Von einem Lockdown hält der Mathematiker Ben-Israel nichts. Er empfiehlt stattdessen Social Distancing, so wie hier in Rom. Bild: dpa

Mathematiker: "Lockdown hilft überhaupt nicht gegen Corona"

Die gelockerten Corona-Maßnahmen in Deutschland sind weiterhin Gegenstand mitunter hitziger Diskussionen. Zu spät und zu wenig, meinen die einen, andere sehen es genau andersherum: zu früh und zu viel. Am grundsätzlichen Sinn der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen zweifelt jedoch kaum jemand.

Der israelische Mathematiker Isaac Ben-Israel allerdings ist der Meinung, dass ein Lockdown überhaupt nichts bringt. Als Grundlage dienen ihm jedoch keine medizinischen, sondern mathematische Studien. Er will errechnet haben, dass der Verlauf der Corona-Infektionen im jeden Land gleich abläuft – ganz egal, ob und wenn ja, welche Maßnahmen ergriffen werden.

Ben-Israel ist Vorsitzender der israelischen Weltraumbehörde und des Nationalen Rats für Forschung und Entwicklung des Wissenschaftsministeriums. In seiner Analyse kommt er zu dem Schluss, dass die Coronavirus-Pandemie in jedem Land 40 Tage nach Ausbruch ihren Höhepunkt erreiche. Nach 70 Tagen falle sie dann so sehr ab, dass sie bald praktisch gegen null gehe. Und das sei völlig unabhängig davon, welche Maßnahmen die Regierung in dem jeweiligen Land ergriffen habe.

"Das Muster ist überall gleich"

Gegenüber der "Welt" erklärt Ben-Israel, er habe 25 Länder aus verschiedenen Regionen der Welt genommen und die empirischen Daten der Neuinfektionen pro Tag untersucht.

Sein Fazit:

"Manche Länder leiden mehr als andere, aber das Muster ist überall gleich. Egal, welche Maßnahmen ergriffen werden – die Infektionskurve sinkt."

Daraus wiederum leitet Ben-Israel ab, dass Maßnahmen wie Kontaktsperren oder Ausgangsbeschränkungen unnötig seien. Auch ohne diese hätte es kein exponentielles Wachstum mehr gegeben, lautet seine Schlussfolgerung. Wohlgemerkt ist diese rein mathematisch, nicht virologisch oder epidemiologisch begründet.

Für seine Hypothese vom wirkungslosen Lockdown führt er Länder wie Singapur, Taiwan, Südkorea oder Schweden an. Diese hätten das Virus fast "ignoriert", sagt er. Gerade in Südkorea und Taiwan, wo sehr viel getestet wurde, stimmt das zwar nicht ganz. Recht hat er allerdings, dass dort keine weitgehenden Ausgangsbeschränkungen verhängt wurden.

Seine Thesen stoßen auch auf Kritik

Und das ist ja sein Punkt: In den Ländern, die einen Shutdown vollzogen hätten, verringerten sich die Neuinfektionen nach fünf oder sechs Wochen, so Ben-Israel. "Und die Leute sagen: Schaut, der Shutdown hilft uns." Sie hätten aber nicht gesehen, dass die Abnahme zur selben Zeit auch in Ländern passiere, die keine extremen Maßnahmen ergriffen hätten.

Seine Vorschläge: Das Tragen von Masken, die Ausweitung der Tests auf besonders betroffene Bevölkerungsgruppen und das Verbot von Massenversammlungen. Also etwa das, was Länder wie Südkorea und Taiwan praktiziert haben.

So schön das alles klingt, es gibt auch Kritik an seinen Thesen. Krankenhausdirektor Gabi Barbash etwa lieferte sich im Fernsehen einen heftigen Streit mit Ben-Israel. Er betonte, ohne die Lockdown-Maßnahmen wären in Israel und anderen Ländern weit mehr Menschen gestorben.

(om)

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