Heidi Klum ließ ihre "GNTM"-Models nackt an einem Strand in Los Angeles ablichten – leider nicht nur vom engagierten Fotografen.
Heidi Klum ließ ihre "GNTM"-Models nackt an einem Strand in Los Angeles ablichten – leider nicht nur vom engagierten Fotografen.Bild: ProSieben / Richard Hübner

Paparazzi-Fotos von "GNTM"-Nacktshooting aufgetaucht: ProSieben lässt wichtige Fragen zum Kandidatinnen-Schutz offen

18.02.2022, 16:51

Heidi Klums Castingshow "Germany's next Topmodel" startete Anfang Februar bereits in die 17. Staffel. Die Chef-Jurorin öffnete dieses Mal die Tür für alle Bewerberinnen mit Modeltraum. Keine Rolle sollte jetzt das Alter, die Körper- oder Konfektionsgröße der Kandidatinnen spielen.

Aber auch Altbewährtes gibt es in der aktuellen Staffel wieder, so kündigte der ProSieben-Senderchef Daniel Rosemann auf einer "GNTM"-Pressekonferenz auf Nachfrage von watson bereits an, dass auch 2022 wieder ein Nackt-Shooting im Rahmen der Show stattfinden wird. Dieses habe den Zweck, die Model-Anwärterinnen schon einmal darauf vorzubereiten, zu was für Buchungssituationen es im Fashion-Business kommen kann. Etwa bei realen Parfüm-Werbespots würden eben Drehs ohne viel Kleidung stattfinden.

Rosemann betonte auch, dass "Heidi steht in erster Reihe" stünde, um darauf zu achten, dass bei den Nackt-Shootings lediglich stilvolle Bilder entstehen. Und außerdem: "Wir pixeln und blurren alles, was uns auch nur ansatzweise in eine falsche Richtung bringen würde." Nun tauchten jedoch Paparazzi-Fotos vom "GNTM"-Dreh auf, die in die genau entgegengesetzte Richtung gehen: Darauf sind die verbliebenen Kandidatinnen im Freien bei einem Shooting völlig unbekleidet zu sehen. ProSieben gab gegenüber watson ein Statement dazu ab – doch wichtige Nachfragen blieben darin dennoch unbeantwortet.

ProSieben äußert sich zu Paparazzi-Fotos im Rahmen von "GNTM"

Zu sehen sind auf den betreffenden Bildern die verbliebenen Top-12 bei "GNTM" zusammen mit dem Fotografen Brian Bowen Smith und Heidi Klum. Auf den Fotos ebenfalls offensichtlich: Das Nackt-Shooting fand nicht etwa in einem geschützten Raum oder Studio statt, sondern offenbar an einem Strand in Los Angeles. Im Hintergrund sind andere Strandbesucher schemenhaft zu erkennen – und augenscheinlich hatten auch die unerwünschten Fotografen freie Sicht auf das "GNTM"-Set.

Die diesjährigen "GNTM"-Models sind so divers wie noch nie.
Die diesjährigen "GNTM"-Models sind so divers wie noch nie.Bild: dpa / Richard Hübner

Der ProSieben-Pressechef Christoph Körfer gab auf Nachfrage von watson folgendes Statement zu den aufgetauchten Aufnahmen ab, die die Models in extrem ungünstigen Situationen zeigen. Darin heißt es: "Paparazzi gehören zu 'GNTM' wie Würmer zu einem Apfelbaum. Sie werden nicht eingeladen, kommen aber trotzdem. Warum ist das so? Viele Medien schenken Paparazzi-Fotos eine hohe Aufmerksamkeit." Und weiter:

"ProSieben schützt die 'GNTM'-Models, indem wir insbesondere bei Shootings, bei denen unsere Models weniger bekleidet vor der Kamera stehen, immer mit Verpixelungen arbeiten. Das würden wir uns von allen Medien wünschen, die Paparazzi-Fotos kaufen. Noch schöner wäre es, diese Fotos erst gar nicht zu kaufen."

Sender lässt wichtige Fragen unbeantwortet

Freilich haben die ProSieben-Verantwortlichen Recht damit, dass auf die Models in ihren eventuell folgenden Karrieren weitere Shootings mit viel Haut und wenig Textilien zukommen werden. Und tatsächlich werden die Intimzonen der Kandidatinnen seit dem ersten im TV ausgestrahlten Nackt-Shooting verpixelt, um sie zu schützen.

Unbeantwortet blieben in diesem Statement jedoch weitere Nachfragen von watson, wieso solche Paparazzi-Bilder überhaupt während der Dreharbeiten entstehen können. Watson fragte unter anderem bei Körfer nach, ob nicht eventuell auch eine andere, abgeschlossene Location für das Nackt-Shooting möglich gewesen wäre. Denkbar wäre es doch zudem auch gewesen, das Set (wenn es schon im Freien sein muss) durch Tücher oder einen anderen Sichtschutz vor neugierigen Blicken Außenstehender abzuschirmen.

Eine weitere Nachfrage galt zudem der Betreuung der Kandidatinnen durch die Produktion. Nun sind die betreffenden Bilder bereits im Umlauf und sind so gut wie nicht mehr vollends aus dem Netz zu entfernen. Ob eventuell begleitende oder nachsorgende Gespräche mit den angehenden Models dazu geführt werden sowie zu den vorangegangenen Fragen und Schutzmöglichkeiten äußerte sich der Sender allerdings nicht.

Es besteht außerdem der Vorwurf, dass das Nackt-Shooting in der Öffentlichkeit gerade deswegen so durchgeführt wird, um den Druck auf die Kandidatinnen zu erhöhen und ihre angespannten Reaktionen genau so zu Unterhaltungszwecken für den Show-Zuschauer einzufangen. Zu diesem Thema äußerte sich Körfer in seiner Antwort ebenfalls nicht.

"GNTM"-Chefjurorin verlangt von ihren Kandidatinnen eine Menge in ihrer Show.
"GNTM"-Chefjurorin verlangt von ihren Kandidatinnen eine Menge in ihrer Show.Bild: ProSieben / Germany's next Topmodel

In eine ähnliche Richtung zielte auch eine Kritik des ehemaligen Jurors Peyman Amin ab. Der Modelagent äußerte sich gegenüber "Promiflash" zu den entstandenen Paparazzi-Fotos und der realen Modelwelt folgendermaßen: "Wenn im richtigen Modelleben in der realen Welt ein Nacktshooting ansteht, dann wird dafür gesorgt, dass keine Passanten einen Blick auf die nackte Haut der Models werfen können – das ist eine absolute Sperrzone für das laufende Publikum."

Im vergangenen Jahr setzte Heidi noch einen drauf und führte erstmals bei "GNTM" einen Nackt-Walk ein. Auch daran gab es viel aus dem Show-Umfeld auszusetzen, die ehemalige Siegerin von 2015, Vanessa Fuchs, kritisierte, dass ein solcher Walk sehr weit von der echten Modelwelt entfernt sei. Gegenüber "Bild" stellte sie heraus: "Ich hätte das nicht gemacht. Meine Modeschauen waren keine Nacktshows. Das wird es für mich auch nicht geben."

(cfl)

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