Hunderte Elefanten sind im Okavango-Delta in den vergangenen Monaten gestorben.
Hunderte Elefanten sind im Okavango-Delta in den vergangenen Monaten gestorben.
Bild: X80001 / Handout .

Hunderte tote Tiere: Mysteriöses Elefanten-Sterben in Botswana – was Experten vermuten

10.07.2020, 09:20

Ein mysteriöses Elefantensterben im südafrikanischen Safari-Paradies Botswana stellt Tierschützer und die Regierung vor Rätsel. Inzwischen sind Hunderte der Tiere im Okavango-Delta verendet. Immer neue verstörende Bilder von ausgedörrten Kadavern verbreiten sich. Bis zu 400 sollen es mittlerweile sein.

Ein Fall von Wilderei? Schließlich hatte Botswana im Vorjahr international für Empörung gesorgt wegen der Aufhebung des Elefantenjagdverbots. Doch die toten Tiere wurden mit intakten Stoßzähnen gefunden.

Wurden die Tiere vergiftet? Nein, denn dann hätten auch andere Tiere wie Geier und Hyänen sterben müssen. Der Fall ist mysteriöser.

Fast alle Kadaver lagen im nördlichen Teil des Deltas, nahe dem Dorf Seroga. Die meisten Tiere verendeten in Sichtweite von Wasserlöchern.

Forscher rätseln über die Ursachen des Massensterbens.
Forscher rätseln über die Ursachen des Massensterbens.
Bild: X80001 / Handout .

Elefanten wirkten lethargisch vor dem Tod

Die Tierschutzorganisation Elephants Without Borders (EWB) hat in einem vertraulichen Bericht geschildert, dass der Tod die Elefanten teils offenbar schnell ereilt. Betroffene Tiere machten demnach einen lethargischen, desorientierten Eindruck. Ein Elefant sei dabei beobachtet worden, wie er fortwährend im Kreis lief, bevor er zusammenbrach.

Experten haben daher mittlerweile eine Vermutung, was hinter dem mysteriösen Sterben stecken könnte – zumindest eine ungefähre.

"Deutet darauf hin, dass irgendetwas das Nervensystem angreift"

Der Direktor der britischen Naturschutzorganisation National Park Rescue, Niall McCann, sagte zur BBC: "Die Art und Weise, wie die Tiere zu sterben scheinen – viele fallen auf ihr Gesicht – und die Sichtungen anderer Elefanten, die im Kreis laufen, deuten darauf hin, dass möglicherweise irgendetwas das Nervensystem der Tiere angreift."

Manche Elefanten fallen einfach auf ihr Gesicht. Bei ihnen scheint der Tod schnell einzutreten.
Manche Elefanten fallen einfach auf ihr Gesicht. Bei ihnen scheint der Tod schnell einzutreten.
Bild: X80001 / Handout .

Eine Infektion also? Das würde zumindest die vielen Fälle erklären. "Elefanten sind sehr kontaktfreudige Tiere – wenn es eine Infektion wäre, könnte sich das sehr schnell in der Herde verbreiten", meint etwa die Großwild-Veterinärin Sybille Quandt.

Einen Zusammenhang mit Corona halten Experten allerdings für unwahrscheinlich: Eine meist harmlos verlaufende Infektion mit dem Virus ist bisher vor allem für bestimmte Fleischfresser wie Katzen und Nerze bekannt. Zudem scheine keine andere Wildtierart von dem Massensterben betroffen zu sein, erklärt Heike Henderson von der Artenschutzorganisation Future for Elephants. Dies gelte auch für Tiere, die aus denselben Wasserlöchern trinken, oder Aasfresser wie Löwen, Hyänen oder Geier, die sich von den Elefanten-Kadavern ernähren.

Auch 2019 gab es Massensterben bei Elefanten durch Erreger

Die örtliche Tierschutzorganisation Elephants Protection Society weist indes auf ein ähnliches Massensterben hin: Vor gut einem Jahr habe schon einmal ein zunächst mysteriöser Erreger die Region heimgesucht, sagt der Direktor der Organisation, Oaitse Nawa. Als Ursache galten damals mit dem Anthrax-Erreger (Milzbrand) verseuchte Böden. Diesmal wurde eine Vergiftung durch Anthrax mit Tests aber ausgeschlossen.

Bislang sind die meisten Todesfälle bei den Elefanten beschränkt auf ein überschaubares Gebiet im nordwestlich gelegenen Okavango-Delta nahe dem zu Namibia gehörenden Caprivi-Streifen. Jetzt setzen Behörden und Tierschützer in dem sumpfigen Gelände Helikopter und Flugzeuge ein, um die toten Tiere auszumachen.

Vorwürfe gegen Regierung

"Ein großes Problem ist, dass sich die Regierung von Botswana nicht sehr transparent oder kooperativ zeigt", kritisiert Henderson. Hilfsangebote würden von der Regierung nicht angenommen. "Warum verneint die Regierung die Ernsthaftigkeit des Problems?", fragt die kenianische Wildtier-Expertin Paula Kahumbu bei Twitter. Einen geplanten Flug mit Journalisten ins Okavango-Delta sagte Botsuanas Regierung am Sonntag kurzfristig ohne weitere Erklärung ab.

"Die amtierende Regierung ist sehr bedächtig, der ländlichen Bevölkerung zu zeigen, dass man das Leben der Elefanten nicht vor dasjenige eines Menschen setzt, insbesondere nicht in Zeiten der Corona-Krise", erklärte Tierschützer McCann gegenüber Channel 5 News. Genau diesen Vorwurf hatte es nämlich in der Vergangenheit gegeben.

Das Massensterben der Elefanten so bald wie möglich aufzuklären, sei jedoch auch im Interesse der Menschen. "Noch wissen wir nicht, ob es ein Gift oder eine Krankheit ist", sagte McCann. "Aber wenn dies auf den Menschen übergeht, kann es zu einer Krise für die öffentliche Gesundheit kommen."

(hau/mit dpa)

Themen

Nachhaltig

Unterwasser-Kamerafrau: "Ich wusste, das haben in der ganzen Welt nicht mehr als 50 Leute gesehen"

Tiere filmt sie schon lange – 2005 aber hat sich Christina Karliczek Skoglund vollständig auf die Unterwasserkamera spezialisiert. Heute ist sie eine der wenigen Unterwasser-Kamerafrauen, dreht unter anderem für die NDR-Reihe "Expeditionen ins Tierreich" und internationale Co-Produktionen mit BBC und National Geographic.

Die zertifizierte Höhlen- und Eistaucherin ist für zahlreiche Tierfilme rund um den Globus abgetaucht – und dreht auch an Land in extremen Regionen wie der Arktis, dem …

Artikel lesen
Link zum Artikel