Krawalle in Chemnitz
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Demonstrators carry German flags during a demonstration in Chemnitz, eastern Germany, Saturday, Sept. 1, 2018, after several nationalist groups called for marches protesting the killing of a German man last week, allegedly by migrants from Syria and Iraq. (AP Photo/Jens Meyer)

Bild: AP

Rechts marschiert – Gegendemonstrationen in Chemnitz und Landau

Viele Rechte sprechen seit den Ereignissen in Chemnitz vom Beginn einer "Revolution". Und wie das bei einer Revolution so üblich ist, geht das "Volk" auf die Straße. Die AfD und andere völkische Kräfte wollen ihr Momentum auf keinen Fall verlieren und mobilisieren gerade kräftig für Demonstrationen.

Das hat in Hamburg so semi-erfolgreich geklappt. 178 Seelen waren am Donnerstag bei der "Merkel-muss weg"-Demo in Hamburg, 10.000 Gegendemonstranten kamen. Doch so ein kleiner Rückschlag bringt den guten Deutschen nicht aus der Bahn und so sind für das Wochenende einige weitere Demonstrationen angekündigt. 

Beethoven gegen Hassparolen in Chemnitz

Schon für Freitag um 18:30 hatte die rechtspopulistische Bewegung" Pro Chemnitz" eine Demonstration angekündigt.  Zu dem Aufmarsch kamen rund 1500 Teilnehmer, beim letzten Aufzug waren es rund 7.000 Protestler. Die Zahl der Gegendemonstranten aufseiten des Bündnisses "Chemnitz nazifrei" bezifferte eine Polizeisprecherin auf etwa 500. 

Der rechte Aufzug in Chemnitz

Und wie heißt das im Deutschland des Jahres 2018: 

"Versammlungsleiter fordert von den Teilnehmern: kein Alkohol, keine Hitlergrüße, keine Übergriffe auf Journalisten."

Die Lage blieb zunächst friedlich. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort.Parallel zu den Demonstrationen setzten die Kulturbetriebe der Stadt mit einem Open-Air-Konzert von Beethovens 9. Sinfonie ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit, Hetze und Gewalt. Augenscheinlich waren auf dem Theaterplatz mehr Menschen als auf beiden Demos zusammen. Auch ein heftiger Wolkenbruch hielt die Besucher nicht vom Bleiben ab.

Beethoven trifft auf Marx

Bei der späteren "Trauer-Demo" der AfD kamen einige Kader:

Riesling gegen rechte Parolen im pfälzischen Landau

Auch im rheinland-pfälzischen Landau kam es am Freitagabend zu rechten Protesten. Und zu Gegendemonstrationen. Der Tage nach dem Urteil im sogenannten Kandel-Mordprozess haben mehrere Gruppierungen ihre gegensätzliche Haltung zum Richterspruch bei Demonstrationen deutlich gemacht. Die Polizei war am Freitag mit etwa 250 Kräften im Einsatz. Die Behörden hatten im Vorfeld von insgesamt 400 erwarteten Demonstranten gesprochen.  

Gegenprotest auf dem Rathausplatz in Landau

In Landau hatte das Landgericht den vermutlich aus Afghanistan stammenden Abdul D. am Montag wegen Mordes und Körperverletzung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Viele empfanden das Urteil nach Jugendstrafrecht für den Täter als zu milde. Nach Überzeugung des Gerichts hatte er am 27. Dezember vergangenen Jahres im nahe gelegenen Kandel seine Ex-Freundin Mia erstochen. Als Motiv hatte die Staatsanwaltschaft Eifersucht und Rache angenommen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Schon seit dem Frühjahr versuchen rechte Gruppen den Mordfall an der Schülerin zu instrumentalisieren. Regelmäßig zogen sie durch Kandel. Regelmäßig stellte sich ihnen ein breites Bündnis von "WirSindKandel" entgegen. 

Am Freitag kam es nun erstmals in der nahe Kandel gelegenen Universitätsstadt Landau zum Versuch, Mias Tod zu instrumentalisieren.

Bild

Der Rathausplatz in Landau. Die Polizei war mit 250 Kräften im Einsatz jzphoto

Unter dem Motto "Gegen Rassismus, für eine unabhängige Justiz" hatten die Studierenden der Hochschule zur Gegendemonstration auf dem pittoresken Rathausmarkt geladen. Dort war auch die Rechte aufmarschiert. Die Polizei zeigte Präsenz und hielt die Gruppierungen getrennt. Als dritte Veranstaltung war in der Stiftskirche ein Friedensgebet angekündigt, das unter anderem von Landaus Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU) unterstützt worden war.

Im fränkischen Schweinfurt am  protestiert die Rechte gegen das dort vor kurzem in Betrieb genommenen Ankerzentrum.

(tl, dpa, afp)

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Wer sich gegen rechts positioniert, muss in diesen Tagen anscheinend besonders vorsichtig sein, dass er mit seinen Aussagen und Empfehlungen genau die Mitte trifft. Landet man nur einen einen Tick zu weit links, tobt schnell ein Shitstorm – wie gerade auf dem Facebook-Profil von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

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