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Dominik Reinert (links) mit Benjamin Pavard, der mittlerweile beim FC Bayern spielt. bild: instagram.com/domeanico

"Auf dem Platz Regionalliga, an der Leinwand Champions League": Fußball-Profi Dominik Reinert malt Bilder für Fußball- und US-Stars

Belächelt zu werden und ein paar lustig gemeinte Sprüche abzubekommen – das ist Dominik Reinert mittlerweile gewohnt, wenn er in seiner Mannschaft über sein Hobby spricht. "Da wurde ich dann schon mal als 'Picasso' oder 'hier, der Maler' bezeichnet", erzählt der Fußball-Profi von Rot-Weiß Oberhausen.

"Aber das ist völlig normal, wenn man so einem ausgefallenen Hobby nachgeht", fügt der 29-Jährige hinzu. Denn als Ausgleich zum Fußball sitzt der gebürtige Duisburger nicht vor der Playstation oder streamt SerienDominik Reinert ist leidenschaftlicher Künstler und malt Porträts für Fußball- und US-Stars.

"Der Eindruck, dass ich nur exklusiv für bekannte Leute Bilder male, sollte da natürlich nicht entstehen. Ich mache das für jeden, der meine Bilder schön findet und mir einen Auftrag erteilt."

"Die beste Kombination ist Malen und ein Hörbuch anmachen", erzählt er im Gespräch mit watson. So macht er sich in seinem Wohnzimmer an die Auftragsarbeiten. Manchmal auch "fünf, sechs, sieben Stunden am Stück". Er kreiert Bilder für Fußballstars wie Nationalspieler Julian Draxler, Bayerns Benjamin Pavard, Gladbachs Denis Zakaria, Leverkusens Leon Bailey oder Musik-Stars wie The Weeknd und Model Cara Delevingne. Doch Dominik Reinert porträtiert nicht nur berühmte Menschen.

"Der Eindruck, dass ich nur exklusiv für bekannte Leute Bilder male, sollte da natürlich nicht entstehen. Ich mache das für jeden, der meine Bilder schön findet und mir einen Auftrag erteilt."

Denn die Arbeit an der Leinwand bedeutet für ihn auch, vom Alltag abzuschalten. "Andere schauen eher eine Serie oder einen Film, gehen an die Konsole oder lesen ein Buch. Ich gehe an die Leinwand." Und die Arbeit an einem Bild kann auch mal "eine gute Ausrede sein, wenn ich keine Lust habe, was zu unternehmen", erzählt der 29-Jährige lachend.

Seine Gegenspieler hießen Götze, ter Stegen und Kramer

Als er jünger war, war Reinert ein talentierter Fußballer, der für den MSV Duisburg in der Jugend-Bundesliga spielte. Seine Gegenspieler hießen damals unter anderem Marc-André ter Stegen (heute FC Barcelona), WM-Held Mario Götze und Christoph Kramer (heute Borussia Mönchengladbach).

"Ich habe eine relativ gute Selbsteinschätzung und dass es mit der 1. oder 2. Liga eng wird, habe ich früh gemerkt. Da waren Jungs, die einfach besser waren als ich." Daher fokussierte er sich eher auf die Schule und sein anschließendes Studium.

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Dominik Reinert kommt meist auf der rechten Außenbahn zum Einsatz. Bild: www.imago-images.de / Revierfoto

Dem Fußball blieb er aber weiterhin treu und machte seitdem fast 300 Spiele in der Regionalliga (4. Liga) für Rot-Weiß Oberhausen. Als Spieler bringt er "von allem ein bisschen mit", wie er selbst sagt. "Mein Trainer lobt meine Spielintelligenz. Mein Spiel ist jetzt auch nicht körperbetont, ich versuche vieles mit Köpfchen zu lösen. Aber ich kann auch kämpfen und ackern", sagt er. "Dass es am Ende 'nur' für die Regionalliga gereicht hat, finde ich gar nicht schlimm."

Durch Instagram wurde er bekannt

Nebenbei absolvierte Reinert ein Fernstudium im Sportmanagement und studiert aktuell Psychologie. Eher zufällig entdeckte er dann vor einigen Jahren die Malerei für sich. Auf der Suche nach einem Bild für seine Wohnung wurde er nicht fündig und beschloss kurzerhand, selbst zu malen. 2017 postete er erstmals ein kurzes Video eines seiner Bilder bei Instagram. Es war das Symbol "XO" des kanadischen Sängers The Weeknd und der Startschuss seiner Künstlerkarriere. "Ich habe das aber nie wegen Instagram gemacht oder um damit Geld zu verdienen", erzählt er.

"Ich kann mir sehr gut vorstellen, in Zukunft etwas in Richtung Sportpsychologie zu machen. Oder ein Traum wäre natürlich auch ein eigenes Atelier, wo man auch ein bisschen rumsauen kann."

"Ich habe mir einfach Motive gesucht, die mir selbst gefallen." Wie unter anderem einen Löwenkopf, mit dem er viel Bekanntheit erlangte. "Der Löwe war ein Motiv, das ich immer cool fand. Ich habe mir auch am Anfang relativ einfach zu malende Gesichter gesucht – einfach um zu üben – und habe Gefallen daran gefunden."

Professionelle Hilfe oder Unterstützung eines Experten hat er sich dabei nicht geholt. Youtube und Instagram dienen ihm lediglich zur Inspiration oder zur Hilfe, wie er bestimmte Farben mischt. "Wenn ich mir das zu sehr anschaue, verliere ich das Naive, was meine Bilder auch irgendwie ausmacht. Das Schöne an der Kunst ist, dass ich Sachen einfach machen kann und das ist dann halt mein Stil."

Dominik Reinert postete seine Werke immer wieder auf Instagram und schaffte es so, dass viele Sportler auf ihn aufmerksam wurden. Einer seiner ersten Kunden war im Frühjahr 2018 Cedric Teuchert (heute 1. FC Union Berlin), der damals bei Schalke 04 spielte. Aus dieser ersten Anfrage entwickelte sich inzwischen eine enge Freundschaft zwischen den beiden.

"Instagram ist da Fluch und Segen zugleich. Durch den Fußball kenne ich den ein oder anderen und gerade in der Umgebung hat es sich schnell verbreitet. Ich habe einfach zum richtigen Moment etwas gemacht, was die Leute cool fanden."

Auch Dominik Reinert bestätigt, dass ein Fußballer, der in seiner Freizeit noch Bilder malt, zunächst seltsam wirkt. "Aber viele Profis sind kunstinteressiert oder malen auch selbst." Einer von ihnen ist Josip Drmic, der in der Bundesliga für Gladbach, Hamburg, Leverkusen und Nürnberg auf Torjagd ging. Als Reinert dem Gladbacher Mittelfeldspieler Denis Zakaria ein Bild vorbeibrachte, war zufällig auch Drmic da. "Er hat das nie öffentlich gemacht, aber er hat mir dann einen Kunstgroßhandel in Düsseldorf gezeigt und mir geholfen."

Ein Auftrag von The Weeknd

So profitierte er auch von der Reichweite seiner Kunden, die seine Bilder posteten. "Ich habe richtig viel Hilfe von den Leuten bekommen, für die ich die Bilder gemalt habe. Sie haben mich über Social Media so krass unterstützt und dafür gesorgt, dass ich überhaupt die Bekanntheit bekommen habe." Dazu gehören vor allem eben Teuchert und Yassin Ben Balla von Zweitligist Eintracht Braunschweig, die auch so einige Kontakte hergestellt haben.

Im vergangenen Jahr ging dadurch für Reinert ein unglaublicher Traum in Erfüllung. Der Manager seines Lieblingskünstlers The Weeknd beauftragte ihn im Frühjahr 2020, ein Porträt des Weltstars anzufertigen. Für Reinert ein wichtiger Antrieb zu Beginn der Corona-Pandemie. Denn zu Anfang fand er es gut, eine gewisse Auszeit vom Fußball zu bekommen, "aber nach zwei Wochen habe ich mich schon gelangweilt". Und dann kam die Anfrage aus den USA.

"Ich hätte mir nicht erträumen lassen, dass das mal möglich ist." Einziger Wermutstropfen ist, dass er bisher einer Einladung des Managers nach Los Angeles noch nicht nachkommen konnte. Die größte Schwierigkeit sei es jetzt, den Kontakt aufrechtzuerhalten. "Aber ich rede mir ein, dass die schon jeden Tag an mich denken, wenn die mein Bild sehen", sagt er mit einem breiten Grinsen.

Und so kam einer von Reinerts Mitspielern zu dem Fazit: "Auf dem Platz spielst du in der Regionalliga, aber an der Leinwand in der Champions League."

Atelier oder Sportpsychologe

Sein Vertrag in Oberhausen läuft in diesem Sommer aus, doch die Fußballschuhe an den Nagel hängen und sich ganz der Kunst widmen, kommt für ihn noch nicht infrage. "Ich brauche die Bilder als Ausgleich zum Sport und den Sport als Ausgleich zu den Bildern."

Dennoch ist er sich bewusst, dass er nicht ewig Fußball auf diesem hohen Niveau mit ein oder zwei Trainingseinheiten pro Tag spielen kann und irgendwann kürzertreten muss. "Mit der Kunst habe ich eine Sache gefunden, die ich hoffentlich ein Leben lang ausleben kann."

Fußball oder Kunst – Dominik Reinert will eine seiner Leidenschaften später definitiv hauptberuflich ausüben. "Ich kann mir sehr gut vorstellen, in Zukunft etwas in Richtung Sportpsychologie zu machen. Oder ein Traum wäre natürlich auch ein eigenes Atelier, wo man auch ein bisschen rumsauen kann. In meinem Wohnzimmer muss ich immer darauf achten, dass es sauber bleibt."

Doch die Anerkennung seiner Teamkollegen und selbst seiner Gegenspieler ist ihm sicher. "Die Sprüche kommen zwar immer noch, aber mit mehr Respekt, weil sie mitbekommen haben, was ich da so mache."

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