Klimaschutz
 March 4, 2020, Brussels 5396, Belgium: ENVI Committee - Exchange of views with Swedish environment activist Greta Thunberg..Picture: Greta Thunberg Brussels 5396 Belgium - ZUMAi29 20200304ziai29116 Copyright: xIsopixx

Klimaaktivistin Greta Thunberg hat einen Termin mit Kanzlerin Merkel. Ob das Gespräch Ergebnisse bringt, ist noch ungewiss. Bild: www.imago-images.de / Isopix

Treffen im Kanzleramt: Kann Thunberg Merkel beim Klimaschutz umstimmen?

Greta Thunberg ist für ihren kompromisslosen Einsatz fürs Klima weltbekannt. Genau zwei Jahre nach ihrem ersten "Schulstreik fürs Klima" besucht sie Angela Merkel. Schwer vorstellbar, dass sie das Kanzleramt zufrieden wieder verlässt.

Es ist eine Art Gipfeltreffen: Die wohl bekannteste Klimaaktivistin der Welt trifft sich mit der – laut Forbes-Magazin – mächtigsten Frau der Welt. Greta Thunberg ist 17 und bekannt für ihre Kompromisslosigkeit, Angela Merkel ist 66 und berufsbedingt eine Meisterin des Kompromisses. Die Bundeskanzlerin empfängt Thunberg mit Mitstreiterinnen an diesem Donnerstagvormittag im Kanzleramt – auf Wunsch der Aktivistinnen von Fridays for Future, wie es am Vortag ausdrücklich hieß. Das Thema, natürlich: Klimapolitik.

Genau zwei Jahre vor diesem Treffen, am 20. August 2018, hatte Thunberg mit ihren wöchentlichen "Schulstreiks fürs Klima" begonnen. Fridays for Future entwickelte sich zu einer weltweiten Bewegung, die in Deutschland besonders viele Anhänger hat, Thunberg wurde 2019 – wie Merkel vier Jahre zuvor – vom "Time"-Magazin zur Person des Jahres gekürt.

Nach dem für rund 90 Minuten angesetzten Gespräch wollen sich Thunberg, die deutsche Aktivistin Luisa Neubauer und die Belgierinnen Anuna de Wever und Adélaïde Charlier öffentlich äußern, die Kanzlerin plant kein Statement. Es ist unwahrscheinlich, dass sie zufrieden sein werden mit dem, was Merkel ihnen berichten kann.

Klimapolitischen Ziele für Aktivistinnen nicht ambitioniert genug

Die klimapolitische Musik spielt derzeit weniger in Berlin und mehr in Brüssel, wo es um die Erhöhung des EU-Klimaziels für 2030 geht. Deutschland hat seit Juli für ein halbes Jahr die Ratspräsidentschaft inne und steht deshalb im Fokus. 50 bis 55 Prozent weniger Treibhausgase als 1990, wie die EU-Kommission und Merkel vorschlagen: zu wenig aus Sicht der Klimaschützer. Treibhausgas-Neutralität, also unterm Strich keine Emissionen mehr, bis 2050: Zu spät aus Sicht der Klimaschützer. Auch der deutsche Kohleausstieg bis spätestens 2038 ist für Fridays vor Future viel zu zögerlich.

ARCHIV - 10.08.2019, Nordrhein-Westfalen, Kerpen: Die Klimaschutzaktivistinnen Luisa Neubauer (l) und Greta Thunberg stehen zusammen im Hambacher Forst. Vor ihrem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel haben Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihre Mitstreiterinnen Deutschland und Europa zu mehr Einsatz gegen die drohende Klimakatastrophe aufgerufen. Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Klimaaktivistinnen Neubauer und Thunberg haben ihre Ziele fest im Blick. Können sie auch die Kanzlerin überzeugen? Bild: dpa / Oliver Berg

Der Anlass des Gesprächs sei der offene Brief, den Thunberg, sie und andere an Merkel und die Staats- und Regierungschefs der EU geschrieben hätten, erklärte Neubauer der Deutschen Presse-Agentur vor dem Treffen. Die Forderungen in diesem Brief wollten sie nun mit Merkel besprechen. "Ich erwarte einen konstruktiven Austausch", sagte sie diplomatisch. "Welche konkreten Ergebnisse wir dann mitnehmen, werden wir dann danach sehen müssen, schätze ich." Europa stecke in mehreren Krisen zugleich und bisher zeichne sich nicht ab, wie der Kontinent das Pariser Klimaabkommen einhalten könne, mit dem die Erderwärmung auf unter 2 Grad, möglichst 1.5 Grad begrenzt werden soll.

(lau/dpa)

Exklusiv

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An diesem Freitag hat der Bundestag den von Union und SPD in die Wege geleiteten Kohleausstieg bis 2038 beschlossen – inklusive saftiger Entschädigungszahlungen für die Kraftwerksbetreiber. Bundeskanzlerin Angela Merkel nennt das einen "ganz, ganz wichtigen Schritt" und freut sich, dass man "etwas Großes geschafft" hat. Die Klimaaktivisten von Fridays for Future sehen das etwas anders: Ihrer Ansicht nach kommt der Ausstieg viel zu spät und ist zudem viel zu teuer. Aktivistin Luisa Neubauer …

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