Naomie Harris spielt die Schurkin Shriek in "Venom: Let There Be Carnage".
Naomie Harris spielt die Schurkin Shriek in "Venom: Let There Be Carnage".Bild: Sony Pictures Entertainment
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"Venom 2"-Star Naomie Harris über Frauen in der Filmbranche: "Mittlerweile gibt es ganz andere Möglichkeiten"

21.10.2021, 16:2421.10.2021, 16:41

"Venom" zählt zu den kommerziell erfolgreichsten Comicverfilmungen, der letzten Jahre, nun erhält der Hit mit "Venom: Let There Be Carnage" eine Kino-Fortsetzung. Regisseur Andy Serkis und sein Team fahren dabei im Vergleich zum Vorgänger noch einmal größere Geschütze auf, denn mit Woody Harrelson und Naomie Harris (sie war durch ihre Rolle in "Moonlight" sogar schon für einen Oscar nominiert) stoßen zwei absolute Superstars neu zum Hauptcast hinzu. Als Antagonisten Cletus Kasady aka Carnage und Frances Barrison aka Shriek mischen sie das Geschehen ordentlich auf.

Mit Serkis ("Mogli – Legende des Dschungels") und Harrelson ("After the Sunset") war Harris dank voriger gemeinsamer Kooperationen schon bestens bekannt. Im Interview mit watson verrät sie, welchen Einfluss die beiden auf ihre Zusage für "Venom 2" hatten – und erklärt, welche Faktoren ihr generell am Wichtigsten sind, wenn sie über Rollenangebote nachdenkt.

watson: Vor "Venom: Let There Be Carnage" hast du schon einige große Blockbuster gedreht, eine Comic-Adaption war bislang aber nicht dabei. Ist dieser Film also ein Projekt, das du unbedingt noch machen wolltest?

Naomie Harris: Ich liebe es, solche überlebensgroßen Charaktere zu spielen. Genau das hat mich auch daran gereizt, eine Fantasie-Figur aus einem Comic auf der Leinwand zu verkörpern: Man ist überhaupt nicht durch die Wirklichkeit eingeschränkt. Keiner kann sagen, so oder so verhält man sich nicht. Es sind Comic-Figuren, sie können alles machen. Das habe ich an der Herausforderung geliebt.

In "Venom: Let There Be Carnage" bekommen die Fans erstmals Shriek auf der großen Leinwand zu sehen.
In "Venom: Let There Be Carnage" bekommen die Fans erstmals Shriek auf der großen Leinwand zu sehen.Bild: Sony Pictures Entertainment

Kanntest du dich denn schon gut mit Comic-Verfilmungen aus, bevor du die Rolle der Shriek angenommen hast?

Wir alle sind ja mit tonnenweise Comic-Verfilmungen aufgewachsen, ich habe das immer bewundert. Ich war auch ein wenig neidisch auf all die Darsteller, die solche Rollen gespielt haben, weil man sieht, dass sie dabei eine Menge Spaß hatten. Ich denke, gerade darum geht es am Ende auch für die Schauspieler.

Hast du vorab auch die Marvel-Comics gelesen, in denen Shriek auftaucht?

Ich habe auf jeden Fall meine Recherchen betrieben, das war auch unbedingt nötig. Davor waren Comics eigentlich nicht so mein Ding, das muss ich zugeben. Jetzt aber hat sich mir eine komplett neue Welt eröffnet.

Hast du denn einen Lieblingsfilm von Marvel?

Hmm, mein liebster Marvel-Film... ich würde sagen "Black Panther"!

Mit dem Regisseur Andy Serkis und deinem Co-Star Woody Harrelson hattest du schon vorher zusammengearbeitet. War das ein wichtiger Faktor für dich, als es darum ging, die Rolle in "Venom 2" anzunehmen?

Ja, schon, denn es waren Woody und Andy, die mich gefragt haben, ob ich für den Film an Bord kommen möchte. Ich bin ein riesengroßer Fan von Andy: Er ist so ein toller Mensch und ein phänomenaler Regisseur, er hat ein großes Herz und besitzt viel Integrität. Seine Großzügigkeit bewirkt, dass ich eigentlich bei jedem Projekt dabei sein möchte, das er macht.​

"Mittlerweile gibt es für Frauen viel mehr Möglichkeiten in der Branche. Ich habe meine Karriere vor rund 34 Jahren begonnen und im Vergleich zu damals ist die Filmlandschaft heute eine ganz andere."
Wie Naomie Harris ist Woody Harrelson bei "Venom 2" neu dabei.
Wie Naomie Harris ist Woody Harrelson bei "Venom 2" neu dabei.Bild: Sony Pictures Entertainment

Und wie sieht es mit Woody Harrelson aus, was schätzt du besonders an ihm?

Wir haben schon vor Jahren zusammengearbeitet, ich war beim ersten Mal gerade in meinen 20ern, glaube ich. Ich erinnere mich immer wieder daran, wie bodenständig und bescheiden er ist. Am Set war er auch sehr verspielt, sodass ich mit ihm viel Spaß hatte. Und jetzt, Jahre später, war es noch genauso! Bei ihm steht Spaß an erster Stelle, wenn er dreht. Natürlich musst du abliefern und einen guten Job machen, aber gleichzeitig kann es eben auch lustig zugehen.

Dann war die Stimmung am Set also ziemlich familiär?

Oh ja, definitiv!

Du spielst in "Venom: Let There Be Carnage" Shriek, die ein ziemlich psychotischer Charakter ist. Würdest du gerne häufiger Frauen in unkonventionellen, auch düsteren Filmrollen sehen?

Ja, absolut! Es ist aber großartig, dass sich in dieser Hinsicht jetzt auch schon etwas tut. Ich bin sehr gespannt auf die Zukunft, wenn ich sehe, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln. Mittlerweile gibt es für Frauen viel mehr Möglichkeiten in der Branche. Ich habe meine Karriere vor rund 34 Jahren begonnen und im Vergleich zu damals ist die Filmlandschaft heute eine ganz andere. Aber würde ich gerne noch mehr Frauen in aufregenden Rollen sehen? Auf jeden Fall!

Im ersten "Venom"-Film war Shriek noch nicht zu sehen gewesen. Auf sie sind viele Comic-Fans daher sicherlich extrem gespannt. Gibt es etwas, das dir besonders dabei geholfen hat, die Figur zum Leben zu erwecken?

Die Tatsache, dass sie noch nicht im ersten Film aufgetreten ist, hat es natürlich in gewisser Weise schwer gemacht: "Venom" war bereits auf der ganzen Welt ein Erfolg, an den zweiten Teil haben die Fans jetzt entsprechend hohe Erwartungen. Es geht also darum, eine neue Figur in diese Familie zu integrieren, die alle schon lieben – ich habe deshalb eine Menge Druck verspürt. Aber Druck ist auch eine gute Sache. Er kann dich dazu bringen, ein noch besseres Ergebnis abzuliefern. Aber mir geht es im Grunde mit jeder Rolle gleich. Immer denke ich zuerst: "Oh nein, ich kann das nicht, ich habe vergessen, wie man schauspielert!" Ein bisschen Nervenflattern ist total normal.

"Wenn du dich eingeschränkt fühlst, fällt es schwerer, Spaß an etwas zu entwickeln und auch kreativ zu sein."
Shriek und Carnage sorgen für Unruhe im neuen "Venom"-Film.
Shriek und Carnage sorgen für Unruhe im neuen "Venom"-Film.Bild: Sony Pictures Entertainment

Dann gibt es auch Fans, die grundsätzlich skeptisch sind, wann immer eine Fortsetzung zu einem erfolgreichen Film erscheint, weil sie befürchten, dass vieles aus dem ersten Teil nur noch einmal aufgewärmt wird. Was zeichnet "Venom 2" in deinen Augen aus?

Zunächst gibt es diese neuen Figuren von Woody und mir. Sie katapultieren die Geschichte noch einmal in eine andere Dimension. Natürlich passiert es hin und wieder, dass eine Fortsetzung nicht so gut ist, aber in diesem Fall besteht wirklich die Möglichkeit, tiefer in die Story einzutauchen. Auch, was diese ganze seltsame Beziehung zwischen Eddie Brock und Venom betrifft, gibt es noch einiges aufzuarbeiten. Ich glaube, gerade davon sind die Leute sehr fasziniert und es war sicherlich ein Grund für den Erfolg des ersten Films.

Gab es im Drehbuch viele detaillierte Vorgaben zu Shriek oder hattest du als Schauspielerin auch Freiräume bei der Interpretation der Vorlage?

Ich würde sagen, ich war ziemlich frei bei meiner Arbeit. Das ist auch einer der Vorzüge an der Zusammenarbeit mit Andy Serkis: Ein guter Regisseur vertraut für gewöhnlich seinen Darstellern. Andy hat mich ja persönlich darum gebeten, Shriek zu spielen, daher vertraute er mir offensichtlich. Dementsprechend gab er mir auch Freiräume, als es darum ging, Shriek für die Leinwand zu erschaffen. Überhaupt denke ich, dass die besten Ergebnisse immer dann erzielt werden, wenn man Freiräume hat. Wenn du dich eingeschränkt fühlst, fällt es schwerer, Spaß an etwas zu entwickeln und auch kreativ zu sein.

Welche Rollen sind deiner Meinung nach generell spannender: die von Helden oder Bösewichten?

Das ist eine echt interessante Frage. Wahrscheinlich müsste ich erst einmal eine Superheldin spielen, um das beantworten zu können. Ich weiß es einfach nicht. Ich kann aber auf jeden Fall sagen, dass es richtig viel Spaß macht, eine Schurkin darzustellen.

Also könntest du dir vorstellen, in Zukunft auch mal eine Superheldin zu spielen?

Dafür wäre ich definitiv offen, ja!

"Ich war super beeindruckt von 'Black Panther'.

Dieses Jahr warst du bereits in "James Bond 007: Keine Zeit zu sterben" als Eve Moneypenny zu sehen, nun folgt mit "Venom: Let There Be Carnage" gleich der nächste große Blockbuster. Ist 2021 das bislang wichtigste Jahr deiner Karriere?

Es ist auf jeden Fall sehr spannend – und im Dezember erscheint ja auch noch "Swan Song" mit mir. Das ist ein großartiges Trio an Filmen, und vor allem sind sie alle enorm verschieden mit komplett unterschiedlichen Charakteren. Das ist genau das, was ich liebe. Es rückt meine Arbeit in ein sehr schönes Licht und es zeigt, wofür ich brenne.

Nicht nur dank "Venom 2" ist 2021 ein wichtiges Jahr in der Karriere von Naomie Harris.
Nicht nur dank "Venom 2" ist 2021 ein wichtiges Jahr in der Karriere von Naomie Harris.Bild: Sony Pictures Entertainment

Neben Blockbustern spielen also auch weiterhin kleinere Produktionen mit einem niedrigen Budget eine wichtige Rolle in deiner Karriere?

Ich mag die Mischung und unterscheide für mich auch gar nicht zwischen Blockbustern und Indie-Filmen. Für mich zählt, ob mich das Drehbuch und der Charakter begeistert, den ich darstellen soll. Der Regisseur und die anderen Darsteller spielen ebenfalls eine Rolle. Bei "Swan Song" habe ich wieder mit Mahershala Ali aus "Moonlight" gedreht, bei "Venom 2" waren es Andy Serkis, Woody Harrelson und Tom Hardy, die den Job interessant gemacht haben. Ich fühle mich auch geehrt, ein Teil der Bond-Familie zu sein und zu ihr zurückzukehren.

Gibt es denn noch ein anderes großes Franchise oder eine Film-Fortsetzung, die dich interessiert?

Willst du mir einen Job vermitteln? (lacht) Ich schätze, es wäre großartig, ein Teil von dem nächsten "Black Panther"-Film zu sein. Ich habe eine Freundin, die den Film dreht. Leider gibt es da keine Rolle für mich und ich drehe zeitgleich sowieso auch etwas anderes, sodass es leider nicht möglich ist. Aber ich war super beeindruckt von "Black Panther".

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