Die deutschen Nationalspielerinnen Alexandra Popp (Mitte) mit Sara Daebritz (links) und Giulia Gwinn verdienen ein Vielfaches weniger als ihre männlichen Kollegen.
Die deutschen Nationalspielerinnen Alexandra Popp (Mitte) mit Sara Daebritz (links) und Giulia Gwinn verdienen ein Vielfaches weniger als ihre männlichen Kollegen.
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WM-Prämien bei Frauen und Männern gehen weit auseinander – jetzt beginnt der Kampf

06.06.2019, 14:2907.06.2019, 08:21

1989 bekamen die deutschen Fußballfrauen als Siegprämie für den Europameistertitel ein Kaffeeservice geschenkt. Ein Preis, über den man sich ungefähr so sehr freut wie über eine Ohrfeige.

Seitdem sind 30 Jahre vergangen und es hat sich einiges geändert – am Freitag um 21 Uhr startet die Weltmeisterschaft der Frauen in Frankreich. Der Gastgeber empfängt Südkorea. Die Spielerinnen, die bei dieser WM antreten, kicken mittlerweile nicht mehr nur für ein Kaffeeservice: Sowohl im Spielalltag der Bundesliga, als auch bei Turnieren mit der Nationalmannschaft werden sie entlohnt. Und zwar so, dass es möglich ist, von dem Gehalt den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Das sieht auf den ersten Blick nach einem Fortschritt aus. Beim genaueren Hingucken gerät dieser Eindruck allerdings ins Stocken: Denn vergleicht man die Gehälter der Fußballfrauen mit denen der Männer, tun sich bedrückende Unterschiede auf.

Gegen genau diese Unterschiede wehrt sich jetzt das australische Frauen-Nationalteam. Die sogenannten "Matildas" fordern von der Fifa eine drastische Erhöhung des Preisgelds für die Weltmeisterschaft. Eine Forderung, mit der die australischen Spielerinnen für mächtig Aufsehen sorgen – überall, außer bei der Fifa selbst. Dort blieben die Vermittlungsversuche bisweilen unkommentiert.

Die Australierinnen kämpfen nicht nur um den Ball, – sondern auch um Gleichberechtigung im Fußball.
Die Australierinnen kämpfen nicht nur um den Ball, – sondern auch um Gleichberechtigung im Fußball.
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Doch davon lassen sich die Kickerinnen nicht verunsichern, denn sie sind bereit langen Atmen im Kampf gegen die Diskriminierung zu beweisen. Unterstützung bekommen sie dabei von der australischen Vereinigung der Profifußballer PFA.

Wie drastisch ist der Gender-Paygap im Fußball wirklich?

Das Gewinnerteam der Frauen-Weltmeisterschaft in Frankreich erhält 3,5 Millionen Euro Preisgeld. Der Vize wird mit umgerechnet 2,3 Millionen Euro entlohnt, so berichtet die Deutsche Presse-Agentur (DPA).

Bei den Männern fiel die Siegprämie deutlich höher aus: Laut der Fifa gingen 2018 an den Weltmeister Frankreich circa 32 Millionen Euro Preisgeld. Der Finalist Kroatien erhielt knapp 23 Millionen Euro.

Allen Grund zur Freude: Die Franzosen feiern den Weltmeistertitel 2018 und kassieren eine dicke Prämie.
Allen Grund zur Freude: Die Franzosen feiern den Weltmeistertitel 2018 und kassieren eine dicke Prämie.
Bild: imago sportfotodienst

Diese immensen Unterschiede machen sich auch bei der Gehaltsauszahlung bemerkbar:

Sollten die deutschen Spielerinnen den Weltmeistertitel holen, könnten sie mit einer Prämie von circa 75.000 Euro pro Kopf rechnen, schreibt Spiegel Online. Knapp 45.000 Euro gäbe es für die Teilnahme am Finale, 35.000 Euro sollen für die deutschen Spielerinnen locker gemacht werden, wenn sie den dritten Platz erreichen.

Hier tut der finanzielle Unterschied zwischen den Männern und Frauen fast weh: Denn die französischen Weltmeister bekamen nach dem Sieg im vergangenen Jahr knapp 350.000 Euro aufs Konto. In der kroatischen Nationalmannschaft kassierte jeder Spieler 200.000 Euro für die Teilnahme am Finale und die Drittplatzierten heimsten 150.000 Euro ein. Genau diese Beträge hätten auch die deutschen Kicker erhalten, wenn sie nicht schon in der Vorrunde rausgeflogen wären...

Diese Prämie erwartet die deutschen Frauen bei der anstehenden WM:

Weltmeisterinnen: 75.000 Euro
Finalistinnen: 45.000 Euro
Drittplatzierte: 35.000 Euro

Diese Prämie hätten die Männer vom DFB bei der WM 2018 ausgezahlt bekommen:

Weltmeister: 350.000 Euro
Finalist: 200.000 Euro
Drittplatzierte: 150.000 Euro

Die Unterschiede, was die Turnier-Entlohnung angeht, sind also gravierend. Doch bei der Rebellion der australischen Nationalmannschaft gegen die Fifa geht es nicht nur um die bloßen Geldsummen, die auf dem Konto landen. Es geht auch um das falsche Zeichen, das mit den ungleichen Prämien gesetzt wird.

Denn auch, wenn die Turniere der Männer mehr Aufmerksamkeit und medialen Wirbel erzeugen, und damit mehr Einnahmen generieren, ist das Engagement und die sportliche Belastung der Frauen ebenso hoch wie bei den männlichen Sportlern – Männer und Frauen leisten während einer Weltmeisterschaft faktisch das Gleiche.

Die geringere Bezahlung stellt also nicht nur eine finanzielle Ungerechtigkeit, sondern auch eine offensichtlich fehlende Wertschätzung derselben Leistung dar.

Die beste Spielerin der Welt spielt deswegen nicht mit

Diese Diskriminierung wollen sich auch andere Fußballerinnen nicht mehr gefallen lassen. Die mit dem Ballon d’Or ausgezeichnete Spielerin Ada Hegerberg weigerte sich wegen der Ungleichheit für die norwegische Auswahl zu spielen. Wegen eines Prämienstreits trat sie vor zwei Jahren zurück. Auch bei der nun anstehenden WM wird sie nicht dabei sein – ein herber Verlust für das norwegische Nationalteam. "Wir haben versucht, es zu lösen, aber sie hat sich dazu entschieden, nicht zu spielen", sagte Nationaltrainer Martin Sjögren vor einigen Wochen.

Star-Spielerin Hegerberg hat es satt: Solange sich nichts ändert, spielt sie nicht mehr für die Nationalmannschaft.
Star-Spielerin Hegerberg hat es satt: Solange sich nichts ändert, spielt sie nicht mehr für die Nationalmannschaft.
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Auch in den USA schlägt das Thema Wellen: Alex Morgan, Megan Rapinoe und Co. strengten eine Sammelklage wegen Diskriminierung gegen die USSF (United States Soccer Federation) an. Rapinoe wirft der Fifa zudem vor, dass sie nicht genug Einsatz zeige. "Die schrittweise Veränderung, die wir gesehen haben, ist nicht genug", sagte sie.

Erhört wurden die immer lauter werdenden Proteste der Fußballfrauen trotzdem nicht. Jedoch wurde mittlerweile eine Diskussion ins Rollen gebracht, die so schnell nicht mehr zu stoppen sein wird. Das ist zwar noch lange keine Lösung, aber zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

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