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Die "GNTM"-Finalrunde: Heidi Klum, Christian Anwander, Philipp Plein und Rebecca Mir (v.l.). Bild: Screenshot ProSieben

Wie ProSieben in drei Schritten das "GNTM"-Finale kaputt gemacht hat

Mit Jacky hat Deutschland sein neues Topmodel gefunden – das mittlerweile 15. Am Donnerstagabend kürte ProSieben seine Siegerin unter den Augen von 2,5 Millionen "GNTM"-Fans und einer virtuellen Heidi Klum, die ihre Kommentare aus einem Koffer heraus abgab.

Auch wenn die Show angesichts der Corona-Pandemie, einem Publikumsverbot, einem Abstandsgebot und einer physischen Abstinenz des Sendungsgesichts den Produzenten einiges abverlangt hatte, sorgte das Ergebnis, das den Zuschauern dort präsentiert wurde, einige Male für Stirnrunzeln.

Vor allem die ersten 20 Minuten machten das Zuschauen nur schwer erträglich. Denn obwohl das "Germany's next Topmodel"-Finale mit einigen Highlights, wie der fulminanten Tanz-Einlage zum Opening und einem Wiedersehen mit den "GNTM"-Allstars aufwarten konnte, sorgten drei Punkte an der Inszenierung für absolute Cringe-Momente, die die potenziell spektakuläre Live-Show deutlich ausbremste.

Die Moderation

Ein Model modelt, ein Moderator moderiert und ein Fotograf fotografiert. Eigentlich. Nicht aber so im ProSieben-Finale, das den Zuschauern mit Christian Anwander einen Vor-Ort-Ersatz für die nur aus Los Angeles zugeschaltete Heidi Klum präsentierte. Anwander, der in der Show die "Meeedchen" geshootet und Klum bereits bei einem Entscheidungs-Walk vertreten hatte, wirkte bemüht, doch seine Moderation bewegte sich zwischen hölzern und auswendig gelernt.

Die wurde vor allem deutlich, als er mit "GNTM"-Gesicht Rebecca Mir talkte, die durch ihre Moderations-Jobs bei ProSieben kompetenter wirkte als der eigentliche Gastgeber des Abends. Auch auf Twitter sorgte die Personalie für Unmut:

Der Koffer-Koller

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Fotograf Christian Anwander führte durch die Show, Heidi sagte aus einem Koffer heraus Hallo. bild: Screenshot prosieben

Irgendwie musste die in Los Angeles lebende und aufgrund der Corona-Pandemie nicht einreisen dürfende Heidi ja in die Show integriert werden. Die Art und Weise, wie dies angegangen wurde, wirkte jedoch maximal befremdlich. Ersatz-Moderator Anwander rollte einen Gepäcktrolley mit speckigen Lederkoffern auf die Bühne, aus einem heraus gab Klum dann ihre Kommentare und Bewertungen ab. Auf Twitter fühlten sich die "GNTM"-Zuschauer an die Kindersendung "Siebenstein" erinnert, in der ein sprechender Lederkoffer eine tragende Rolle spielte.

Noch peinlicher wurde die ganze Inszenierung, als der Moderator an Heidis Koffer-Sticker rubbelte, um sich wie bei einer Wunderlampe einen Wunsch erfüllen zu lassen.

Der Protz-Designer

Übertreibung macht anschaulich, muss sich Philipp Plein gedacht haben, als er mit einem Protz-Cabrio direkt ins "GNTM"-Studio fuhr. Plein, der teure Lederjacken und Skinny Jeans designt und sich selbst so richtig gut findet, hatte in der Staffel seine Sympathien ohnehin schon verspielt. Denn er hatte Kandidatin Tamara vor laufenden Kameras gedemütigt. Auch in der Gast-Juroren-Runde wirkte der Designer alles andere als liebenswürdig.

Die Protzerei Pleins war auch Koffer-Klum nicht entgangen, die direkt kommentierte: "Was für ein dezenter Auftritt."

Das unerwartete Highlight: Heidi fällt aus der Rolle

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Heidi Klum war im absoluten Finale-Mood. Bild: Screenshot ProSieben

Bei aller Häme für Koffer-Klum gab es nach der Siegerehrung tatsächlich noch einen emotionalen Moment. Denn Heidi, sonst immer quietschfidel und bestens gelaunt, bedankte sich in ihren Abschiedsworten zunächst bei Kandidatinnen, Juroren und Fans. Und kann gab sie der "GNTM"-Community eine wichtige (und vor allem ernste) Botschaft mit in die Nacht. Sie erklärte:

"Eine Sache liegt mir noch auf dem Herzen. Hört bitte auf, euren Hass abzuladen, Leute. Egal, ob ihr die Person kennt oder nicht. Es passieren gerade so viele scheiß Sachen auf der Welt. Ich bitte um mehr Toleranz und weniger Hass und Missgunst. Kehrt doch vor eurer eigenen Tür. In diesem Sinne: I love you, guys!"

Zum Hintergrund: Finalistin Lijana war noch in der Live-Show freiwillig aus dem Wettbewerb ausgestiegen. Sie hatte in den vergangenen Wochen mit Hass-Attacken zu kämpfen, bekam Morddrohungen und musste von der Polizei zum "GNTM"-Finale begleitet werden.

(ab)

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Nach "GNTM"-Ausstieg: Lijana nennt die drastischen Gründe, warum sie ging

Lijana hatte während ihrer Zeit in der Heidi-Klum-Show von allen Kandidatinnen am meisten mit Anfeindungen zu kämpfen. Sogar Morddrohungen habe sie erhalten. Auf der Straße sei sie angespuckt, ihr Auto zugemüllt worden. Kurz vor dem Finale sagte sie noch: "Ich möchte 'Germany’s next Topmodel' werden und durch meine Reichweite ein Zeichen gegen Mobbing setzen." Doch dieser Traum wurde schnell zum Albtraum.

Während ihres letzten Live-Walks trug Lijana zunächst eine Jacke, auf die Worte wie …

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