Vor allem junge Leute brauchen eine Perspektive.
Vor allem junge Leute brauchen eine Perspektive.
Bild: www.imago-images.de / Rupert Oberhäuser
Meinung

Verlorene Jahre in der Pandemie: Darum brauchen wir einen Freedom Day

Vor allem Jugendlichen wurden durch Corona prägende Jahre genommen. Die Gesellschaft verdient eine klare Ansage, an welchem Datum wir zurück zur Normalität kehren. Ein Kommentar.
24.09.2021, 13:2124.09.2021, 13:42

Ja, wir brauchen einen „Freedom Day“. Also ein festes Datum, an dem wir die Pandemie offiziell für politisch beendet erklären. Krankheiten sind unterhalb einer gewissen Eskalationsstufe zuerst eines: Ein privates, manchmal ein gesellschaftliches Schicksal.

Die dauerhafte Aushebelung elementarer Grundrechte muss gut begründet und zeitlich begrenzt werden. Die Infektionszahlen in Deutschland gehen zurück. Wer will, kann sich schnell und unbürokratisch impfen lassen. Wer nicht will, wird seine Gründe haben – und muss die Konsequenzen dann bitte selbst tragen, statt sie der Gesellschaft aufzubürden.

Dass es daneben auch Menschen gibt, die sich nicht impfen lassen können, ist wahr und im weiteren Sinne ungerecht. Aber in der realen Welt lassen sich nicht alle Widersprüche auflösen.

Schlangestehen für die Impfung.
Schlangestehen für die Impfung.
Bild: dpa / Fabian Sommer

Große Teile der Gesellschaft haben in der Pandemie Übermenschliches geleistet. Alleinerziehende Eltern im Homeoffice. Medizinisches Personal: Ärztinnen und Pfleger in 30-Stunden-Schichten. Bundeswehr-Soldaten im Hilfsdienst in Impfzentren. Die mattgesetzten Menschen des Gastro-und Kulturgewerbes, deren soziales und berufliches Leben urplötzlich eingefroren wurde. Und nicht zuletzt: Kinder und Jugendliche.

Kleinere Kinder kennen keine Welt ohne Covid-19. Also ohne das Gefühl, dass alles und jeder eine potenzielle Gefahr für Leib und Leben sein kann. Eine Welt ohne Masken, in der man frei auf dem Spielplatz herumtobt, die Köpfe zusammensteckt und seine Lieblings-Tante umarmt.

Eine Sturm- und Drang-Phase im Strandkorb, mit 1,5 Meter Abstand

Und dann die Jugendlichen und Heranwachsenden. Der erste Kuss, der erste Absturz auf einer Party, das erste Konzert, die ersten Semester auf dem Uni-Campus. Die ersten Karriereschritte. Sämtliche prägenden Eindrücke wurden ins emotionale Home-Office verbannt. Eine Sturm- und Drang-Phase im Strandkorb, mit 1,5 Meter Abstand.

Für Menschen jenseits der 25 sind zwei Jahre im Rückblick nichts oder nicht viel. Wem diese Jahre aber zwischen 12 und 20 genommen wurden, für den sind sie eine Ewigkeit. Vor allem ihnen schulden wir ein konkretes Datum, ab dem sie gemeinsam mit dem Rest der Gesellschaft zurück ins Leben finden. Und nachholen können, was noch nachzuholen ist.

Die nächste Bundeskanzlerin sollte sich zum "Freedom Day" schnell eine Meinung bilden

Das muss nicht unbedingt schon Ende Oktober sein, wie Kassenärztechef Andreas Gassen gefordert hat. Gesundheitsminister Jens Spahn spricht von einer Herdenimmunität im Frühjahr. Das wäre als Zeitpunkt – ein Verzicht auf einen weiteren Lockdown vorausgesetzt – für viele sicher auch zu verkraften.

Wenn es Hoffnung gibt. Wenn die Menschen wissen, wann sie sich wieder ungehemmt ihrem persönlichen Streben nach Glück und Zerstreuung, Inspiration und menschlicher Nähe widmen können.

Aber dazu brauchen wir einen konkreten Tag, an dem ohne handfeste Gründe nicht mehr gerüttelt werden kann. Die nächste Bundeskanzlerin sollte sich dazu schnell eine Meinung bilden.

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