Vor Supermärkten wie Rewe halten sich in Großstädten oft Obdachlose auf, die nach Geld fragen.
Vor Supermärkten wie Rewe halten sich in Großstädten oft Obdachlose auf, die nach Geld fragen.bild: IMAGO / Wolfgang Maria Weber
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Supermarkt: Rewe sorgt mit Schild für Aufregung – Kunde ruft zu Boykott auf

25.11.2022, 08:57
Helen Kleinschmidt
Helen Kleinschmidt
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In Großstädten werden Passant:innen häufiger von Obdachlosen angesprochen, die nach ein bisschen Kleingeld fragen. Gerade vor Supermärkten sitzen öfter mal Personen, die auf ein paar Euros der Kund:innen angewiesen sind. Eine Rewe-Filiale in Köln wollte dem nun ein Ende setzen.

Offenbar hat ein Filialleiter im Stadtteil Köln-Nippes keine Lust mehr darauf, dass sich Obdachlose und Bettler:innen vor seinem Markt ansiedeln. Jedenfalls stand vor dieser Filiale mehrere Tage lang ein Schild mit einer Botschaft, die einigen wohl bitter aufstieß: "Bitte nichts spenden – uns nerven die Dauer-Bettler."

Rewe-Filialleiter verteidigt das Schild

Am Montag konfrontierte die "Bild" die Geschäftsleitung mit der provokanten Aussage. Es wurde bestätigt, dass das Schild bis vor Kurzem noch vor dem Laden stand – inzwischen ist es dort nämlich nicht mehr zu sehen.

Filialleiter Fabian Bestgen äußerte sich gegenüber "Bild":

"Wir haben hier ein Problem mit einer Art Bettler-Gemeinschaft. Die Bettler sitzen vor unserem Laden, wollen Geld von Kunden. Wenn die ihnen stattdessen Essen aus unserem Markt spenden, landet das im Müll."

Das sei nicht nur für die Leitung, sondern auch für Kund:innen ein Ärgernis, die den Betroffenen helfen wollen.

"Das wollen wir verhindern. Es geht uns ausdrücklich nicht um Obdachlose, die Geld oder Lebensmittel brauchen, um über die Runden zu kommen." Bei den Kund:innen komme das Vorgehen bislang gut an.

Rewes Anti-Bettler-Botschaft sorgt für Aufruhr

Doch im Internet fanden sich schon zahlreiche Nutzer:innen, die sich lautstark über das Schild beschwerten. "Wie ekelhaft kann man sein? Also da geh' ich nicht mehr einkaufen", lautete ein Kommentar auf Facebook. Ein Twitter-User rief sogar zum Rewe-Boykott auf.

Andere zeigten Verständnis: "Also ehrlich gesagt, nerven die mich auch", schrieb jemand auf Facebook. Auf Twitter bemerkte ein Nutzer, dass auch er vor einer anderen Rewe-Filiale schon Personen gesehen habe, die er als "Simulanten-Bettler" bezeichnete.

Verein für Obdachlose sieht den Aufsteller kritisch

Dennis Bucek vom Verein "Straßenwächter", der sich um Obdachlose kümmert, ordnete den Vorfall ein: "Es gibt da ein strukturelles Obdachlosen-Problem von Menschen, die des reinen Geldes wegen betteln und nicht, weil sie es unbedingt brauchen."

Trotz dessen sieht er den Aufsteller samt Botschaft problematisch: "Das Schild stößt die Menschen vor den Kopf. In der Regel sind das Ausnahmen – da hätte es ein normales Hausverbot auch getan."

Die Rewe-Zentrale habe nun laut "Bild" verboten, das Schild erneut aufzustellen, wie es eigentlich geplant war.

Supermarkt: Edeka hat neuen Partner in Frankreich – Vergleich zeigt deutliches Ergebnis

Die Inflation belastet die Haushaltskassen der Deutschen massiv. Zwar hat die Teuerungsrate mittlerweile leicht abgenommen. Sie ist aber immer noch "viel zu hoch", wie auch die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, die Lage kürzlich beschrieb. Die Teuerung betrifft den gesamten Euro-Raum. Sie sich vor allem bei den Preisen in den Regalen von Supermärkten und Discountern bemerkbar. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede – je nach Land.

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