Kevin Kühnert ist schon im Wahlkampfmodus.
Kevin Kühnert ist schon im Wahlkampfmodus.
bild: screenshot ard

Bei Plasberg: Bosbach und Kühnert geraten aneinander

20.04.2021, 06:2820.04.2021, 08:21
Dirk Krampitz

Die Grünen haben mit Annalena Baerbock ihre Kanzlerkandidatin gekürt, während sich die Union zuletzt immer weiter verstrickte in der Kanzlerkandidaten-Frage um Armin Laschet oder Markus Söder. Und wenn CDU/CSU so weitermachen, sei "Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock nicht nur ein Wahlkampftitel, sondern eine echte Machtoption", unkt Moderator Frank Plasberg. "Offener Kampf bei den Schwarzen, Harmonie bei den Grünen – Wie findet man die Besten fürs Kanzleramt?" lautet das Thema der Sendung. Plasberg diskutiert mit:

  • Anton Hofreiter, B'90/Grüne, Fraktionsvorsitzender
  • Wolfgang Bosbach, ehem. stellv. Vorsitzender der Unionsfraktion
  • Kevin Kühnert, SPD, stellv. Parteivorsitzender
  • Martin Richenhagen, war bis Ende 2020 Chef des Landmaschinenherstellers AGCO
  • Helene Bubrowski, Korrespondentin in der "FAZ"-Parlamentsredaktion in Berlin
  • Anna Clauß, "Spiegel"-Korrespondentin in München und Söder-Biografin
Anton Hofreiter hat keinen Grund zur schlechten Laune – aber besonders gut gelaunt wirkt er nicht.
Anton Hofreiter hat keinen Grund zur schlechten Laune – aber besonders gut gelaunt wirkt er nicht.
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Selbstbewusst thront Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter inmitten des Halbrunds. Seine Partei steht seit langem enorm gut da und an diesem Montag haben die beiden Vorsitzenden Robert Habeck und Annalena Baerbock einträchtig Baerbock als Kanzlerkandidatin ausgerufen. Die Bestätigung "ganz basisdemokratisch" durch die Partei steht noch aus, aber niemand erwartet Überraschungen, geschweige denn ein Chaos wie aktuell bei der CDU.

Wann er von der Entscheidung für Baerbock erfahren habe, will Frank Plasberg von Anton Hofreiter wissen. Der wirkt überraschend einsilbig angesichts einer Frage, die ja eher Smalltalk-Niveau hat.

"So kurzfristig, dass man sich nicht aus Versehen verplappert."
Anton Hofreiter

Und auch auf Nachfragen hin, ist ihm keine klare Antwort zu entlocken. Es klingt so, als hätte er auch erst am Montag davon erfahren wie auch die Öffentlichkeit. Klare Entscheidung, klare Kommunikation. Und so versucht Hofreiter auch, seinen Grünen Kredibilität in der Wirtschaft zu verschaffen. Er sei nicht nur "bei den Windbauern und Ökobauern unterwegs“ gewesen, sondern habe auch mit der Industrie sehr konstruktiv über eine ökologischere Stahlproduktion gesprochen. Mit CO2-Steuer, "weil die Atmosphäre keine Rechnungen schickt und sonst von allen als kostenlose CO2-Deponie benutzt wird".

Und obwohl er klar macht, dass der Umbau zu einer zukunftsorientierten Industrie ohne Milliarden an staatlicher Unterstützung nicht funktioniert, zieht der Bundesverband der Deutschen Industrie doch ein eher negatives Fazit zum Wahlprogramm der Grünen für die Wirtschaft: "Wenig Licht viel Schatten" lautet das schriftliche Kurzurteil, das die Redaktion einblendet.

Und so ähnlich sieht es auch der frischverrentete Manager Martin Riechenhagen. Er kritisiert, dass im Wahlprogramm der Grünen nicht benannt würde, wie sie die enormen Investitionen denn bezahlen wollen. Seine Mutmaßung: "Weil das sonst auch die Harmonie bei den Grünen zerstören würde."

Keiner traut der Grünen-Harmonie

"FAZ"-Journalistin Helene Bubrowski glaubt, dass die Aussicht auf Posten befriedend wirkt.
"FAZ"-Journalistin Helene Bubrowski glaubt, dass die Aussicht auf Posten befriedend wirkt.
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Die Harmonie bei den Grünen scheint ein Reizthema zu sein. Auch für die "FAZ"-Journalistin Helene Bubrowski.

"Für den Moment haben die Grünen da sicherlich einen Stich gemacht. Die Frage ist: Wie geschlossen ist die Partei wirklich?"
Helene Bubrowski

Mit der Aussicht auf die Macht würden alle auch auf Posten hoffen. "So eine Machtperspektive diszipliniert natürlich ungemein. Wo haben Sie sich denn das letzte Mal gestritten?", fragt sie Anton Hofreiter.

Seltsam, dass es bei den Grünen noch immer irgendwie als Ausweis an Authentizität gilt, wenn sie nicht einer Meinung sind, während das bei der Union fast schon als Endzeitzeichen gedeutet wird. Aber Hofreiter bemüht sich auch gleich, den Eindruck von zu viel schläfriger Harmonie zu zerstreuen. "Wir sind ja berüchtigt dafür, Anträge über Anträge zu stellen und Positionspapier über Positionspapier zu schreiben", es gebe noch immer "intensive Debatten". Aber gut, mit dem Kanzlerkandidatenstreit in der Union kann im Moment niemand mithalten.

Kühnerts "Amüsement" über die Union

Kevin Kühnert spürt "ein gewisses Amüsement".
Kevin Kühnert spürt "ein gewisses Amüsement".
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"Das ist schon ein außergewöhnlicher Vorgang", sagt Kevin Kühnert, stellvertretender Parteivorsitzender der SPD, er sei da hin und her gerissen. Aber manchmal empfinde er schon "ein gewisses Amüsement" beim Blick auf den Koalitionspartner.

"Da kann man nicht anders als zu schmunzeln."
Kevin Kühnert

Aber schnell wechselt er wieder in den Politiker- und wohl auch Wahlkampfmodus und fragt, wie es denn sich wohl für die Angehörigen der 80.000 Pandemie-Opfer in Deutschland anfühle, wenn sich die Union mehr um sich als um die Bewältigung der Pandemie kümmere. "Es wäre schon gut, wenn wir jetzt mal wieder in einen richtigen Arbeitsmodus reinkommen würden. Die Regierung kommt mir gerade gelähmt vor – beim Infektionsschutzgesetz ist noch viel zu tun."

Bosbach und Kühnert geraten aneinander

Wolfgang Bosbach sorgt sich um seine CDU.
Wolfgang Bosbach sorgt sich um seine CDU.
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Wolfgang Bosbach, ehemaliger stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion, gibt zu: "Wir geben als Union kein gutes Bild ab." Er fürchtet, dass das die Union auch Stimmen kostet. Die Grünen hätten "einen deutlichen Schritt gemacht in Richtung Mitte", und so warnt er indirekt alle Unions-Wähler, die mit Grün liebäugeln: "Wenn es für rot-rot-grün reicht, wird es rot-rot-grün geben." Sofort verbittet sich Kevin Kühnert "irgendwelche Socken-Kampagnen".

Es ist ein munterer Talk, dank Kühnert. Er streitet sich mit Hofreiter über die Besteuerungspläne von Konzernen wie Amazon, die Hofreiter seitens der SPD gar nicht mitbekommen haben will ("Herr Hofreiter, sie sind Fraktionsvorsitzender einer Partei im Bundestag ...") und mit Bosbach über die Vermögenssteuer und Höchststeuersätze.

Das Programm der Grünen sei noch "sehr unkonkret", sagt Bosbach. Kühnert kontert. "Herr Bosbach, ich würde ja gerne das Konzept ihrer Partei miteinbeziehen, aber Sie haben ja keins." Und später urteilt er noch über die beiden Unions-Kandidaten: "Wir können sagen, wie dieser oder jene CDU-Kreisvorsitzende für Söder abgestimmt hat, aber kein Mensch weiß, wofür Markus Söder steht und niemand weiß, wofür Armin Laschet steht."

Söder "simuliert Selbstironie"

Spiegel-Journalistin Anna Clauß glaubt, Söder "simuliert Selbstironie".
Spiegel-Journalistin Anna Clauß glaubt, Söder "simuliert Selbstironie".
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Zumindest über den Menschen Markus Söder soll Anna Clauß, "Spiegel"-Korrespondentin in München und Söder-Biografin, Auskunft geben im Einzelgespräch. "Die Risikobereitschaft, die er jetzt zeigt, hat mich schon überrascht, er geht schon aufs Ganze", sagt sie. "Natürlich geht es Markus Söder um die Macht." Dann versuchen sie, sich dem Menschen Markus Söder zu nähern. "Er simuliert immer ein bisschen Selbstironie", glaubt sie.

"Er ist ganz gut darin, Kritik zu ertragen, darin würde ich ihn stärker einschätzen als im Humor", aber er habe "Lust an der rhetorischen Rangelei". Schließlich habe er ja auch oft kämpfen müssen und sich dabei "eine Art Schildkrötenpanzer entwickelt und Gegenwind in eigene Stärke umgemünzt". Schwächen zeige er eher im direkten Wählerkontakt: "Wenn er zu lange mit den Bürgern vor Ort sprechen muss, hat man den Eindruck, er guckt auf die Uhr und sagt: 'Sorry, ich muss weg.'"

Plasberg ungewollt eklig

"Hart aber fair" endet diesmal ungewohnt mit den Zuschauerkommentaren - wohl auch, weil die ganze Zeit im Raum stand, dass die Union sich vielleicht doch noch während der Sendezeit für einen Kandidaten entscheidet. Es gab auch eine ergebnislose Live-Schalte zu Tina Hassel vor die CDU-Zentrale. Die ungewohnte Struktur hat offenbar auch den Moderator etwas verwirrt.

Als ein Zuschauer-Kommentar am Ende Söders trotziges Beharren gutheißt, weil er "der Berliner Blase was hustet", versucht Frank Plasberg einen Übergang zu den "Tagesthemen". "Und was beim Husten rauskommt ...", sagt er, stockt, weil er merkt, dass das nicht elegant, sondern ziemlich eklig klingt. "Schreckliche Überleitung – das schneiden wir raus", sagt der Moderator und schmunzelt "aus einer Live-Sendung“.

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