08.12.2020, Gro

Applaus in einem historischer Moment: Die Britin Margaret Keenan wurde als erste geimpft. Bild: dpa / Jacob King

90-jährige Britin als erste mit Biontech-Impfstoff geimpft – Start in Großbritannien

In Großbritannien haben die Massenimpfungen mit dem Corona-Impfstoff von Biontech-Pfizer begonnen. Als erster Mensch der Welt seit der Zulassung des Impfstoffs sei die 90-jährige Britin Margaret Keenan geimpft worden, berichtete die BBC am Dienstagmorgen. In der ersten Phase sollen 800.000 Dosen des Impfstoffs verabreicht werden.

Das Vereinigte Königreich hatte das in Deutschland entwickelte Vakzin von Biontech-Pfizer als erstes Land der Welt zugelassen; in der ersten Phase sollen Menschen über 80 Jahre sowie Gesundheits- und Pflegepersonal geimpft werden.

Zur Zielgruppe gehören auch die 94-jährige Queen Elizabeth II. und ihr 99-jähriger Mann, Prinz Philipp. Laut einem Bericht der "Sunday Times" wollen sie sich frühzeitig impfen lassen, um ein "mächtiges Gegengewicht zur Bewegung der Impfgegner" zu bieten.

Großbritannien hatte dem Biontech-Pfizer-Impfstoff am vergangenen Mittwoch als erstes Land der Welt eine Notfallzulassung erteilt. Insgesamt wurde die Lieferung von 40 Millionen Dosen vereinbart, noch in diesem Jahr sollen vier Millionen Impfdosen in dem Land eintreffen Weitere Impfstoff-Kandidaten könnten bald folgen. Mehrere hundert Millionen weitere werden von anderen Impfherstellern erwartet, deren Präparate bisher noch nicht zugelassen sind. In China und Russland sind bereits Produkte heimischer Hersteller im Einsatz.

Für vollen Schutz zweite Impfung nötig

"Ich fühle mich so privilegiert, die erste Person zu sein, die gegen Covid-19 geimpft wird", sagte Keenan, die von Freunden nur "Maggie" genannt wird, der Mitteilung zufolge. In drei Wochen soll die ehemalige Mitarbeiterin eines Juwelier-Geschäfts eine zweite Injektion erhalten. Für den vollen Impfschutz werden zwei Dosen pro Person benötigt.

Sie freue sich darauf, im neuen Jahr Zeit mit ihrer Familie und Freunden zu verbringen, nachdem sie im laufenden Jahr meistens alleine gewesen sei. Ihre Landsleute rief "Maggie" dazu auf, sich ebenfalls impfen zu lassen:

"Wenn ich sie mit 90 bekommen kann, können Sie es auch."

Als zweiter soll in der Uni-Klinik in Coventry ein Mann namens William Shakespeare an die Reihe gekommen sein, wie ein BBC-Reporter auf Twitter berichtete. Der 81-Jährige komme wie sein berühmter Namensvetter aus der Grafschaft Warwickshire.

Johnson lobt: "Riesiger Schritt vorwärts"

Premierminister Boris Johnson lobte den Start flächendeckender Corona-Impfungen in seinem Land als "riesigen Schritt vorwärts". "Ich bin sehr stolz auf die Wissenschaftler, die den Impfstoff entwickelt haben, auf Bürgerinnen und Bürger, die an den Versuchen teilgenommen haben, und auf den (nationalen Gesundheitsdienst) NHS, der unermüdlich die Auslieferung vorbereitet hat", sagte Johnson.

Die logistische Herausforderung ist groß, weil das Mittel auf minus 70 Grad Celsius gekühlt werden muss. Die britische Regierung will Medienberichten zufolge das in Belgien produzierte Präparat notfalls mit Militärflugzeugen einfliegen, damit es nicht im befürchteten Brexit-Verkehrschaos stecken bleibt. Ein Regierungssprecher wollte das nicht bestätigen, sagte aber: "Das Militär wird eine wichtige Rolle spielen bei der enormen logistischen Herausforderung."

Großbritannien ist eines der am stärksten von Corona betroffenen Länder in Europa. Am Montag meldete die Regierung 14.718 weitere Corona-Fälle, 189 Menschen seien innerhalb von 28 Tagen nach einem Positivtest gestorben. Insgesamt gab es bisher etwa 77.000 Todesfälle, die mit Covid-19 in Verbindung stehen. Premier Johnson betonte, die Massenimpfung werde einige Zeit dauern. Deshalb müssten weiterhin alle Hygieneregeln eingehalten werden.

(andi/afp/dpa)