Bild

Trümmerteile des abgestürzten ukrainischen Flugzeugs im Iran. Bild: picture alliance/Aref Fathi/dpa

Flugzeugabsturz im Iran: Ermittler gehen 7 Thesen nach

Die kurz nach dem Start in Teheran abgestürzte ukrainische Passagiermaschine hat nach ersten Erkenntnissen der iranischen Ermittler noch versucht, zum Flughafen zurückzukehren. Augenzeugen berichteten demnach von einem Brand an Bord der Maschine.

Teheran will die Flugschreiber im "Ausland" auswerten lassen, zudem wurden ukrainische Experten an den Untersuchungen vor Ort beteiligt. Diese schlossen einen Raketeneinschlag als Absturzursache nicht grundsätzlich aus. Ukraines Staatschef Wolodymyr Selenskyj rief für Donnerstag Staatstrauer aus.

Die Boeing 737 der privaten Fluggesellschaft UIA war am frühen Mittwochmorgen zwei Minuten nach dem Start plötzlich von den Radarschirmen verschwunden, keiner der 176 Insassen überlebte das Unglück. Die Maschine habe sich zum Zeitpunkt des Absturzes wegen eines "Problems" bereits auf dem Rückflug befunden, erklärte die iranische Zivilluftfahrt-Organisation (CAO) in der Nacht zum Donnerstag.

Augenzeugen wollen
Feuer gesehen haben

Augenzeugen am Boden und an Bord eines zweiten Flugzeugs, das sich zu Beginn des Unglücks über der ukrainischen Boeing befand, berichteten laut CAO von einem Feuer an Bord der Unglücksmaschine, das an "Intensität zunahm". Kurz nach Beginn des Brands sei die ukrainische Maschine abgedreht. Sie verschwand demnach bei einer Flughöhe von 8000 Fuß (2400 Metern) von den Radarschirmen, doch habe der Pilot keinen Notruf abgesetzt.

An Bord der Boeing 737 waren nach Angaben der Regierung in Kiew unter anderem 82 Iraner, 63 Kanadier sowie zehn Schweden, drei Briten, vier Afghanen und elf Ukrainer. Neun der Ukrainer waren Besatzungsmitglieder.

Bei einer Gedenkzeremonie für die ukrainischen Opfer am Flughafen von Kiew rief Präsident Selenskyj erneut dazu auf, keine Spekulationen zu den Absturzursachen zu verbreiten. Priorität sei es, die wahren Gründe für den Absturz herauszufinden. An den Ermittlungen vor Ort und der "Entschlüsselung der Flugschreiber" beteiligten sich nach seinen Angaben 45 ukrainische Behördenvertreter und Experten.

Flug PS752 war kurz nach iranischen Raketenangriffen auf zwei von den US-Streitkräften genutzte Militärstützpunkte im Irak abgestürzt. Die Ursache war am Donnerstag weiter unklar.

Ermittler gehen sieben
Thesen nach

Die ukrainischen Ermittler untersuchen nach den Worten des Sekretärs des nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats, Oleksij Danilow, sieben Thesen, darunter eine Explosion des Triebwerks aufgrund eines technischen Problems, einen Bombenanschlag sowie den Einschlag einer iranischen Abwehrrakete.

Derzeit gebe es allerdings keinen Hinweis auf einen Raketeneinschlag, sagte Danilow der Nachrichtenagentur AFP. Nach seinen Angaben waren einige der Experten bereits an den Ermittlungen zum Absturz von Flug MH17 beteiligt, der 2014 über der Ostukraine von einer Rakete getroffen worden war.

Teheran hatte sich am Mittwoch geweigert, die Flugschreiber den USA oder Boeing zur Auswertung zu überlassen. Außer den USA sind nur wenige Länder technisch zu einer Analyse der "Black Boxes" in der Lage, darunter Deutschland und Frankreich.

Die ukrainische Unglücksmaschine war laut UIA erst am Montag technisch überprüft worden. Es war der erste tödliche Absturz einer UIA-Maschine.

(pcl/afp)

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0