Deutschland
Bild

Bei einer Kundgebung vor der Berliner Messe mit Attila Hildmann kam es zu Angriffen auf Journalisten. Bild: Screenshot Twitter/ Jüdisches Forum

"Wir werden eure Namen finden": Attila Hildmann bedroht Journalisten

Am Samstag rief Vegan-Koch und Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann zu einer Kundgebung vor dem Berliner Messegebäude auf. Zuvor hatte er einen Autokorso vom Olympischen Platz bis zur Messe angemeldet. Laut Polizeiangaben nahmen etwa 200 Menschen in 80 Fahrzeugen teil. Am Rande der Demonstration "für Grundrechte und Menschenrechte, gegen die Pharmamafia und Großkonzerne, die Deutschland verraten haben" kam es zu Angriffen und Einschüchterungen gegen Journalisten.

Das Jüdische Forum dokumentierte den Vorfall und postete ihn auf Twitter. In dem Video ist zu sehen, wie Attila Hildmann auf den Journalisten zu kommt. "Ihr denkt, ihr seid Antifaschisten. Das einzige, was ihr macht, ihr seid Faschisten", so Hildmann.

Er fügt hinzu:

"Wir werden eure Namen finden und dann gucken wir mal weiter."

Anschließend knüpft sich Hildmann weitere Pressevertreter vor. "Und wer bist du? Machst hier auch Welle, ja? Zisch mal ab", sagt er zu einem anderen Mann. "Ich weiß genau wer ihr alle seid. Ihr kleinen Internetgangster." Hildmann teilt daraufhin weitere Beleidigungen aus: "Die Damenbinde, die du da in der Fresse hast."

Die Stimmung wird zunehmend aggressiver, der Pressevertreter weicht zurück, wird aber von Hildmanns Anhängern weiterhin bedrängt, dann schlägt eine Person aus der Gruppe gegen die Kamera.

Kritik am Vorgehen der Polizei

Der Journalist fordert die Polizisten auf, mehr Beamte hinzuzuziehen. Daraufhin fragt einer aus Hildmanns Gruppe: "Haben Sie Angst?" Erst danach greifen die Polizisten, die bis dahin daneben standen und die Drohungen ignorierten, zögerlich ein. Auf Twitter wurde das Vorgehen der Polizei kritisiert. Sie hätten den Pressevertreter früher schützen müssen, heißt es.

In einer Antwort der Polizei Berlin heißt es: "Wir haben die Pflicht, Versammlungen ungeachtet ihres Themas & die Pressefreiheit zu schützen. Provokantes oder aggressives Verhalten aus Versammlungen heraus wird immer auch strafrechtlich bewertet. Wir lassen den Fall mit in die Vorbereitung künftiger Einsätze einfließen."

Die Messe Berlin distanzierte sich von der Veranstaltung vor dem Gebäude.

Staatsschutz ermittelt gegen Hildmann

Bereits seit einigen Monaten fält der Vegan-Koch mit irren Verschwörungsmythen auf. Vor allem in Telegram-Gruppen hatte Hildmann antisemitische und holocaustverharmlosend Aussagen gepostet. Bundeskanzlerin Angela Merkel sei schlimmer als Adolf Hitler, hatte er beispielsweise gesagt, was kürzlich den Staatsschutz veranlasste, gegen Hildmann zu ermitteln.

(lau)

5
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hansi Daurippel 29.06.2020 17:34
    Highlight Highlight Ein bundesweit bekannter Antisemit bedrängt und bedroht jüdische Journalisten und die Polizei steht teilnahmlos daneben. Ich fasse es nicht.
  • Steffen Wahl 29.06.2020 12:11
    Highlight Highlight ich lese immer " ... Vegan-Koch und Verschwörungstheoretiker ...",
    aber ich werde den eindruck nich los, der erste teil kann inzwischen getrost weggelassen werden bei dem typen ...
  • Martin Schmidt (1) 29.06.2020 10:26
    Highlight Highlight Wieso bekommt so ein Typ mit offensichtlich
    schwer psychologischen Auffälligkeiten immer wieder eine Plattform und wird nicht einfach eingewiesen....
  • Stefan 29.06.2020 09:59
    Highlight Highlight kann man den nicht in die Psychiatrie einweisen?
  • Rik Shaw 29.06.2020 08:22
    Highlight Highlight Vermutlich waren die Polizisten nicht dienstlich da, sondern als DemoTeilnehmer / Sympathisanten.

Ausschreitung in Stuttgart: Baydar nimmt Jugendliche in Schutz – Kriminalbeamter lacht ironisch

Gibt es strukturellen Rassismus in den deutschen Polizeibehörden? Eigentlich soll es bei "Maybrit Illner" vorrangig um die Gewalt gegen Polizisten in Stuttgart gehen, doch schnell entwickelt sich daraus eine Meta-Diskussion. Der NSU-Prozess, der "taz"-Artikel über die Polizei und viele weitere Themen kommen auf den Tisch – und die Gäste streiten sich ganz schön.

Gewalt gegen Polizisten – seit den Ausschreitungen in Stuttgart ein polarisierendes Thema. Bei einer Drogenkontrolle hatten sich Hunderte Jugendliche gegen die Polizisten vor Ort verbündet. Es kam zu körperlicher Gewalt und Plünderungen. Bei "Maybrit Illner" am Donnerstagabend im ZDF ging es um genau dieses Thema, polarisiert auch in der Talkrunde – und die Gäste verlieren dabei teilweise das Maß.

Vor allem im Blickpunkt: Kabarettistin Idil Baydar und Sebastian Fiedler, Vorsitzender des Bundes …

Artikel lesen
Link zum Artikel