09.04.2020, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn, spricht während einer Pressekonferenz der Landesregierung. Die Landesregierung präsentiert die ersten Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts «Covid-19 Case-Cluster-Study», das derzeit in Heinsberg durchgeführt wird, Foto: Federico Gambarini/dpa | Verwendung weltweit

Virologe Hendrick Streeck muss sich mit einer Strafanzeige auseinander setzen. Bild: dpa / Federico Gambarini

Anzeige wegen Heinsberg-Studie: Das sind die Vorwürfe gegen Streeck

Die Heinsberg-Studie ist jetzt ein Fall für die Staatanwaltschaft. Wie das Wirtschaftsmagazin "Capital" berichtet, ging vergangene Woche eine Strafanzeige im Zusammenhang mit der Studie bei der Kriminalpolizei ein. Diese sei inzwischen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden.

Darin werden unter anderem Vorwürfe gegen Studienleiter Streeck wegen Betrugs erhoben. Laut einem Bericht des Bonner "General-Anzeiger" ist die Anzeige um die 100 Seiten lang.

Dabei geht es vor allem um zwei Punkte. Wir fassen zusammen, was Streeck und seiner Studie vorgeworfen wird.

Wissenschaftler sollen falsche Angaben gemacht haben

Der Anzeigensteller, bei dem es sich um einen Wissenschaftler handeln soll, wirft Streeck offenbar vor, die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen getäuscht zu haben, um Drittmittel für die Studie einzuholen. Drittmittel sind Gelder, mit denen Wissenschaftler ihre Arbeit co-finanzieren. Ein Teil der Gelder kommt aus den Haushalten der Universitäten (und damit meist aus Steuergeldern, da die meisten Unis staatliche Einrichtungen sind).

Studien mit Versuchspersonen können nach gängigen wissenschaftlichen Standards nur beginnen, wenn sie ein solches positives Votum einer Ethikkommission erhalten haben. Sollte dies bei Studienbeginn nicht der Fall gewesen sein, wäre das ein schwerer Verstoß, der unter Umständen sogar in Zurückziehung der Studie münden könnte.

Am Mittwochabend war Streeck bei "Markus Lanz" zu Gast, wo er auf die Anzeige angesprochen wurde. "Ich habe erst kurz vor der Sendung von der Anzeige erfahren. Die Studie ist sauber gelaufen", verteidigte sich der Virologe. Er betonte erneut, die Studie habe ein positives Votum erhalten.

Studie soll "erfundene Ergebnisse" geliefert haben

Außerdem habe der Virologe anstelle der mit dem Auftraggeber vereinbarten wissenschaftlich basierten Erkenntnisse und Fakten aber zum Teil "erfundene Forschungsergebnisse" geliefert, heißt es in der Anzeige laut "Capital"-Bericht.

Dieser Vorwurf wiegt auch deswegen schwer, weil sich die NRW-Landesregierung auf eben jene Ergebnisse stützte, um ihren Kurs bei der Lockerung der Corona-Maßnahmen zur begründen.

Laut "Capital" ist in diesem Zusammenhang ebenfalls eine Strafanzeige gegen die Landesregierung eingegangen. Der Vorwurf: Die Regierung habe das angebliche Fehlverhalten der Bonner Wissenschaftler gedeckt. Bisher hat sich die Landesregierung nicht zu diesem Vorwurf geäußert.

(pcl)

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