Der 39-jährige Hauptangeklagte kommt in den Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern.
Der 39-jährige Hauptangeklagte kommt in den Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern.Bild: dpa-Pool / Uwe Anspach

Polizistenmord-Prozess: Angeklagter weist Vorwurf unter Tränen zurück

28.06.2022, 18:05

Teils unter Tränen hat der Hauptangeklagte den Mordvorwurf im Prozess um zwei erschossene Polizisten zurückgewiesen. In seiner ersten persönlich abgegebenen Erklärung vor dem Landgericht Kaiserslautern sagte der 39 Jahre alte Mann am Dienstag, er habe bei einer nächtlichen Fahrzeugkontrolle Ende Januar bei Kusel (Pfalz) zwar mit einem Gewehr drei Schüsse auf einen Polizisten abgegeben – dieser habe aber zuerst geschossen.

"Das hat vor mir aufgeblitzt, das hat ins Fahrzeug eingeschlagen. Ich konnte die Situation gar nicht greifen", sagte der Mann in seiner rund zwei Stunden langen Einlassung, gelegentlich von Schluchzen unterbrochen. Die Erklärung war nicht angekündigt worden und erfolgte überraschend inmitten der Zeugenvernehmung am dritten Verhandlungstag. Er habe sich dazu entschlossen, weil die Prozessführung fair sei, sagte der Hauptangeklagte.

Der 39 Jahre alte Hauptangeklagte plädiert auf eine Art Notwehrlage.
Der 39 Jahre alte Hauptangeklagte plädiert auf eine Art Notwehrlage.Bild: dpa-Pool / Uwe Anspach

Hauptangeklagter gibt mutmaßlichem Komplizen die Schuld am Tod der Polizistin

Während er für sich eine Art Notwehrlage schilderte, gab er dem Nebenangeklagten – seinem Komplizen in der Tatnacht - die Schuld am Tod der Polizistin bei der Verkehrskontrolle. Der 33-Jährige habe die Frau erschossen. Richter Raphael Mall sagte nach der Einlassung: "Ich muss das noch kurz für mich sacken lassen."

Eine ähnliche Erklärung hatte der Hauptangeklagte zu Prozessbeginn von seinem Anwalt verlesen lassen. Der Verteidiger des 33-Jährigen hatte den Vorwurf gegen seinen Mandanten zurückgewiesen.

Zeuge schildert Schussfolgen-Geräusche wie durch eine Feuerwerksbatterie

Zeugen haben im Prozess einen dramatischen Schusswechsel in der Tatnacht geschildert. "Das war Bumm Bumm", sagte ein 47 Jahre alte Anwohner am Dienstag im Mordprozess vor dem Landgericht Kaiserslautern.

Nach den Morden: Markierungen wurden am Rand der Kreisstraße 22 zwischen Mayweilerhof und Ulmet aufgetragen.
Nach den Morden: Markierungen wurden am Rand der Kreisstraße 22 zwischen Mayweilerhof und Ulmet aufgetragen.Bild: dpa / Harald Tittel

Schüsse aus Gewehr und Pistole seien deutlich zu vernehmen gewesen. Ein weiterer Zeuge hörte jemanden "Bleib stehen" schreien und ebenfalls zahlreiche Schüsse. "Das waren mehrere Schussfolgen. Fast wie eine Feuerwerksbatterie", sagte der ebenfalls 47 Jahre alte Mann und klopfte im Gerichtssaal viermal laut mit geballter rechter Hand rhythmisch auf den Tisch.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Hauptangeklagten vor, vor fünf Monaten eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin und einen 29 Jahre alten Polizeikommissar ermordet zu haben, um Jagdwilderei zu verdecken. Die Ermittler gehen von einem Feuergefecht zwischen dem Polizeikommissar und dem Hauptangeklagten aus. Der Polizist soll das Magazin seiner Dienstpistole leergeschossen haben – ohne den Angreifer zu treffen.

Auch auf Überwachsungskamera waren die Schüsse deutlich zu hören

Am Dienstag wurden auch Tonaufnahmen einer Überwachungskamera unweit des Tatorts abgespielt. Darauf waren die Schüsse deutlich zu hören.

Der nächste Prozesstag ist dann für Donnerstag geplant. Bisher sind vom Landgericht Termine bis zum 9. September vorgesehen – allerdings prüft das Gericht bereits weitere Termine bis 19. Oktober.

Es herrschte bundesweites Entsetzen über die Morde.
Es herrschte bundesweites Entsetzen über die Morde.Bild: dpa / Uwe Anspach

Die Gewalttat sorgte bundesweit für Entsetzen. Dem Komplizen wirft die Anklagebehörde versuchte Strafvereitelung vor. Er soll zwar beim Spurenverwischen geholfen, aber nicht geschossen haben. Der nächste Prozesstag ist für Donnerstag (9 Uhr) geplant.

(ast / dpa)

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