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Anja Sturm (links), Wolfgang Heer (Mitte) und Wolfgang Stahl verteidigen Beate Zschäpe im NSU-Prozess. Bild: Tobias Hase/dpa

Diese 3 Pflichtverteidiger plädieren für Zschäpe im NSU-Prozess

Im Münchner Prozess um die Morde der rechtsterroristischen NSU werden am Dienstag die Plädoyers von Beate Zshäpes Pflichtverteidiger Anja Sturm, Wolfgang Stahl und Wolfgang Heer erwartet.

Die drei Strafverteidiger kannten sich von Fachtagungen und gemeinsamen Mandaten, scherzhaft hatten sie überlegt eine gemeinsame Kanzlei zu gründen, erzählte Anja Sturm dem Magazin der "Süddeutschen Zeitung". Die drei Verteidiger wurden vom Gericht als Pflichtverteidiger bestimmt.

Der Prozesstag

Die Anwälte rieten Zschäpe vor Gericht zu schweigen, diese lehnte das ab. Nach der Verwerfung wollten die Anwälte ihr Mandat niederlegen – das Gericht lehnte ab.

Die Vorwürfe gegen Zschäpe und die 3 Juristen auf einen Blick.

Die Morde des NSU – und was Zschäpe vorgeworfen wird

Beate Zschäpe muss sich in München unter anderem wegen Beihilfe zum Mord verantworten. Sie hat eingestanden, fast 14 Jahre mit den beiden mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund gelebt zu haben.

In dieser Zeit sollen Mundlos und Böhnhardt zehn Menschen in ganz Deutschland ermordet haben. Zschäpe bestreitet eine Mittäterschaft und will von dem Treiben der NSU nichts gewusst haben. 

Zschäpe lernte Mundlos und Böhnhardt in der Thüringer rechtsextremen Szene kennen und tauchte mit ihnen ab.

Nachdem die beiden im November 2011 nach einem Banküberfall in Eisenach tot in ihrem Wohnmobil aufgefunden waren, sprengte Zschäpe die gemeinsame Wohnung in Zwickau und floh. Kurz darauf stellte sie sich der Polizei

Die Bundesanwaltschaft hat für Zschäpe lebenslange Haft beantragt. Zschäpes Wahlverteidiger – die bereits ihr Plädoyer gehalten haben – erachten dagegen eine Gefängnisstrafe von höchstens zehn Jahren für angemessen.

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Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl im Münchner Gerichtssaal Bild: AP POOL

Das ist Wolfgang Heer

Der Rechtsanwalt aus Köln wurde im November 2011 als Pflichtverteidiger Zschäpes bestellt. Über sein Motiv, ein solches Mandat zu übernehmen, erklärte er der Korrespondentin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": 

"Man steht allein gegen alle."

Wolfgang Heer, Strafverteidiger

Heer gilt als anerkannter Strafverteidiger. Er liebt aussichtslose Fälle. Sein Grundsatz lautet: 

"Man darf keine Angst haben, sich unbeliebt zu machen."

Wolfgang Heer, Strafverteidiger

Wirklich nur Alleintäter?

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Die mutmaßlichen NSU-Attenäter Uwe Böhnhardt (l.) und Uwe Mundlos.  dpa

Seine Strategie im NSU-Prozess gegen die mutmaßlichen Mitwisser der NSU, umschreibt er so:

"Die Bundesanwaltschaft geht davon aus ..., dass Frau Zschäpe Mittäterin an den mutmaßlich von Herrn Böhnhardt und Uwe Mundlos begangenen Taten war, wir ziehen dies grundsätzlich in Zweifel und sind der Auffassung, dass der Vorwurf der Mittäterschaft am Ende der Hauptverhandlung keinen Bestand haben wird."

Heer empfiehlt seinen Mandanten grundsätzlich zu schweigen. Beate Zschäpe hielt sich nicht an diesen Rat. Es kam zum Zerwürfnis mit den Altverteidigern. Heer sagt dazu:

"Frau Zschäpe hat selbst vorgetragen, dass sie seit langem eine Kommunikation mit Frau Sturm, Herrn Stahl und mir ablehnt, dies macht es natürlich schwer für jeden Verteidiger, der Vorsitzende hat uns sozusagen zwangsverpflichtet an diesem Prozess weiter teilzunehmen, wir üben die Verteidigung so gut aus, wie wir dies noch können."

Das ist Wolfgang Stahl

Der Anwalt ist in der Nähe der beschaulichen Beamtenstadt Koblenz geboren. In Bonn studierte er Jura. Stahl hatte mit Heer mehrere gemeinsame Mandanten verteidigt. Unter den beiden wird er als der "Versöhnlichere" beschrieben (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Er sagte dazu in einem Interview mit der Zeitung "Rheinische Post".

Von harmonischer Stimmung vor Gericht hält Stahl wenig.

"Manche Strafverteidiger scheinen immer sehr bemüht zu sein, Missstimmung im Gericht um jeden Preis zu vermeiden."

Wolfgang Stahl, Straverteidiger rp

Sein Motiv für die Verteidigung Zschäpes umschreibt Stahl wie folgt: 

"Ich glaube, Justiz und Rechtsstaat können dankbar sein, dass in dem Verfahren Verteidiger tätig sind, die neutral sind und keine Gesinnung verteidigen."

Wolfgang Stahl, Strafverteidiger rp

Seine Strategie: Wie Wolfgang Heer sieht er in Beate Zschäpe eine unwissende Mitläuferin. 

"Nach dem Ergebnis der Ermittlungen war Frau Zschäpe an keinem der Tatorte. Auch aktive Tatbeiträge waren nicht ermittelbar... Der Vorwurf der Mittäterschaft steht auf sehr dünnen Beinen."

Wolfgang Stahl, Strafverteidiger rp

Bilder von Tatort des Nagelbombenanschlags in der Keupstrasse in Koeln am 09.06.2004. | Verwendung weltweit

Bei dem Nagelbomben-Anschlag des NSU in Köln 2004 wurden 22 Menschen verletzt. Bild: picture alliance

Das ist Anja Sturm

Die versierte Anwältin ist 1970 in den USA geboren. Mit ihrer Kanzlei in Berlin hat sie sich wegen des Zschäpe-Mandats überworfen, sie wechselte dann in die Kanzlei von Wolfgang Heer in Köln. Der Süddeutschen Zeitung hat Sturm eindrucksvoll über Drohbriefe an sie berichtet. 

Heer und Stahl kenne sie von Fachtagungen. In der Verteidigungsstrategie vor Gericht stimmen sie überein: Schweigen. Ihr Credo: 

"Das Schweigen ist nicht relevant für die Beweisführung."

Anja Sturm, Strafverteidigerin

Wie geht es in dem Fall weiter?

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In diesem Wohnmobil in Eisenach starben im November 2011 Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach einer Explosion.  Bild: dpa-Zentralbild

Das Urteil wird noch einige Zeit auf sich warten lassen. Ebenso wie die Frage, wie sich rechtsextreme Terrorstrukturen quasi unter den Augen des Verfassungsschutzes etablieren konnten. 

Die Thüringer Linken-Politikerin Katharina König, die sich intensiv um Aufklärung bemüht, erklärte dazu dem "Deutschlandfunk" in einem Interview: 

Offene Fragen 

"Und das bringt uns immer wieder an Grenzen, weil man natürlich nicht regional den NSU betrachten kann, weder das Kerntrio noch das Netzwerk, sondern die ja mindestens bundesweit agiert haben und darüber hinaus zum Teil internationale Kontakte hatten. Und da wäre es notwendig, dass man eigentlich alle Akten aller Verfassungsschutzbehörden und auch der Auslandsgeheimdienste zur Verfügung gestellt bekommt, um zumindest zu versuchen, konsequent aufzuklären."

Katharina König, Linke

Die Forderung der Aufklärung bleibt – auch außerhalb des Gerichtssaals.

(per/dpa/AFP/rtr)

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