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5 Frauen, die in Deutschland muslimischen Feminismus prägen

29.03.2018, 09:3731.03.2018, 14:44

Am 27. März war Muslim Women's Day, ein Tag, um muslimischen Frauen weltweit zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen.

Ins Leben gerufen wurde der Tag von der Bloggerin Amani Al-Khatahtbeh, die mit dem Tag neue, positive Narrative über muslimische Frauen zeigen will

Unter dem hashtag #muslimwomensday teilten Frauen aus aller Welt auf Twitter ihre Erfahrungen mit und als muslimische und auch feministische Frau.

In Deutschland wurde der Tag nahezu gar nicht wahrgenommen.

Kein Wunder, Diskussionen über muslimischen Feminismus sind in Deutschland noch relativ neu.

Muslimische Feministinnen fragen sich aber schon länger, wie man den Islam und den Koran auslegen kann, dass er beispielsweise Geschlechtergleichheit befürwortet.

Diese Lesart des Koran nennt man auch feministische Koranexegese.

Eine der frühen Vordenkerinnen in Deutschland ist zum Beispiel die Theologin Rabea Müller, die sich bereits seit Jahren dafür einsetzt, Feminismus "nicht ausschließlich Menschen wie Alice Schwarzer zu überlassen".

Muslimische Frauen können und wollen für sich selbst sprechen. Und das tun sie langsam auch in Deutschland.

Hier sind 5 muslimische Frauen, die sich in Deutschland öffentlich mit dem Thema Feminismus im Islam auseinandersetzen.

Lamya Kaddor

Bild: imago stock&people
  • Religionspädagogin und Islamwissenschaftlerin, bezeichnet sich selbst als liberale Muslimin.
  • Die Tochter syrischer Einwanderer setzt sich seit Jahren für Verständigung zwischen liberalen und traditionalistischen Muslimen ein.
  • ist Autorin mehrerer Bücher zu den Themen Extremismus und Islam, 2010 hat sie ihr Buch "Muslimisch, weiblich, deutsch. Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam" publiziert.
"Wir leben in einer Demokratie und die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist auch im Islam verankert (Das sage ich jetzt auch auf die Gefahr hin, dass Sie vermutlich lachen werden). Allerdings gibt es immer noch Muslime, die das nicht ganz umsetzen."
Lamya Kaddor im Chat mit "Forum am freitag", ZDF
"Feminismus sollte 'empowern' und nicht bevormunden."
kaddor in ihrer T-online kolumne

Seyran Ateş

Bild: Getty Images Europe
  • Rechtsanwältin, Autorin, Frauenrechtlerin und Imamin
  • Tochter türkisch-kurdischer Eltern, hat lange als Rechtsanwältin gearbeitet
  • In einem Beratungsgespräch 1984 wurde Ateş angeschossen, als der Mann einer ihrer Klientinnen seine Frau erschoss
  • Ateş hat gemeinsam mit anderen die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin gegründet, die für einen liberalen und säkularen Islam steht, wurde dafür derartig bedroht, dass sie unter Polizeischutz steht
  • hat in ihrer Moschee eine Imamin und homosexuellen Imam vorbeten lassen
  • ist dennoch eine umstrittene Figur, unter anderem, da sie in ihrer liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee keine vollverschleierten Frauen möchte
  • hat kürzlich in einem Interview mit dem "Kurier" die These aufgestellt, Frauen in Deutschland würden von ausländischen Regierungen bezahlt werden, wenn sie Kopftuch tragen
"Ich kann es noch nicht belegen. Aber wenn man in das Milieu hineingeht, dann erfährt man das. Reinigungsfrauen in Deutschland bekommen 100 Euro mehr, wenn sie Kopftuch tragen. Es gibt Beispiele, wo Frauen in der Türkei von AKP-Anhängern aufgesucht werden mit einer Tüte voller Kopftücher und sagen: "Wenn du in deinem Kosmetiksalon Kopftuch trägst und deine Kundinnen anhältst, Kopftuch zu tragen, dann bezahlen wir dich dafür." Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Studentinnen werden dafür bezahlt – auch vor Gericht zu ziehen, um das Recht auf Kopftuch einzuklagen. Noch können wir es nicht beweisen, aber irgendwann werden diese Frauen reden"
Seyran Ateş im Interview mit dem kurier.at, 06.03.2018

Kübra Gümüşay

Bild: imago stock&people
  • Journalistin, Bloggerin, Netzaktivistin
  • äußert sich zu gesellschaftlichen Themen viel im Netz, hat 18 Tausend Twitter-Follower
„Frauen sollten sich nicht dafür rechtfertigen müssen, warum sie an eine Religion glauben oder auch nicht glauben.“
kübra gümüşay, vortrag bei der friedrich-ebert-stiftung, 2016
  • initiierte nach der Silvesternacht in Köln 2015/2016 die Kampagne #ausnahmslos, in der sie mit anderen fordert, dass sexualisierte Gewalt immer thematisiert werden solle und nicht nur, wenn Täter die vermeintlich "Anderen" wären
  • Reyhan Şahin, auch bekannt als Rapperin Lady Bitch Ray, warf Gümüşay in einem Facebook-Posting vor zwei Jahren Erdogan-Nähe vor
  • Gümüşay reagierte auf ihrer Homepage auf die Vorwürfe mit einem Statement

Dort sagt sie unter anderem

"In den letzten Tagen versuchte man mir Anhängerschaft zu verschiedenen Parteien und Organisationen anzudichten. Mich enttäuscht der Argwohn, das Lagerdenken und das Unvermögen Differenziertheit zuzulassen. Doch das sagt viel aus über unser Jetzt. Unsere Gesellschaft. Uns. (…) Ich bin weder pro dies, noch pro das. In meiner Person und Arbeit vereine ich mehrere Identitäten und Ideale, die in allen politischen Lagern der Türkei (aber nicht nur dort) auf die eine oder andere Art und Weise anecken, wenn nicht gar fundamental widersprechen."

Sineb El Masrar

Bild: imago stock&people
  • Journalistin und Autorin
  • Gründerin des Frauenmagazins "Gazelle", in dem Frauen mit Kopftuch und Schleier schon seit 2006 ein mediales Forum bekamen
  • veröffentlichte 2010 das Buch "Muslim Girls - Wer sie sind, wie sie leben", in dem sie unter anderem die Medienrezeption muslimischer Frauen in Deutschland bespricht. Das Buch wurde 2015 nochmal unter geändertem Titel herausgegeben
  • setzt sich für Selbstbestimmung der muslimischen Frau und queerer Muslime ein
"Frauen können sehr wohl jüdisch, muslimisch, christlich, buddhistisch oder sonst was sein und zugleich Feministinnen."
el Masrar im Interview mit der frankfurter rundschau
"Wir Muslimas in Deutschland sollten uns endlich erheben. Wir sollten Courage zeigen, wenn wir nicht weiter auf die Gunst und Milde von vielen Männern und einigen Frauen in Verbänden, Moscheehäusern und Familien hoffen wollen. Es ist an der Zeit, dass wir unser emanzipatorisches Erbe einfordern und mit Bestimmtheit für Freiheit und gegen Ausgrenzung eintreten!"
klappentext "Emanzipation im islam"

Khola Maryam Hübsch

Bild: imago stock&people
  • Journalistin, Publizistin, Bloggerin
  • setzt sich in der Ahmadiyya-Gemeinde für interreligiösen Dialog ein
  • 2014 erschien ihr Buch "Unter dem Schleier die Freiheit – Was der Islam zu einem wirklich emanzipierten Frauenbild beitragen kann", in dem sie auch unserer vermeintlich sexualisierten Gesellschaft den Spiegel vorhält und fragt: Wie emanzipiert ist das eigentlich? Kann das freiwillige Tragen eines Kopftuchs nicht gerade feministisch sein?
  • hat sich mehrfach gegen ein Burka-Verbot ausgesprochen
"Wir haben fast überall eine mehr oder weniger stark ausgeprägte patriarchalische Kultur, die auch Religion instrumentalisiert"
"Es gibt viele Koranverse, die explizit betonen, dass Mann und Frau gleichwertig sind. 'Die muslimischen Männer und die muslimischen Frauen sind einer des anderen Freund', heißt es zum Beispiel. Es wird immer wieder gesagt, dass beide vor Gott gleich entlohnt werden."
Bild: iStockphoto
Welche muslimischen Feministinnen kennt ihr noch weltweit? Schreibt es uns in den Kommentaren

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