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Zwei Klasse-Keeper: Neuer (l.) und ter Stegen. Bild: imago images / Sven Simon / anke waelischmiller

Analyse

Ter Stegen vs. Neuer – nun gibt es einen Verlierer im Torwart-Zoff

Fußball-Fans sind Aufregung gewohnt. Aber seien wir mal ehrlich: Was für eine Fußball-Woche liegt hinter uns!

Alles drehte sich in dieser Woche um zwei Personen: Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen. Wer von beiden wird die Nummer 1 im DFB-Tor sein? Erst gossen beide Torhüter selbst Öl ins Feuer – und als die Hütte schon brannte, kam Uli Hoeneß und setzte das ganze Dorf in Brand. Der Boss des FC Bayern befeuerte die Debatte mit seinen verbalen Dauer-Querschlägen wahlweise in Richtung DFB, Oliver Bierhoff oder ter Stegen selbst.

Warum Hoeneß so wütend war? Handlungsbedarf aus Bayern-Sicht entwickelte sich am Dienstag: Mit seinen Paraden zum Champions-League-Auftakt in Dortmund rettete Marc-André ter Stegen diese Woche dem FC Barcelona einen Punkt (0:0). Er hielt unter anderem einen Elfmeter von Marco Reus.

Sein Konkurrent im Nationalteam, Manuel Neuer, spielte am Mittwochabend in der Königsklasse mit FC Bayern München gegen Roter Stern Belgrad (3:0). Und auch Neuer machte seine Sache gut, blieb gegen die Serben ohne Gegentreffer. Kleiner Schönheitsfehler: Ein Rückpass, den er nicht kontrollieren konnte, die Folge war ein Eckball für Belgrad. Ansonsten hatte Neuer kaum etwas zu parieren. Gleiches Spiel nun am Samstag gegen Köln, als der FC Bayern mit 4:0 gewann. Nur bei einem Freistoß von Florian Kainz zeigte Neuer eine Unsicherheit

Doch er hätte noch so gut halten können: In aller Munde ist und bleibt ter Stegen. Ein Millionenpublikum in Deutschland, das unregelmäßig die spanische Liga verfolgt, konnte sich vor den TV-Bildschirmen beim Spiel gegen den BVB davon überzeugen, wie gut der ehemalige Gladbacher ist.

Gelingt es ter Stegen, den Keeper des FC Bayern aus dem DFB-Tor zu drängen?

Auch eine Panne in der spanischen Liga am Samstag (die in Deutschland kaum jemand mitbekam), ändert deswegen nichts daran: Spätestens seit der Glanzleistung gegen den BVB fordert gefühlt ganz Fußballdeutschland: ter Stegen muss endlich die Nummer eins sein!

Seit Tagen schwelt daher die Diskussion, ob nun Manuel Neuer oder Marc-André ter Stegen die Nummer eins in der Nationalelf sein sollte.

Nicht zuletzt, weil auch die Bosse vom FC Bayern, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, ihren Senf dazu gegeben haben, daraufhin der DFB in Form von Oli Bierhoff reagierte – was Hoeneß zur nächsten Wutrede motivierte.

Fakt ist: Neuer (90 Länderspiele) ist bei Jogi Löw gesetzt, debütierte 2009 unter dem Bundestrainer. Ter Stegen scharrt seit Jahren mit den Hufen, hat erst 22 Länderspiele, davon nur neun Pflichtspieleinsätze, der letzte war im Oktober 2017.

Soccer Football - Champions League - Bayern Munich Press Conference - Allianz Arena, Munich, Germany - September 17, 2019   Bayern Munich's Manuel Neuer during the press conference   REUTERS/Michael Dalder

Manuel Neuer muss sich nicht verstecken. Bild: reuters

Wer ist also die unbedingte Nummer 1 im DFB-Tor?

Jogi Löws Dilemma: Es ist kompliziert...

Es ist nicht so einfach.

Soccer Football - Euro 2020 Qualifier - Germany Training - Volksparkstadion, Hamburg, Germany - September 5, 2019   Germany's Marc-Andre ter Stegen during training   REUTERS/Fabian Bimmer

Darf sich bei der Nationalmannschaft meist nur Aufwärmen: MAtS. Bild: reuters

Der 27-jährige ter Stegen spielt seit 2014 für die Katalanen, zeigt Woche für Woche Topleistungen, gilt bei Barca als wichtigster Mann neben Lionel Messi. Doch auch der sechs Jahre ältere Bayern-Torwart Manuel Neuer liefert konstant Bestleistungen – im DFB-Dress und in der Bundesliga.

Jogi Löw steckt als Auswahltrainer der Torwartnation Deutschland, die eine unheimliche Dichte an Klasse-Keepern hat, in einem Dilemma. Ter Stegen und Neuer spielen bei internationalen Topklubs, hexen Bälle seit Jahren auf konstant hohem Niveau an ihren Toren vorbei. Beide sind bereits Champions-League-Sieger. Beide haben mehrfach die Meisterschaft mit ihren Vereinen gewonnen, Neuer sieben Mal, ter Stegen vier Mal. Neuer ist vierfacher Welttorhüter, ter Stegen steht in diesem Jahr bei der Wahl zum besten Keeper der Welt auf der Shortlist, neben den Brasilianern Ederson (ManCity) und Alisson (Liverpool). Kurzum: Neuer und ter Stegen sind beide sehr gute Torhüter.

Löw begeht einen großen Fehler und ist der wahre Verlierer im Torwart-Zoff

Aktuell wirkt es so, als wären Neuer und ter Stegen die Verlierer in der Debatte um die Nummer eins im deutschen Tor: Der eine will spielen, aber darf nicht. Der andere darf spielen, aber wird trotz guter Leistungen in Frage gestellt. Doch weder Neuer, noch ter Stegen sind die Verlierer. Der Verlierer ist der Bundestrainer.

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Jogi Löw: Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen, oder wie war das? Bild: imago images / ActionPictures / peter schatz

Der Fehler, den Löw vor der Länderspielpause gemacht hat, ist, dass er Marc-André ter Stegen einen Einsatz gegen Nordirland versprochen hatte und dann sein Wort brach, indem er dann doch Manuel Neuer spielen ließ. Klar, stand die Nationalelf gegen die Briten nach der Pleite gegen die Niederlande etwas unter Druck. Verständlich auch, dass Löw im Zusammenspiel zwischen Torwart und Abwehrkette auf Konstanz setzten will. Verständlich auch, dass ter Stegen seinen Unmut äußert. Unverständlich aber, dass Löw öffentlich ein solches Versprechen ausruft – und es dann nicht einhält.

Das kleinste Problem zum größten gemacht

Dadurch hat Löw das kleinste Problem der Nationalmannschaft, die Torwartposition, zum größten gemacht. Denn es gibt viele andere Baustellen im Team: Von der Wackelabwehr bis zur fehlenden offensiven Durchschlagskraft. Die Torwartposition aber ist die einzige, auf der Deutschland aktuell Weltklasse hat.

Außerdem ist das Festhalten des Bundestrainers an Neuer Wasser auf die Mühlen der Löw-Kritiker, die ihm viele falsche Entscheidungen und eine gewisse Bräsigkeit vorwerfen sowie den Umbruch im DFB-Team nur für einen Pseudo-Umbruch halten.

Bayern-Trainer Niko Kovac brachte es jüngst bei einer Pressekonferenz ziemlich gut auf den Punkt: "Manuel Neuer ist in Topform, hat in Leipzig und beim DFB sensationell gut gehalten. Für Marc-André ter Stegen ist es schwer, aber er ist auch ein Welt-Welt-Weltklasse-Torhüter, ist so. Leider gibt es nur einen Torhüter. Feldspieler gibt's zehn."

Und einen Verlierer: Jogi Löw.

Löw selbst scheint sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Zu der Torwart-Debatte sagte der Bundestrainer der "Bild am Sonntag": "Von so was lasse ich mich nicht beeinflussen. Das lässt mich völlig entspannt in die Zukunft blicken." Na dann...

(as)

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